Jürgen Starke: „Was Weiterbildungstests anbieterseitig bewirken“

Vortrag von Jürgen Starke von Telekom Training auf der „Bilanztagung Bildungstests“ am 4. November 2005 in Berlin.

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Vortrag:

Meine sehr geehrten Damen, meine sehr geehrten Herren,

vielen Dank, dass Sie mir Gelegenheit geben, aus Sicht eines Anbieters, einem der interviewten Anbieter, einige Aspekte auszuführen. Laut Tagesordnung heißt ja die Frage, was Weiterbildungstests anbieterseitig bewirken. Da mir nur wenig Zeit zur Verfügung steht, fasse ich vorweg zusammen. Was Weiterbildungstests anbieterseitig bewirken, sind drei Aspekte:

  • Es sind Stichproben und so werden sie von uns auch gewertet.
  • Sie sind ein Element unserer internen Qualitätssicherung.
  • Wir nehmen die Tests zu unseren Angeboten sehr ernst und werten die übertragbaren Ergebnisse anderer Tests von anderen Anbietern für uns aus. Wo geboten, werden sowohl bei unseren eigens getesteten Produkten als auch bei anderen Produkten unsererseits, bezogen auf unsere Produkte, Maßnahmen eingeleitet.

Die weiteren Ausführungen, die ich hier mache, sollen das belegen. Sie sind ein Rückblick auf das, was im Interview mein Kollege und ich versucht haben, Frau Waschbüsch zu vermitteln, und insofern habe ich mich da auch in irgendeiner Form in der Gesamtpräsentation wiedergefunden. Ich muss keinen Widerspruch anmelden. Ich habe mir in meinem Vortrag folgende Punkte vorgenommen:

  1. Zur Telekom Training: Das ist nicht der berühmte Werbeblock, sondern ganz einfach erforderlich. Sie werden die Telekom-Training als solches nicht kennen, so dass ich dazu kurz einiges sagen muss.
  2. Weiterbildungstests als Teil des Qualitätsmanagements.
  3. Der Wirkungsbereich und die Grenzen von Weiterbildungstests, so, wie wir sie sehen.
  4. Aufwand und Nutzen im Kontext von Weiterbildungstests. Hier gleich eine Bemerkung. Als betrieblicher Anbieter muss ich auch immer wieder die Frage nach dem Aufwand stellen.

Über 14 000 Weiterbildungsmaßnahmen im Jahr 2004

Telekom Training (TT) gehört zur Deutschen Telekom AG. Wir sind in unserer Funktion primär Shared-Services Dienstanbieter für Aus- und Weiterbildung im Konzern Deutsche Telekom. Wir sind eine virtuelle Organisation bestehend aus zwei Betriebsteilen der TT GmbH, das ist die Firma, die Sie am externen Markt sehen werden, und der Deutschen Telekom, die traditionell zur AG gehört. Die Leistungsbereiche der Telekom Training sind Weiterbildung, Ausbildung und Tagungshotels. Ich habe einige Zahlen zusammengestellt, damit Sie auch Größenvorstellungen darüber bekommen, womit wir uns beschäftigen. Sie sind aus dem Geschäftsbericht der Telekom für 2004, die für 2005 liegen zwangsläufig noch nicht vor. Also in Größenordungen: für die Weiterbildung 14 100 Maßnahmen und 96 000 Teilnehmer. Wir sind in unseren Leistungen sehr stark mit E-Learning konfrontiert. Als Telekom sind wir mit derzeit 11 600 Auszubildenden der größte Ausbilder in Deutschland. Wir verfügen mit unseren Tagungshotels und Berufsbildungsstellen auch über eine beachtliche Infrastruktur. Telekom Training hat insgesamt circa 1 600 Beschäftigte.

Evaluation und Kundenbefragung stehen im Fokus

Ich bin der Leiter für Qualität, Personal und Strategie. Das Thema Qualitätssicherung fällt in meine Funktion. Telekom Training arbeitet mit einem integrierten Managementsystem. Selbstbewertung nach EFQM, Auditierung und Zertifizierung nach ISO 9001 und die verschiedensten Formen der Evaluation. Da unser Hauptgeschäft Qualifizierungslösungen für große Nachfrager sind, stehen bei uns natürlich in der Evaluation, teilweise nicht als solche bezeichnet, die Auftragsevaluation und die Kundenbefragung im Fokus. Letztere sind für uns, für die großen Lösungen, der Hauptfeedbackaspekt. Wir vergleichen uns im Rahmen der verschiedensten Benchmarks – Lünendonkstudie, Wuppertaler Kreis – und mit unseren strategischen Benchmark-Partnern, die in gleicher Größenordnung am Markt agieren wie wir, zu den verschiedensten Aspekten wie Inhalt, Trends, Preisen und Ähnlichem.

