Bewerben Meldung

In Bewerbung steckt das Wort Werbung. Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, sollte mit seinem Produkt – seiner Person, seinem Wissen und seiner Berufserfahrung – den potenziellen Arbeitgeber überzeugen.

Ein Werbespot im Fernsehen dauert nur wenige Sekunden, so schnell muss der Zuschauer auf den Geschmack kommen. Eine Bewerbung funktioniert genauso, oder auch nicht. Sie muss Personalchefs von der Qualität des Bewerbers überzeugen. Und das auf den ersten Blick. Denn die Entscheider investieren allenfalls ein paar Minuten pro Bewerbungsmappe. Angesichts Hunderter, bei besonders beliebten Jobs gar Tausender von Zusendungen ist die Bewerberflut kaum anders zu bewältigen. Und auch ohne Stellenausschreibung landen auf den Schreibtischen der Personalchefs Hunderte von Initiativbewerbungen.

Mit Motivation überzeugen

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Nur wer sich individuell und passgenau bewirbt, sticht aus der Bewerberflut hervor.

Was also tun, um sich von dieser Masse abzuheben? Ist eine klassische Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen überhaupt noch zeitgemäß und sinnvoll?

„Wenn sie handwerklich gut gemacht ist, zudem fehlerfrei, und von der Motivation des Bewerbers überzeugt, kann eine Standardbewerbung auch heute durchaus erfolgreich sein“, sagt Stefan Komoß, Geschäftsführer des Seminarzentrums Göttingen. Der private Bildungsanbieter ruft unter dem Titel „Bewerbungen, die bewegen“ alle zwei Jahre zu einem bundesweiten Wettbewerb auf. „Uns fällt immer wieder auf, dass Bewerbungen selten innovativ sind. Auch Akademiker tun sich da oft schwer“, sagt Komoß.

Professionelles Foto nehmen

Das Ergebnis des ersten Wettbewerbs, ausgerichtet im Herbst 2003, verblüffte: 80 bis 90 Prozent aller Bewerbungen scheiterten an „krassen Fehlern“, so Komoß. Zu den häufigsten zählten Unterlagen ohne Telefon- und Han­dynummern, fehlende Arbeitszeugnisse, Anschreiben, in denen der Bewerber kein Wort über seine Motivation verliert, sondern lediglich den Lebenslauf herunterbetet.

Die überwiegend aus Personalverantwortlichen bestehende Jury monierte auch die schlechte Qualität der Bewerbungsfotos. Denn anders als für ihre Kollegen im übrigen Europa ist das Foto für deutsche Personalchefs von besonderem Wert. „Acht von zehn Bewerbern machen sich über die Wirkung des Fotos zu wenig Gedanken“, sagt Stefan Komoß. Was überraschen mag, ist die Auswahl der Jury: Ihre Favoriten waren Schwarz-Weiß-Fotografien im Querformat. Preise von der Jury gab es für einwandfreie Bewerbungsunterlagen, die mit einer Portion Witz überzeugten wie die Mappe eines Bauleiters, der seine Bewerbung mit zwei Fotos versehen hatte. Das eine zeigte ihn in Krawatte und Anzug, das andere in Bauarbeiterkluft. „Sie können mich so oder so erleben“, hatte er daruntergeschrieben.

Bewerbungen mit pfiffigen Ideen sind auch beim Sportartikelhersteller Adidas-Salomon gern gesehen, aber nicht Kreativität um jeden Preis. „Das kommt auf den Job an. Von einem Buchhalter erwarte ich keine kreativen Höhenflüge, von einem Marketingexperten schon eher“, sagt Personalleiter Matthias Malessa.

Auf Individualität achten

„Individualität ist Bedingung. Ich will keine Wurfsendung, die noch an 20 andere Unternehmen verschickt wurde“, so Malessa. Eine Bewerbung müsse, außer eine gute Struktur zu haben, vor allem Ausdruck von Persönlichkeit sein. Der Personalleiter betont: „Der Bewerber sollte im Kontext zu unserem Unternehmen seine Ziele und seine Motivation darstellen.“

Selbst in der Werbebranche schauen Personalchefs eher auf den Inhalt als auf die Form. Der Inhalt muss stimmen, da sind sie sich einig. Außerdem müssen Anschreiben, Lebenslauf, Foto, Zeugnisse und gegebenenfalls Arbeitsproben tadellos sein. Fehler in Rechtschreibung oder Grammatik, gar Eselsohren oder fleckiges Papier manövrieren selbst die beste Bewerbung sofort ins sichere Aus.

Brüche im Lebenslauf klären

Wer es mit seiner Bewerbung in die Vorstellungsrunde schafft, sollte sich auf heikle Fragen gefasst machen. Im Gespräch prüfen Personalverantwortliche nicht nur Qualifikation, sondern auch Persönlichkeit. Passt der Bewerber ins Team? Bringt er die berufsrelevanten Eigenschaften mit? Das Vorstellungsge- spräch dient auch dazu, Aussagen aus dem Lebenslauf zu überprüfen. „Wer schreibt, er beherrsche Englisch verhandlungssicher, muss mit einer Konversation in der Fremdsprache rechnen“, sagt Dorothee Mundorf-Unkrig aus dem Personalmarketing und Recruiting von PricewaterhouseCoopers, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Auch bei Brüchen im Lebenslauf wird gern nachgehakt. Das Thema Arbeitslo­sigkeit kann man in Zeiten von Massenentlassungen ganz offen ansprechen. Allerdings sollten die Betroffenen belegen können, dass sie die Zeit sinnvoll genutzt haben, mit Weiterbildungen zum Beispiel. Im Vorstellungsgespräch gilt es nicht nur, Fragen überzeugend zu beantworten. Auch selbst fragen wird gern gesehen. Damit signalisieren Bewerber Interesse für Stelle wie Unternehmen.

Landet trotzdem ein großer Umschlag im Briefkasten, kann ein Anruf unter Umständen klären, woran es gelegen hat. Wenn Personalverantwortliche großer Un­ternehmen allerdings nichts Konkretes sagen können, heißt es: Nicht enttäuscht sein. Es gab einfach zu viele Bewerber.

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