Bewerbungstrainings Test

Wie überzeugt man mit einer Bewerbung? Und wie im Vorstellungsgespräch? Ein gutes Bewerbungstraining bringt Sicherheit. Kurse gibt es schon für unter 50 Euro.

Warum sollten wir gerade Sie einstellen? Finden Sie nicht, dass Sie für die Position viel zu unerfahren sind?“ Die Befragte lässt sich nicht provozieren. „Sie hätten mich sicher nicht eingeladen, wenn Sie nicht von meiner Qualifikation überzeugt wären“, kontert sie lächelnd und zählt dann die Gründe auf, warum sie die ideale Kandidatin für die zu besetzende Stelle ist.

Was wie ein Vorstellungsgespräch aussieht, ist ein Rollenspiel in einem Bewerbungstraining, das Testpersonen der Stiftung Warentest so oder ähnlich erlebt haben. Der Dozent mimt den Arbeitgeber, ein Kursteilnehmer den Bewerber. Später werden Auftreten, Antworten und Glaubwürdigkeit des Probanden im Kurs analysiert.

Stärker als früher erwarten Arbeitgeber heute, dass Bewerber sich passgenau präsentieren. Der Kandidat muss selbst die entscheidenden Argumente dafür liefern, warum er der geeignete Mitarbeiter ist. Und das gilt nicht erst im Vorstellungsgespräch, sondern schon für die Bewerbungsunterlagen. In Zeiten, da sich auf den Schreibtischen der Personalchefs hunderte von Mappen gleichqualifizierter Bewerber stapeln, verwundert das kaum.

Gute Trainings kosten nicht viel

Die Stiftung Warentest wollte wissen, wie gut Bewerbungstrainings auf den Bewerbungsprozess vorbereiten. Unser Fazit: Gute Trainings gibt es schon für unter 50 Euro.

Im Test waren zum einen neun allgemeine Bewerbungstrainings. Diese Kurse behandeln alle Aspekte eines Bewerbungsverfahrens im Überblick – von der Stellensuche über verschiedene Bewerbungsarten bis zum Vorstellungsgespräch. Das geht nicht ohne Theorie. Die sollte aber durch praktische Übungen ergänzt werden.

Zum anderen haben wir unsere Tester in vier Spezialtrainings zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche geschickt. Hier sollte die Praxis im Vordergrund stehen.

Die Kurse finden in ganz unterschiedlicher Form statt – als Abendkurs, Wochenendseminar oder Tageslehrgang. Die Volkshochschulen (VHS) bieten die meisten Trainings an. Aber auch Einrichtungen mit besonderen Angeboten für Frauen und Arbeitslose und private Bildungsinstitute haben sie im Programm. Allerdings sind die Ausfallquoten hoch. Viele Kurse finden nicht statt, weil sich nicht genügend Teilnehmer anmelden.

Dicht dran an den Teilnehmern

Bei den allgemeinen Bewerbungstrainings lagen zwei Kurse, die in Hamburg angeboten werden, in Preis und Leistung ganz vorn: der „Bewerbungsworkshop“ der Arbeitslosen-Telefonhilfe, der für Arbeitslose nur 20 Euro kostet, und das „Bewerbungstraining für Berufsrückkehrer/-innen“ bei KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung für 40 Euro.

Beide Kurse überzeugten mit sehr hoher Qualität bei der fachlich-inhaltlichen und der methodisch-didaktischen Gestaltung (siehe Tabelle S. 56/57). Praxisnah und dicht an der persönlichen Situation der Teilnehmer wurden die Inhalte dort vermittelt.

Auf die Zielgruppe kommt es an

Allgemeine Bewerbungstrainings sind sinnvoll für all diejenigen, die sich lange nicht beworben haben oder es erstmals tun. Einige Trainings richten sich an spezielle Zielgruppen. So ist der Kurs bei der Arbeitslosen-Telefonhilfe in erster Linie etwas für Arbeitslose. Das Training bei KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung ist vor allem für Frauen gedacht, die nach der Erziehungszeit zurück in den Job wollen. Aber auch Arbeitslose und ältere Bewerber gehören zum angesprochenen Personenkreis.

Ein Teil der Trainings findet ganz ohne Eingrenzung der Zielgruppe statt. Da sitzt dann die Gymnasiastin zwischen der Bibliothekarin mit langjähriger Berufserfahrung und dem Frührentner, der einen 400-Euro-Job sucht – eine bunte Mischung mit sehr unterschiedlichen Anliegen.