Vergleich mit potenziellen Mitbewerbern

Die Weiterbildungstests fokussieren sich auf Qualitätsstandards. Ergebnisse erlauben einen Vergleich mit potenziellen Mitbewerbern. Wertmäßig haben unsere Angebote am externen Markt einen großen Umfang, aber bezogen auf unser Gesamtgeschäft stellen sie nur einen kleinen Anteil dar. Wie betrachten wir die Weiterbildungstests bezüglich des Wirkungsbereichs und der Grenzen? Der Bezug zu den Qualitätsstandards muss nachvollziehbar sein, damit die Ergebnisse, die über die Tests kommen, auch ernst genommen werden können. Ich denke, bisher sind sie das. Die Vergleichbarkeit der Leistungen muss gewährleistet sein. Ich denke, das spielte in den heutigen Ausführungen bereits wiederholt eine Rolle.

Wir betrachten Weiterbildungstests am ehesten geeignet für in sich abgeschlossene Maßnahmen. Grenzen bestehen für Weiterbildungstests aus unserer Sicht bei allen Bildungsmaßnahmen, die near- oder on-the-job durchgeführt werden, also beispielsweise könnte ich mir nur schwer vorstellen, dass für die IT-Weiterbildung, die ja neu konzipiert ist, solche Weiterbildungstests durchgeführt werden, weil es andere Weiterbildungsformen sind.

Nutzen für Verbraucher und Anbieter

Tests einmaliger Maßnahmen machen aus unserer Sicht wenig Sinn. Schlussfolgerungen, die man aus den Tests zieht, müssen übertragbar sein, um Verbesserungen einzuleiten. Differenzierte Anforderungen betreffs Teilnehmer, Auftraggeber und Anbieter sind zu beachten. Es ist klar, dass die Zielgruppe der Tests, nämlich der individuelle Nachfrager, teilweise andere Bedürfnisse hat als beispielsweise ein Großauftraggeber in einem Konzern, wie es die Telekom ist. Zur Übertragbarkeit der Ergebnisse hatte ich bereits etwas gesagt. Aufwand und Nutzen jeglicher Tests, jeglichen Qualitätsmanagements muss gewährleistet sein. Als Anbieter wie Beteiligte bieten wir punktuell an, als Fachexperten bei der Konzeptionierung von Tests zur Verfügung zu stehen. Wir stellen Unterlagen bereit und haben durch unsere Mitwirkung natürlich auch Aufwand. Aber ich halte dies für einen guten Aufwand, der bei der Auswertung der Ergebnisse positiv zum Tragen kommt. Nutzen für die primäre Zielgruppe der Tests ist die Transparenz. Das wurde heute mehrfach ausgeführt. Und den Nutzen der Tests für die Anbieter, Spiegelung der Leistungsqualität durch Unabhängige, möchte ich ausdrücklich betonen. Ich meine damit insbesondere Vergleichbarkeit eigener Leistungsqualität mit Anderen. Hier eröffnet sich ein Blick zu bestimmten Themen, wo wir unterschiedliche Anbieter durchaus dann vergleichen können. Erfahrungsgewinn bei der Einbindung in die Expertengremien, auch das ist, denke ich, ein Mehrwert.

Allgemeine Geschäftsbedingungen nach Test geändert

Abschließend das Fazit: Telekom Training steht den Weiterbildungstests positiv gegenüber. Zwei Tests sind erfolgt. Vorhin kam auch das Thema AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) zur Sprache. Wir haben unsere auch geändert, weil wir ernst zu nehmende Hinweise von ihnen bekommen haben. Telekom Training bietet seine Mitarbeit in Expertengremien an und wirkte bereits zweimal mit. Diese Mitarbeit als Fachexperten ist nicht zu unterschätzen.

Telekom Training sieht Weiterbildungstests insbesondere als ein Bedürfnis der Kunden, speziell der Teilnehmer, und vergleicht die aus Weiterbildungstests resultierenden Ergebnisse mit denen aus anderen Elementen des Qualitätsmanagements. Hierzu nur eine Bemerkung: Also wir springen nicht, wenn ein Test negativ für uns ausfällt, und werfen sofort alles über den Haufen. Aber wir sind umgekehrt auch nicht selbstzufrieden, wenn wir beispielsweise im Rahmen ISO oder Selbstbewertung einen positiven Spiegel vorgehalten bekommen. Einzeltests stimmen uns in jedem Fall kritisch. Ich denke, das gehört zusammen.

Testergebnisse werden im Unternehmen kommuniziert

Telekom Training überträgt relevante Schlussfolgerungen aus durchgeführten Tests auf nicht getestete Maßnahmen. Ich denke, das ist wichtig und ein Mehrwert für uns. TT kommuniziert die Testergebnisse im Unternehmen. Wir kommunizieren auch negative Ergebnisse und auch unsere Kundenbefragung, die nicht nur positiv ist, wird von uns im Unternehmen ohne Einschränkung kommuniziert. TT sieht die Durchführung von Tests insbesondere auf Maßnahmen on-the-job begrenzt. Es ist heute mehrfach gesagt worden, die betriebliche Weiterbildung, die innerhalb des Konzerns für die Mitarbeiter geführt wird, ist nicht Gegenstand dieser Tests und dabei sollte es auch bleiben. Vielen Dank.

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