Bierzapfsysteme Test

Die eigene Bierzapfanlage im Garten macht was her. Die billigste „Gute“ im Test ist ab 89 Euro zu haben. Günstiger sind Fässer mit eingebautem Zapfsystem.

Käme einer auf die Idee, von heute an jeden Tag ein anderes Bier zu trinken, er wäre allein mit deutschem Braugut fast 14 Jahre lang beschäftigt: Süffiges Altbier vom Niederrhein, spritziges Weißbier aus Bayern, malziges Schwarzbier aus Thüringen, Dortmunder Export, Einbecker Bock, Berliner Weiße, Kölsch oder Pilsener –
rund 5 000 verschiedene Biere gibt es hierzulande, gebraut von mehr als 1 300 Brauereien.

Am besten schmeckt Bier gut gekühlt und frisch gezapft – und das immer öfter auch zuhause. Viele Brauereien bieten ihr Bier mittlerweile als 5-Liter-Partyfass an. Diese Fässchen verfügen über einen Zapfhahn, mit dem sich das kühle Blonde selbst zapfen lässt. In Zeiten wie diesen, in denen große Fußballspiele zum gemeinschaftlichen Umtrunk einladen, ist die Auswahl besonders groß.

Vom Kühlschrank direkt auf den Tisch

Wir haben die gängigen Zapfsysteme getestet. Einfachste Variante: Das 5-Liter-Partyfässchen wird direkt aus dem Kühlschrank etwas erhöht auf den Tisch gestellt und mit einem Dreh am Hahn läuft das Bier heraus. Ist das Fass halb leer, muss im Deckel ein Belüftungsloch geöffnet werden, weil das Bier sonst wegen des Unterdrucks im Fass nicht mehr weiterläuft. Das Bier strömt anfangs gut, zum Ende aber immer langsamer und der Schaum wird weniger. Zudem heißt es zügig trinken, denn da Luft im Fass ans Bier kommt, entweicht einerseits Kohlensäure – das Bier wird schal. Andererseits oxidiert Sauerstoff das Bier, was den Geschmack beeinträchtigt. Ganz leer bekommt das Fass nur, wer es am Ende zu sich hin kippt. Größtes Manko der Partyfässer: Das Bier wird schnell warm. Kommt das Fass mit 6 Grad Celsius auf den Tisch, ist es bei sommerlichen Temperaturen nach 90 Minuten schon bei etwa 10 Grad. Für ein Fußballspiel reicht das – in der Verlängerung wird es aber schon kritisch.

Im Kühler auf 6 Grad herunterkühlen

Waeco bietet passend für diese 5-Liter-Fässer einen elektrisch betriebenen Bierkühler an. Das Gerät kühlt ein Fass in rund 13 Stunden von 22 Grad Celsius auf 6 Grad herunter und hält die Temperatur. Das klappt „gut“, wenngleich es viel Strom kostet – am Tag etwa 1,5 Kilowattstunden. Weil sich die Partyfässer aber am Ende so schlecht leeren lassen, ist der Bierkühler nur „befriedigend“ (siehe Tabelle Bierzapfanlagen). Schön ist allerdings die große Auswahl an Bieren, die sich damit gekühlt zapfen lassen.

Kohlensäuredruck wie am Tresen

Besser lässt sich die Vielfalt mit einer richtigen Zapfanlage nutzen. Von den vier Anlagen im Test sind Bier Maxx, Clatronic und Westfalia für alle gängigen 5-Liter-Fässer ausgelegt. Sie pressen das Bier mit Kohlensäuredruck aus dem Fass – ganz so wie die Zapfanlage am Kneipentresen. Gleichzeitig kühlen sie das Bier. Die wechselbaren Kohlensäurekartuschen im Bier Maxx und Clatronic reichen jeweils für etwa ein Fass, im Westfalia etwa für drei bis vier Fässer.

Philips Perfect Draft mit Luftdruck

Bierzapfsysteme Test

Bierzapfanlagen halten das Bier wochenlang frisch. Das kostet Strom: Philips Perfect Draft benötigt etwa 38 Kilowattstunden, um das Bier 30 Tage lang bei 6 Grad Celsius zu halten – macht zirka 8,50 Euro.

Ähnlich funktioniert die Perfect-Draft-Anlage von Philips. Auch sie kühlt das Bier und presst es mit Druck aus dem Fass – allerdings mit Luftdruck. Das Bier befindet sich in dem Fass in einem Kunststoffbeutel, den ein Kompressor beim Zapfen zusammendrückt. Vorteil: Man muss keine Kartuschen wechseln. Außerdem sind die Fässer umweltschonende Mehrwegware. Die Auswahl an Bieren ist aber recht klein, denn bisher nutzt in Deutschland nur die Brauerei InBev das Perfect-Draft-System – derzeit mit sieben Produkten, darunter Beck’s Pils, Diebels Alt und Franziskaner Weißbier. Ob mit Luftdruck oder Gas – der Stromverbrauch der Zapfanlagen ist nicht zu vernachlässigen. Wird ein Fass zwei Tage lang gekühlt und in dieser Zeit leergezapft, gehen 1,4 bis 2,6 Kilowattstunden drauf. Muss die Anlage die Trinktemperatur nur halten, verbraucht sie weniger Strom als beim eigenständigen Herunterkühlen.

