Dr. Werner Brinkmann: Begrüßung

Vortrag von Dr. Werner Brinkmann, Vorstand der Stiftung Warentest, auf der „Bilanztagung Bildungstests“ am 4. November 2005 in Berlin.

Lieber Herr Catenhusen, meine Damen, meine Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich, Sie heute zu unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen, auf der wir ein Resümee ziehen wollen über die Weiterbildungstests der Stiftung Warentest. Ich beginne meinen Rückblick mit einer kleinen historischen Einstimmung: Wir haben uns mit dem Thema Bildung zum ersten Mal schon 1970 beschäftigt. Da erschien in der Oktoberausgabe von test eine Untersuchung der Stiftung Warentest über das Geschäftsgebaren von Fernunterrichtsanbietern. Von den 130 damals auffindbaren Fernschulen erfüllten nach unseren Feststellungen nur 14 die seinerzeit einschlägigen Qualitätskriterien, die vom – so hieß das damals – „Arbeitskreis für korrektes Fernlehrwesen e.V.“ stammten, einem Vorläufer der heutigen „Aktion Bildungsinformation“. Wir haben in der damaligen Untersuchung die Verträge analysiert, die besonderen rechtlichen Fallstricke, die diese für den Verbraucher mit sich bringen können, und dem Leser Hinweise gegeben, welche Anforderungen diese Unterrichtsform an ihn selbst stellt.

Erste Bildungstests mit positiver Wirkung

Einige Jahre später – im Oktober 1977 – konnten wir dann Erfreuliches berichten. Bei einer Wiederholungsuntersuchung stellten wir fest, dass das Fernunterrichtsschutzgesetz, das zum Beginn des Jahres 1977 in Kraft getreten war, sich positiv ausgewirkt hatte und sich die Lage für den Verbraucher auf diesem Markt deutlich verbessert hatte. Wir haben uns dann anderen Themen zugewandt, z. B. Wörterbüchern, Englisch-Selbstlernprogrammen oder Schüleraustauschkursen. Wenn Sie in die aktuelle Novemberausgabe von Finanztest schauen, sehen Sie, dass wir heute zu den Anfängen zurückgekehrt sind. Denn auch dort finden Sie eine Untersuchung über die Fernunterrichtsanbieter, in diesem Fall über die Beratungsqualität. Wir werden die Qualität der Kurse selbst in einer weiteren Untersuchung noch analysieren und sind schon jetzt auf die Ergebnisse gespannt. Übrigens haben wir für die Fernlerner vor wenigen Tagen einen kleinen Leitfaden herausgegeben.

Abteilung Weiterbildungstests seit 2003

Seit der ersten Untersuchung im Jahr 1970 bis zum Jahr 2002 haben wir insgesamt 50 Untersuchungen und Reports auf dem Gebiet Bildung durchgeführt und veröffentlicht. Eine Neuentwicklung hat dann Ende 2002 eingesetzt. Das zeigen folgende Zahlen: Von Anfang 2003 bis heute haben wir annähernd 50 Untersuchungen und Reports durchgeführt und in den Zeitschriften test und Finanztest und natürlich im Internet veröffentlicht. Die Schwerpunkte lagen dabei auf den Angeboten der außerbetrieblichen, beruflichen Weiterbildung. Neben den vielen Einzeluntersuchungen, die wir veröffentlicht haben, haben wir inzwischen drei Sonderhefte und vier Leitfäden herausgegeben. Wir haben damit einen neuen inhaltlichen Schwerpunkt gebildet mit einer eigens dafür geschaffenen Abteilung, die inzwischen 16 Mitarbeiter hat.

Staatlich gefördert vom Bildungsministerium

Dies alles ist möglich geworden durch eine staatliche Förderung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Kofinanzierung mit dem Europäischen Sozialfonds stammt. Wir erhalten seit Ende 2002 und inzwischen garantiert bis zum Jahr 2007 jährlich einen Betrag von 1,8 bis ca. 2 Millionen Euro. Dazu muss man sagen, dass eine Selbstfinanzierung oder auch nur überwiegende Refinanzierung von Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Bildung durch die mit dem Verkauf der Veröffentlichung erzielbaren Erlöse auf dem Zeitschriftenmarkt nicht möglich ist. Die Erfahrung, dass der Aufwand deutlich höher als die erzielbaren Einnahmen ist, haben wir vor einigen Jahren schon mit unserem Hochschulführer gemacht. Deswegen also die klare Feststellung hier: Ohne die von mir erwähnte Förderung durch das Bundesbildungsministerium wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen.

Schwer überschaubarer Weiterbildungsmarkt

Sinn des Projekts ist, durch den Schwerpunkt Weiterbildungstests eine „kritische Masse“ an Veröffentlichungen zu erreichen, durch die der Markt in Bewegung gerät. Aber natürlich ist für uns primär wichtig, in den Köpfen der Verbraucher, in den Köpfen unserer Leser etwas zu bewirken. Diese Aufgabe ist nicht leicht. Der Weiterbildungsmarkt ist schwierig. Er ist regional geprägt, er ist dynamisch, er ist von einer Vielzahl von Anbietern gekennzeichnet und er ist für den Verbraucher kaum überschaubar. Die Qualität der einzelnen Angebote ist erst recht nicht einschätzbar. Hinzu kommt, dass auch die Anbieter selbst gerade in den letzten Monaten und Jahren in Schwierigkeiten geraten sind aufgrund des starken Rückgangs der Weiterbildungsfinanzierungen durch die Arbeitsagenturen und den dadurch deutlich gestiegenen Preisdruck.

Was bewirken Weiterbildungstests für den Verbraucher?

Wir wollen heute gemeinsam diskutieren, was die Weiterbildungstests der Stiftung Warentest positiv für den Verbraucher bewirkt haben und was sie bewirken können. Hierbei stützen wir uns in erster Linie auf eine Untersuchung der Bildungsforscher Helmut Kuwan und Yves Waschbüsch, die diese im Sommer durchgeführt haben, und zwar unter Beteiligung des Bundesinstituts für Berufsbildung und in Kooperation mit Infratest. Beide Forscher haben umfangreiche Befragungen bei Verbrauchern und bei Anbietern durchgeführt. Bevor aber die beiden Wissenschaftler zu Wort kommen, werden wir unsere Arbeit erläutern. Wir werden unsere Arbeitsweise von betroffenen Anbietern kommentieren lassen und beschreiben, welche Ziele wir gehabt haben und noch haben und welche Wege wir beschritten haben.

Mit der sprichwörtlichen Neutralität der Stiftung Warentest kann ich es vereinbaren, wenn ich diese Gelegenheit nutze, um der vermutlich nur noch wenige Tage amtierenden Bundesbildungsministerin Frau Bulmahn für ihr Engagement zu danken. Ich habe es schon gesagt: Ohne dieses Engagement wäre uns diese Aktivität nicht möglich gewesen. Frau Bulmahn hat die Idee zur Durchführung von Weiterbildungstests in ihrem Hause fortentwickelt und dann auch die finanziellen Beträge, die erforderlich waren, zur Verfügung gestellt.

Das Engagement des Bildungsministeriums bei den Weiterbildungstests der Stiftung Warentest zeigt sich auch bei dem ersten Redner, Herrn Staatssekretär Catenhusen. Ich freue mich, Herr Catenhusen, dass Sie sich sofort bereit erklärt haben, bei der heutigen Veranstaltung einen Beitrag aus Ihrer Sicht und aus der Sicht des Ministeriums zu leisten. Herr Catenhusen, Sie haben das Wort.

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