Bewertungs­portale Bundes­gerichts­hof bestätigt Yelp

14.01.2020
Bewertungs­portale - Bundes­gerichts­hof bestätigt Yelp
Fitness­studio-Betreiberin Renate Holland ist mit dem Bewertungs­system der Platt­form Yelp unzufrieden. Sie hat geklagt – und nun vor dem Bundes­gerichts­hof verloren. © picture alliance / dpa / Lino Mirgeler

Das Onlineportal Yelp darf weiterhin seine Unter­nehmens­bewertungen auf eine auto­matisierte Auswahl stützen. Mit diesem Urteil beendete der Bundes­gerichts­hof (BGH) einen jahre­langen Rechts­streit zwischen der Fitness­studio­betreiberin Renate Holland und dem Bewertungs­portal.

Nicht alle Bewertungen fließen in das Gesamt­urteil ein

Bei Yelp darf jeder zum Kritiker werden und seine Meinung zu Restaurants, Dienst­leistern und Geschäften veröffent­lichen. Die Nutzer können dabei ein Stern bis fünf Sterne vergeben und einen Text schreiben. In die Gesamt­bewertung fließen jedoch nicht alle Nutzer-Bewertungen ein: Eine spezielle Software identifiziert auto­matisch die „empfohlenen Beiträge“, die Yelp für besonders hilf­reich oder authentisch hält. Dabei handelt es sich etwa um Beiträge von Nutzern, die auf dem Portal aktiv sind und bislang glaubhafte Bewertungen abge­liefert haben. So sollen Gefäl­ligkeits­bewertungen und Fälschungen aussortiert werden. Die nach dem Yelp-Algorithmus „nicht empfohlenen“ Bewertungen können Besucher der Webseite dennoch lesen.

Unternehmerin empfindet Bewertungen als ungerecht

Eine Fitness­studio­betreiberin hatte gegen Yelp geklagt, weil sie die Benotung ihrer Studios als unfair empfand. Vor dem Ober­landes­gericht (OLG) München hatte sie 2018 eine Klage gewonnen. Die Richter hatten damals geur­teilt, dass durch das Aussortieren von Bewertungen ein verzerrtes Gesamt­bild entstehen würde. In diesem Verfahren wurde der Unternehmerin Schaden­ersatz zugesprochen. Außerdem wurde Yelp untersagt, die Studios weiterhin zu bewerten.

Gewer­betreibende müssen Kritik hinnehmen

Das BGH-Urteil hebt die Rechts­sprechung des Münchner OLG auf. Dem Urteil der Karls­ruher Richter zufolge über­wiegen die schutz­würdigen Belange von Yelp und nicht die recht­lich geschützten Interessen der Klägerin. Die Einstufung von Bewertungen auf Yelp – in die Kategorien „empfohlen“ und „nicht empfohlen“ – sei durch die Berufs- und Meinungs­freiheit geschützt. Der vorsitzende Richter: „Ein Gewer­betreibender muss Kritik an seinen Leistungen und die öffent­liche Erörterung geäußerter Kritik grund­sätzlich hinnehmen.“

Onlinebe­wertungen – das Thema auf test.de

Wissenschaft.
Die Universität Dort­mund hat die Bewertungen auf dem Portal Amazon untersucht. Zum Test Fake-Bewertungen.
Unter­suchungen.
Das Bundes­kartell­amt interes­siert sich ebenfalls für die Bewertungen – Bundeskartellamt untersucht Nutzerbewertungen.

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14.01.2020
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