Bewerbungsratgeber Test

Lücken im Lebenslauf, Fehler im Anschreiben – mit dem richtigen Ratgeber umschifft man diese Klippen in der Bewerbung. Wir haben 16 Bücher getestet. Wirklich schlecht war keines.

Personaler sind unerbittlich: Mehr als jede dritte Bewerbung fällt bei ihnen schon auf den ersten Blick durch. Das ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung von Rundstedt und Partner GmbH. Belanglose Lebensläufe und unpassende Anschreiben zählen zu den häufigsten K.o.-Kriterien. Bewerbungsratgeber versprechen Abhilfe. Je nach inhaltlicher Ausrichtung unterstützen sie den Bewerber bei der Gestaltung der Unterlagen, zeigen unterschiedliche Bewerbungswege auf oder geben spezielle Tipps für ältere Bewerber.

Wir haben 16 Bücher geprüft, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten, darunter die Altersgruppe 40plus und Initiativbewerber. Praktisch überall hat das Autorenduo Hesse und Schrader die Nase vorn. „Das große Hesse/Schrader Bewerbungshandbuch“ lässt quasi keine Frage offen. Schlüssig aufgebaut, aktuell und vollständig wie kein anderes Buch im Test urteilten unsere drei Experten über das 576 Seiten starke Werk.

Überhaupt gilt: Weniger ist nicht mehr. Jene Ratgeber, die sich durch eine geringe Seitenzahl auszeichnen, können wir meist auch nur eingeschränkt empfehlen. Das kompakte Format der Bücher geht oft zulasten des Inhalts. Wesentliche Bereiche werden zu knapp oder gar nicht abgehandelt. Auch sachliche Fehler fanden wir bei den Ratgebern im Pocketformat häufiger als bei umfangreicheren Büchern.

Thomas R. Schmidt, Autor des Ratgebers „Die optimale Bewerbung“, empfiehlt dem Leser beispielsweise, in einem Online-Bewerbungsformular die Frage nach der Gehaltsvorstellung schlicht zu ignorieren. Den Rat, eine Initiativbewerbung grundsätzlich niemals an die Personal-, sondern immer an die Fachabteilung zu richten, fanden unsere Buchtester genauso strittig wie die unpassende Verwendung psychologischer Begriffe in Petra Perlenfeins Buch „Bewerbungstraining“. Pseudopsychologisch und damit fragwürdig und unseriös erscheine dieser Ratgeber deshalb an einzelnen Stellen.

Rühmliche Ausnahmen in schmalem Format sind „Mit 40+ erfolgreich bewerben“ von Heike Steinmetz und Ulrike Schupp sowie erneut ein Ratgeber von Hesse und Schrader, dieses Mal mit dem Fokus Initiativbewerbung. Beiden Autorenduos gelingt es, trotz der Kürze ihrer Ratgeber einen intensiven Einstieg in die Bewerbungsthematik zu finden. Einzig der Tonfall lässt bei dem ersten Buch etwas zu wünschen übrig. Formulierungen à la „Ist Ihr potenzieller Chef tendenziell eher locker“ wirken in einem Ratgeber für die ältere Zielgruppe etwas aufgesetzt.

Online-Bewerben liegt im Trend

Die schriftliche Bewerbung hat zwar noch nicht ganz ausgedient, aber an Beliebtheit eingebüßt. An ihre Stelle tritt mehr und mehr das Bewerben über das Internet. Die Vorteile für das Unternehmen liegen auf der Hand: Lästige Papierberge auf dem Schreibtisch des Personalers entfallen, Kosten für die Rücksendung der Unterlagen erübrigen sich. Nicht nur Firmen, auch Jobsuchende wissen eine Online-Bewerbung zu schätzen: Fast zwei Drittel ziehen diesen Bewerbungsweg dem schriftlichen mittlerweile vor. Kein Wunder also, dass sich auch spezielle Ratgeber diesem Thema widmen. Wir haben zwei von ihnen in unsere Testauswahl einbezogen. Da sie sich inhaltlich und formal stark voneinander unterscheiden, stellen wir sie nicht vergleichend in der Tabelle, sondern im Kasten „Besonderheit“ auf Seite 63 dar.

Die meisten Ratgeber im Test geben hilfreiche Tipps zum Gestalten der Bewerbungsunterlagen. Wie man Lücken im Lebenslauf ausbügelt und das Anschreiben so formuliert, dass es auf den Traumjob passt, ist fast überall nachzulesen. Noch einfacher und besonders praktisch ist es aber, wenn der Bewerber seinen Lebenslauf direkt in eine Mustervorlage tippen kann. Einfach die CD-Rom in den Computer einlegen, die Bewerbungsvorlagen mit den eigenen Daten füllen, ihnen den individuellen Schliff verleihen und ausdrucken. Bei den Ratgebern im Test bot diesen Service einzig „Das große Hesse/Schrader Bewerbungshandbuch“. Allerdings funktionierte die Hilfe-Funktion des Programms nicht.

Auch den beiden Bewerbungsbüchern der Verfasser Püttjer und Schnierda liegen CD-Roms bei. Sie stellen zwar keine Textvorlagen zur Verfügung, bieten aber eine inhaltliche Erweiterung des Buches. Vorbildlich ist beispielsweise die Möglichkeit, mithilfe der Software das Verhalten im Vorstellungsgespräch zu trainieren.

Aktualität ließ zu wünschen übrig

Alle untersuchten Ratgeber sind 2007 oder 2008 erschienen. In Sachen Aktualität sind die meisten von ihnen dennoch verbesserungsfähig. Derzeit stark diskutierte Themen wie die Arbeitsmarktsituation oder das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz kommen kaum zur Sprache. Auch dem Punkt Auswahlverfahren, wozu beispielsweise Assessment-Center zählen, messen die wenigsten Autoren Bedeutung bei.

Richtig schlecht ist kein Ratgeber. Standards zur Gestaltung der Bewerbungsmappe oder die Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch werden weitgehend abgedeckt. Auch die zumeist konkreten Tipps und Checklisten dürften für Jobsuchende eine Stütze sein – allemal für jene, die sich zum ersten Mal bewerben. Wir können alle Bücher mindestens eingeschränkt empfehlen. Zieht man sie zu Rate, stehen die Chancen gut, dass die Bewerbung den strengen Blicken des Personalers standhält.

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