Wer sichergehen will, dass das Training zu seiner Vorbildung und seinen Erwartungen passt, sollte bei der Auswahl unbedingt auf die Zielgruppe in der Kursankündigung achten. Leider zeigte unser Test aber auch, dass es die Anbieter damit nicht immer so genau nehmen. Bei der VHS Wiesbaden saßen entgegen der Ankündigung nicht nur Akademiker und Berufserfahrene im Kurs. Dadurch kamen Themen für die eigentliche Zielgruppe zu kurz.

Jobinterviews im Rollenspiel

Neben der Arbeitslosen-Telefonhilfe und der KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung machten auch die Volkshochschulen Hannover und Münster ihre Sache gut.

Besonders erfreulich: Das Vorstellungsgespräch nahm in vielen allgemeinen Trainings großen Raum ein, und zwar nicht nur theoretisch. In fünf von neun Kursen wurden Jobinterviews als Rollenspiele geübt. Wenn es den Dozenten gelang, die Teilnehmer genügend zu motivieren, fanden die Gespräche sogar vor der Kamera statt.

Schlusslicht in der Reihe der allgemeinen Bewerbungstrainings war der Kurs an der VHS Frankfurt am Main. Die Lehrkraft dort las überwiegend aus einem Skript vor. Häufig waren die Informationen nicht auf der Höhe der Zeit und manchmal sogar falsch.

So lautete einer der Tipps, im Vorstellungsgespräch keinesfalls ein Getränk anzunehmen. Dabei ist es völlig in Ordnung, um einen Kaffee oder ein Wasser zu bitten. Auch eine der wenigen praktischen Übungen war schlecht gewählt: Eine Stellenanzeige für eine Metzgereifachverkäuferin sollte formuliert werden. „Auf die Situation der Teilnehmer passte das überhaupt nicht“, sagte unsere Testperson.

Souveräner ins Vorstellungsgespräch

Auch bei den Spezialtrainings zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche hatten zwei Kurse die Nase vorn: der mit 189 Euro teuerste Kurs im Test beim Büro für Berufsstrategie in Frankfurt am Main und das Training an der VHS Düsseldorf – mit 48 Euro deutlich günstiger. Beide Lehrgänge überzeugten mit sehr hoher fachlich-inhaltlicher Qualität.

Die Spezialtrainings sind sinnvoll für diejenigen, die sich mehr Sicherheit und Souveränität fürs Vorstellungsgespräch wünschen. Wer seine Aufregung in den Griff bekommen möchte oder schlagfertiges Antworten auf kritische Personalchef-Fragen erproben will, ist hier richtig.

Übung macht den Meister

In allen vier Trainings im Test standen praktische Übungen im Vordergrund: Wie betritt man einen Raum? Wie reicht man zur Begrüßung die Hand? Wie setzt man sich hin? Was sagt man, wenn es im Gespräch heißt „Erzählen Sie uns doch mal was von sich!“? Die erfreute Erkenntnis einer unserer Testpersonen: „Man kann das ja wirklich alles so lange üben, bis es sitzt.“

Eine ganz entscheidende Hilfe über das Üben hinaus ist die Rückmeldung – neudeutsch das Feedback, das dort jeder Teilnehmer bekommt, und zwar nicht nur vom Dozenten, sondern auch auch von den übrigen Kursbesuchern. Haltung, Körpersprache, Stimme – das alles wird genau unter die Lupe genommen.

Videoanalyse kostet Überwindung

In allen Spezialtrainings wurden Vorstellungsgespräche als Rollenspiele trainiert, meist auch vor laufender Kamera. Nur beim Büro für Berufsstrategie in Frankfurt am Main konnten sich nicht alle Teilnehmer dazu durchringen. Damit fiel für sie auch die anschließende Videoanalyse aus. Schade, dass es die Lehrkraft nicht schaffte, die Teilnehmer stärker zu motivieren und ihnen ihre Angst zu nehmen.

Bei der VHS Düsseldorf und bei Kobra in Berlin ließen alle Teilnehmer ihren Filmauftritt analysieren. „Mir hat es sehr geholfen, mich einmal selbst zu sehen“, sagte unsere Testperson bei der VHS Düsseldorf. „Auf diese Weise kann man viel gezielter an sich arbeiten, vor allem auch an den Dingen, die einen selbst stören.“

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