Bewerbungssoftware Test

Wer Bewerbungsunterlagen mithilfe einer Software erstellt, sollte ihnen auf jeden Fall eine persönliche Note geben. Denn Anschreiben nach Schema F landen meist im Papierkorb.

Nur ein einziger Fehler, und alles ist vorbei: Bewerbungsunterlagen müssen frei von Grammatikschnitzern und Orthografieschwächen sein. Denn kein Personaler dieser Welt hat viel Zeit für die Sichtung eingehender Bewerbungen: Schätzungen zufolge werden zwischen 30 Sekunden und 4 Minuten für die Lektüre einer Bewerbungsmappe verwendet. Da müssen jedes Wort sitzen und die Form stimmen. Sonst ist Bewerbern die Absage gewiss.

Ungleich höher ist der Aufwand, den Jobsuchende betreiben müssen, um Bewerbungen zu erstellen. Ein gutes Anschreiben mit Lebenslauf und Deckblatt, eventuell noch einer dritten Seite, die weiterführende Infos zur Person liefert, schreibt man nicht einfach so nebenbei. Zumal es oft nicht bei wenigen Bewerbungen bleibt: So ist es für Arbeitsuchende gemäß eines Urteils des Brandenburgischen Oberlandesgerichts zumutbar, 20 bis 30 Bewerbungen pro Monat zu verfassen (AZ 10 UF 133/05).

Produkte sind nicht frei von Fehlern

Neben Seminaren, Internetportalen und Fachbüchern zum Thema (siehe Test Bewerbungsratgeber) hilft Bewerbungssoftware Jobsuchenden bei der Erstellung ihrer Unterlagen. Wir wollten wissen, ob CD-Roms zum Thema Bewerbung ihre Nutzer wirklich unterstützen und haben die Produkte getestet, die derzeit in einer aktuellen Version erhältlich sind (siehe „Ausgewählt...“ ).

Ergebnis: Die von Bewerbungs-CD-Roms erstellten Unterlagen sind besser als viele selbst verfasste Dokumente. Allerdings können sie nur als Grundstock einer Bewerbung dienen, die im Anschluss noch überarbeitet werden muss. Denn frei von Fehlern sind sie nicht. Von den vier getesteten Produkten erreichte nur eines die Note „gut“: die CD-Rom des Testsiegers Data Becker. Dieser bot auch in unserer letzten Untersuchung von Bewerbungssoftwares 2004 die beste Qualität, wobei das Unternehmen seinerzeit nicht über ein „Befriedigend“ hinauskam (siehe www.test.de/weiterbildung).

Bewerbungs-CD-Roms funktionieren nach einem einheitlichen Prinzip: Der Nutzer gibt seine persönliche Daten ein, die das Programm zu einem Lebenslauf zusammenstellt. Aus den eingegebenen Daten zu dem Unternehmen und der Stellenanzeige erzeugt es außerdem ein Anschreiben. Anschließend kann der Nutzer selbst die erstellten Dokumente noch ändern.

Dokumente sind nicht versandfertig

Versandfertig sind die Bewerbungen nach ihrer Erstellung aber noch nicht. So wiesen einige Unterlagen Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie unnötig komplizierte Satzgebilde auf. Die muss der Nutzer schon selber tilgen, wenn er nicht Gefahr laufen will, dass Formulierungen im Anschreiben stehen wie „Ich bewerbe mich bei Ihnen auf Ihr Stellenangebot, da ich voraussetze, dass eine Firma Ihrer Größenordnung Mitarbeiter, die sich beruflich stark engagieren, nicht nur gern fördert, sondern auch, weil ich bei Ihnen bessere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten sehe.“ Schade, dass die Hersteller nicht auf die Notwendigkeit einer Nachbearbeitung hinweisen und auch mit begleitenden Hinweisen geizen.

Ein weiterer typischer Mangel der CD-Roms ist die fehlende persönliche Note in den Dokumenten. Obwohl sie eingegebene Infos meist zuverlässig verarbeiten, klingen die erzeugten Formulierungen oft gestelzt und floskelhaft. Beispiel: Der bhv-Bewerbungstrainer betonte die Belastbarkeit eines Bewerbers mit „Auch unter größter Belastung bleibe ich verbindlich, bewahre die Übersicht und kann Prioritäten setzen.“

So eine Aussage sollte der Bewerber individueller gestalten, etwa indem er kurz eine Situation beschreibt, in der er seine Vorzüge unter Beweis gestellt hat. Doch insbesondere der „Bewerbungstrainer“ von bhv und Franzis „Mein Traumjob 2008“ bieten nur wenige Möglichkeiten, Bewerbungen individuell zu gestalten. Es fehlen zum Beispiel Eingabeoptionen, um persönliche Stärken und Schwächen darzustellen. Außerdem können inhaltliche Bezüge zwischen Anschreiben und Lebenslauf nur schwer oder gar nicht hergestellt werden.

Insgesamt liefern die Bewerbungs-CD-Roms zwar brauchbare Ergebnisse. Für alle Berufe aber sind sie nicht geeignet. Gerade bei Bewerbungen für höher Qualifizierte stoßen sie in puncto Originalität und Passgenauigkeit schnell an ihre Grenzen.

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