Bewerbungskurse und -CDs Test

Geschafft! Nur einer kann den Job bekommen. Die Konkurrenz ist groß – oft kommen Hunderte Bewerber auf eine Stelle.

Die ideale Bewerbung gibt es nicht. Aber: Wer erfolgreich sein will, muss sich abheben und trotzdem die Standards erfüllen. Bewerbungskurse und -CDs im Test.

Martin B. ist schlecht gelaunt. Er hat bereits Hunderte von Mappen gesichtet und sitzt heute noch einem Dutzend gleich qualifizierter Bewerber gegenüber. Vorbereiten konnte er sich nicht. Da kommt ihm eine beliebte Frage in den Sinn: „Was sind denn so ihre Stärken und Schwächen?“ Und er erwartet natürlich eine spontane und positive Antwort von seinem Kandidaten.

Was wie ein Vorstellungsgespräch anmutet, ist eine Übung aus einem der vier Bewerbungskurse, die Tester der Stiftung Warentest besucht haben. Nur mit vertauschten Rollen: Der Bewerber spielt den Arbeitgeber. Einmal die Schreibtischseite wechseln, das kann manche Chefentscheidung deutlich machen. Denn neben dem Bewerber selbst gibt es viele Faktoren, die das Gespräch beeinflussen. Nur einer führt fast immer zur Disqualifikation: Den potenziellen Chef mit Standardantworten langweilen!

Um Sicherheit zu gewinnen, ist ein Bewerbungstraining empfehlenswert, insbesondere für Einsteiger und Arbeitslose. Für sie ist der Druck, eine neue Stelle zu bekommen, besonders hoch. Im Unterschied zur Vorbereitung mit Büchern, Job­portalen und CDs bekommen Jobsuchende im Kurs Rückmeldung vom Trainer, den Teilnehmern, bestenfalls auch von einer Kamera.

Gute Qualität der Kurse

Bewerbungskurse und -CDs Test

Aus der Reihe tanzen. Wer die Regeln kennt, kann sie brechen. Auch Chefs wollen nicht dutzendmal dasselbe hören und lesen.

Mit steigender Zahl und Qualifikation der Jobsuchenden sind auch die Anforderungen der Personalverantwortlichen gestiegen. Bewerber sollten sich selbst und die Anforderungen des Arbeitgebers genau kennen. Viele Kurse legen neben Bewerbungsmappe und Vorstellungsge­spräch Wert auf Stärken-Schwächen-Analysen, Anzeigenlesen und Probleme mit Brüchen im Lebenslauf. Insgesamt war die Qualität der Kurse, die wir besucht haben, gut. Wichtig ist es, bei der Anmeldung auf die Zielgruppe und bei Kurzkursen auch auf den Themenschwerpunkt zu achten.

Martin B. lernte im Kurs für Hochschulabsolventen auch, Stellenanzeigen richtig zu interpretieren: „Jetzt lasse ich mich von den Anforderungen nicht mehr abschrecken, weil ich sie realistischer einschätzen kann“, sagt der 33-jährige Psychologe, der die Branche wechseln möchte.

Ähnlich Sabine T., die als Diplom-Pädagogin selbstständig ist und wieder fest angestellt werden möchte. Sie hat ein Bewerbungstraining bei einem Karriereberatungsinstitut belegt. „Ich habe erfahren, wie ich meine Stärken und Schwächen besser herausarbeite, um mich richtig zu verkaufen“, sagt die 45-Jährige. Allerdings kamen die Bewerbungsunterlagen dafür ein wenig zu kurz und die Hälfte der Teilnehmer waren aus der Wirtschaft.

Die Teilnehmer des Volkshochschulkurses wiederum hatten ganz unterschiedliche Berufe und Bildungsab­­schlüs­se. Der Schwerpunkt lag ganz klassisch auf der Bewerbungsmappe.

Neben den ein- und zweitägigen Kursen belegte eine weitere Testerin ein einwöchiges Training für Arbeitslose. Dort wurden alle Themen von der Zielfindung bis zum Vorstellungsgespräch und zum Umgang mit Absagen behandelt. Die zur Webdesignerin umgeschulte Ute M. hat „vor allen Dingen aber gelernt, die Initiative zu ergreifen und selbst erstellte Web-seiten als Arbeitsproben zu verschicken“.

Während die schriftliche Bewerbung auch mit Büchern und Internet bewältigt werden kann, können Gruppenübungen, Rollenspiele, Austausch und Rückmeldung nur im Kurs stattfinden. Wichtig ist, dass der (möglichst psychologisch geschulte) Trainer die berufliche Situation der Teilnehmer einbezieht – nur so entstehen individuelle Bewerbungsstrategien.

Die ganze Themenbreite kann nur ein mindestens einwöchiges Seminar abdecken. Die werden größtenteils von privaten Anbietern im Auftrag der Arbeitsagenturen angeboten und richten sich somit an Arbeitslose. Auf Nachfrage können aber auch Selbstzahler teilnehmen. Auf dem freien Markt werden hauptsächlich ein- und zweitägige Kurse von Unternehmensberatern, Kammern, Verbänden und Volkshochschulen angeboten.

20 bis 500 Euro für einen Kurs

Die Preise reichen von 20 Euro bei den Volkshochschulen bis zu 500 Euro und mehr bei Unternehmensberatungen. Wird es zu teuer, empfiehlt sich eher ein Einzelcoaching. Oft verraten die Preise mehr über Zielgruppe und Service wie Catering und Raumausstattung als über die Qualität. Die hängt stark von den Dozenten ab, die meist freiberuflich und damit für verschiedene Anbieter tätig sind.

Anbieter und Schwerpunkte kann man über Datenbanken und Jobbörsen im Internet recherchieren. Viele überregionale Zeitungen und Magazine bieten zusätzliche Karriereseiten im Internet an. Daneben gibt es Hunderte von Bewerbungsbüchern – der Trend geht zur besonders originellen Bewerbung, die mit Vorsicht zu genießen ist.

Viele Defizite bei Bewerbungs-CDs

Wer nicht gleich einen Kurs belegen will, kann sich bei Anschreiben und Lebenslauf von CDs helfen lassen. Der Bewerber gibt seine Daten ein und die Programme erstellen mittels Textbausteinen die Unterlagen. Bewerber, EDV- und Personalexperten haben die gängigen Produkte für uns getestet. Urteil: „befriedigend“ bis „mangelhaft“. Alle werden dem Trend zur individuellen Bewerbung nicht gerecht. Starke Standardisierung verhindert Kreativität, zum Teil können nicht einmal alle Qualifikationen angegeben werden. Schlim­­mer noch sind Fehler in Grammatik und Rechtschreibung, die ein sofortiges K.-o.-Kriterium bei der Personalauswahl sind – sich aber in allen Produkten wiederfanden. Auch in puncto Layout kon­nten die CDs nicht punkten.

Fazit

Um sich gründlich auf eine Bewerbung vorzubereiten, empfiehlt sich nicht nur der Perspektivenwechsel vom Bewerberstuhl auf den Chefsessel, sondern auch der von der CD zurück zum Buch oder ins Internet. Wer sich zum ersten Mal bewirbt oder neu orientiert, ist mit einem Kurs gut bedient: Denn Rückmeldung gibts nur von Angesicht zu Angesicht – wie im echten Vorstellungsgespräch.

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