Bewerbungsbücher im Test Test

Wer Bücher zum Thema Bewerbung sucht, hat die Qual der Wahl zwischen Hunderten von Ratgebern. Doch nicht alle informieren seriös und umfassend. Mit unseren drei Favoriten sind Sie auf der sicheren Seite.

„Durch die Wirtschaftskrise werden Bewerbungsratgeber bei uns bereits seit zwei Jahren verstärkt nachgefragt“, sagt Gabriele Bauer vom Internet-Buchhändler Amazon. Bei der Buchhandlung Hugendubel bestätigt Einkäufer Clemens Giering diesen Trend: „Die Verkaufszahlen liegen seit zwei Jahren auf sehr hohem Niveau.“ In Zeiten hoher Arbeitslo­sigkeit verwundert der Bedarf an Fachliteratur zum Thema Bewerbung nicht. Und so gehören Bewerbungsratgeber in den großen Buchhandlungen inzwischen zur „Meterware“. Reihe um Reihe füllen sie die Regale und werben mit Titeln wie „Überzeugen mit Anschreiben und Lebenslauf“ oder „So haben Sie sich noch nie beworben“ um Käufer.

Experten der Stiftung Warentest haben 15 Bewerbungsratgeber unter die Lupe genommen und bei der Auswahl der Bücher vor allem auf Autorenvielfalt gesetzt. Aus gutem Grund: Beim Durchstöbern der Ratgeberreihen springen die Namen zweier Autorenpaare auf den Buchtiteln ins Auge: Jürgen Hesse und Christian Schrader zum einen, Christian Püttjer und Uwe Schnierda zum anderen. Beide Autorenduos haben jeweils Dutzende Ratgeber zu allen Fragen rund um die Bewerbung verfasst.

Etablierte Autorenduos

„Hesse und Schrader sind die Etabliertesten“, sagt Anne Laxy, Pressesprecherin beim Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin. Auf den Bestseller-Listen großer Buchhändler sind die seit 1985 im Eichborn Verlag erscheinenden Ratgeber weitgehend unter sich. Bei Hugendubel waren sie 2003 mit neun verschiedenen Titeln in der Top-10-Liste der Bewerbungsratgeber vertreten. Bei Dussmann spricht man augenzwinkernd von den „Eichborn-Festspielen“.

Grob betrachtet lassen sich drei Gruppen von Bewerbungsratgebern unterscheiden: Solche, die das Thema umfassend und in der Regel chronologisch von der Analyse der eigenen Stärken und Schwächen bis zum ersten Arbeitstag oder der Absage eines Unternehmens aufrollen. Dann gibt es die zielgruppenspezifischen Ratgeber, die sich etwa an Akademiker oder Frauen nach der Babypause wenden. Zur dritten Gruppe zählen Bücher, die sich auf einen Schwerpunkt wie berufliche Zielfindung oder Stellensuchstrategien konzentrieren.

„Hesse und Schrader haben als Erste eine ,dritte’ Seite eingeführt, eine persönliche Komponente neben dem klassischen Anschreiben und Lebenslauf“, so Anne Laxy. Püttjer und Schnierda seien unkonventioneller, gingen mehr ins Kreative. „Hesse und Schrader waren zu jedem Thema die Ersten“, meint Norman Gunatilake von Hugendubel.

Der Favorit ist ein Standardwerk

Aber es muss nicht unbedingt immer ein Buch von Hesse und Schrader sein. Auch andere Autoren schnitten (fast) genauso gut ab. Wir haben Ratgeber von 15 verschiedenen Autoren untersucht, die den gesamten Bewerbungsprozess von der Stellensu­che bis zum Einstellungsverfahren abdecken. Darunter jeweils ein Buch von Hesse und Schrader sowie von Püttjer und Schnierda.

Eindeutiger Favorit unserer drei Gutachter – einem Psychologen, einer Personalreferentin und einer Bewerbungstrainerin – ist dennoch „Das Bewerbungshandbuch“ von Hesse und Schrader. Ein praxisnahes Standardwerk, das keine Frage offen lässt, lautet das Urteil (siehe „Unser Rat“). „Man braucht nach dieser Lektüre keine weitere Literatur mehr“, so eine der Expertinnen. Ebenso empfehlenswert sind mit kleinen Einschränkungen „Gut – besser – am besten bewerben“ von Ulrich Holst und „Das erfolgreiche Bewerbungsgespräch“ von Martin John Yates. Die Mehrzahl der Bücher landete im breiten Mittelfeld.

Nicht immer waren die Gutachter so einhellig einer Meinung wie bei den drei Favoriten. Umstritten war vor allem das Buch „Wiedereinstieg für Frauen“ von Püttjer und Schnierda. Während der Psychologe „das einfühlsame Herangehen“ lobte, fehlten der Bewerbungstrainerin entscheidende Informationen. In der Tat bleiben viele Fragen offen. Die Hilfen des Arbeitsamts beim Wiedereinstieg, berufliche Beratungsstellen für Frauen nach der Familienphase und die neuen gesetzlichen Regelungen zur Kinderbetreuung finden keine Erwähnung. Insgesamt kann der Ratgeber aber aufgrund der vielen Beispiele und Übungen als praxisnah eingestuft werden.

Auch der „Schnellkurs Bewerbung“ liefert im Gesamtbild zwar die wichtigsten Informationen auf einen Blick, die Perso­nalreferentin vermisste jedoch Beispiele für die Gestaltung der Bewerbungsunterlagen ebenso wie exemplarische Antworten auf mögliche Fragen im Vor­stel­lungsge­spräch.

Zwei Bücher schnitten richtig schlecht ab

Richtig schlecht schnitten aber nur zwei Bücher ab: „Die Bewerbung“ von Wolfgang Manekeller und „Besser bewerben“ von Volkmar Hable hatten weder konkrete beziehungsweise positive Bewerbungsbeispiele zu bieten noch waren sie auf der Höhe der Zeit.

Auf die Aktualität der Empfehlungen haben die Experten besonders geachtet. Ein Kriterium, das die meisten Bücher auch erfüllen. Das Urteil „altbacken“ muss sich lediglich Wolfgang Manekellers „Die Bewerbung“ gefallen lassen. Das Thema Online-Bewerbung taucht bei ihm nur im Anhang auf. Damit nicht genug: Eine rührend um Aktualität bemühte Abhandlung über Frauen in Männerberufen und umgekehrt beginnt er mit der Erwähnung, dass Frauen heute studieren dürfen. Hinweise auf wirklich neue Entwicklungen gibt es nur wenige.

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