Zapfanlagen einfach zu handhaben

Aufstellen, Zapfhahn montieren, Fass wechseln – die Zapfanlagen sind meist problemlos zu handhaben, wenngleich beim Anzapfen immer mal was danebengeht. Daher besser auf wischfestem Boden aufstellen oder gleich im Garten. Bei Anlagen für die 5-Liter-Fässer muss durch den Belüftungsstopfen im Fassdeckel der Zapfdegen – ein dünnes Rohr – eingesteckt werden. Doch es sind verschiedene Stopfen auf dem Markt. Am gängigsten und am besten sind Gummistopfen, die einfach durchstochen werden. Manche Fässer haben aber Stopfen, die erst entfernt und durch einen Universal­stopfen ersetzt werden müssen. Dadurch kommt Luft ans Bier, was die Haltbarkeit senkt. Vorteil des Philips-Perfect-Draft-Systems: Die Zapfeinheit wird einfach oben auf das Fass gedrückt, fertig.

Westfalia mit Problemen beim Kühlen

Zapfen lässt sich mit allen vier Anlagen „gut“. Sowohl bei vollem als auch sich leerendem Fass lässt sich ein schönes Pils mit ansehnlicher Krone zapfen. Am besten kühlt man die Fässer im Kühlschrank vor. Das geht schneller als in den Zapfanlagen selbst, die bis zu einem ganzen Tag brauchen, um ein Fass von 22 auf 6 Grad Celsius herunterzukühlen. Die Westfalia-Zapfanlage schafft das nur im unteren Bereich des Fasses, oben bleibt das Bier wärmer. Ein vorgekühltes Fass können aber alle auf Temperatur halten (siehe Tipps).

Eine preisgünstige Alternative zum eigenen Zapfhahn sind Fässer mit integriertem Zapfsystem. Die Bierauswahl ist hier allerdings gering. In Deutschland bieten zurzeit nur Krombacher und Heineken „Frische Fässer“ oder „Draught Kegs“ mit eingebauter Kohlensäurekartusche an. Zapfen lässt sich das Bier daraus „gut“ bis „sehr gut“.

Bierzapfsysteme Test

Die Kühlmanschette („Ice-Pack“) für das Krombacher Frische Fass muss in das Gefrierfach.

Krombacher verkauft Kühlmanschetten, die tiefgekühlt um das Fass gezogen werden. Ein Fass damit herunterzukühlen dauert zwar einige Zeit, ein kaltes Fass über Stunden kühl zu halten klappt aber hervorragend. Beim 11-Liter-Fass ließ sich das Ice-Pack aber nur sehr kraftraubend aufziehen. Für Heinekens Draught Kegs gibt es kein Kühlsystem – einmal aus dem Kühlschrank herausgeholt wird es warm. Passen würde hier aber auch das Krombacher Ice-Pack.

Völlig unabhängig vom Kühlschrank ist das CoolKeg, das Tucher anbietet. In der Außenhülle des Fasses befinden sich Zeolithe – natürliche Minerale, die große Mengen Wasser aufnehmen können – sowie ein wassergetränktes Vlies. Zeolithe und Vlies sind über ein Ventil verbunden. Wird das Ventil über einen Hebel auf der Fassoberseite geöffnet, strömt Wasserdampf vom Vlies zum Zeolith. Dadurch entsteht so viel Verdunstungskälte, dass das Restwasser im Vlies gefriert und das Bier herunterkühlt. Das leere Fass wird in der Brauerei in einem Ofen erhitzt und so regeneriert.

Aus Tucher CoolKeg selten mit Blume

Doch so sehr die Kühlung des CoolKeg auch überzeugt, ein schönes Bier ließ sich mit ihm kaum zapfen, eine Blume gelang nur selten. Wie bei den 5-Liter-Partyfässern läuft das Bier einfach heraus. Zur Halbzeit muss belüftet werden, was die Haltbarkeit beschränkt. Außerdem muss auch das CoolKeg am Ende gekippt werden, um es ganz leer zu bekommen.

Ein Vorteil der Fässer mit integriertem Zapfsystem ist ihre einfache Reinigung. Allenfalls der Zapfhahn muss gespült werden, das CoolKeg ist komplett wartungsfrei. Zapfanlagen machen da mehr Arbeit. Nach der Reinigung fanden wir in allen Anlagen mit Ausnahme des Philips-Geräts Keime in den Zapfleitungen, wenn auch nur sehr wenige und keine gefährlichen. Nach längeren Zapfpausen ist es daher ratsam, die Schläuche vorm Anzapfen nochmals zu spülen – damit es nicht hinterher heißt, eins von den 5 000 Bieren muss wohlschlecht gewesen sein.

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