Bett­decken im Test Test

In kalten Nächten halten Daunen kusch­lig-warm. Doch die Freude über die neue Decke währt oft nicht lange. Einige enthalten minderwertige Füllungen oder leiden beim Waschen. Und dann ist da noch die Frage nach der Herkunft der Daunen.

Best of Masuren, das Beste aus den Masuren nennt Anbieter Kauff­mann seine Daunen­decke. Sie schmiegt sich perfekt an, hält mollig-warm und steckt voll hoch­wertiger Daunen. Ein Traum für 500 Euro. Doch nach dem Waschen ist der Traum vorbei: Die Füllung verrutscht, mehrere abge­steppte Kassetten leeren sich, hier kommt Kälte durch. Die Halt­barkeit ist mangelhaft.

Kauff­mann ist nicht die einzige negative Über­raschung im Test von elf Daunen- und drei Synthetik­decken – von der preis­werten Aktions­ware für 80 Euro bis zur Luxus­decke für 500 Euro. Von außen erwecken fast alle einen hoch­wertigen Eindruck. Aber für erhol­samen Schlaf kommt es auf die inneren Werte an.

Hoch­wertige Füllungen verheißen alle: mindestens 90 Prozent Daunen erster Klasse. Qualitäts­daunen sind teuer und knapp. Ist drin, was drauf­steht? In Klein­arbeit haben die Prüfer die Füllungen nach Daunen und Federn sortiert und fest­gestellt: In vielen Decken stecken minderwertige, kleine Daunen und mehr Federn als angegeben. Sie halten Wärme meist schlechter als bauschige Daunen. Im Labor mussten die Decken auch beweisen, wie sie Feuchtig­keit aufnehmen und vom Körper wegtrans­portieren. Außerdem wuschen wir jede dreimal – was nicht alle heil über­standen.

Hohe Daunenpreise können Mäster verleiten, Gänse lebend zu rupfen. Für die Tiere eine Qual. „Garan­tiert kein Lebendrupf“ oder „nicht von lebenden Tieren“ – so werben die Anbieter von Bett­decken. Wir baten sie um Belege. Kein Einziger kann ausschließen, dass die Daunen von lebenden Tieren stammen siehe CSR-Test Daunen.

Natur über­trifft Chemie

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Kost­bar. Nur Wasser­vögel wie Gänse und Enten geben Bett­daunen. Kein anderes Material hält so gut die Wärme.

Den Flausch verdankt der Mensch Enten und Gänsen. Wasser­vögel schützt er vor Kälte und Feuchtig­keit. Eine gute Daune hat etwa zwei Millionen flauschige Ästchen. Die greifen ineinander und halten die warme Luft fest. Die dreidimensionalen Daunen reagieren sehr elastisch. Selbst eng zusammen­gepresst entfalten sie schnell wieder ihr volles Volumen. Einmal aufschütteln, fertig. Daunen­decken über­tragen diese Eigenschaften ins Bett. Sie halten die Wärme am Körper, die Kälte draußen. Sie speichern im Schlaf abge­gebene Feuchtig­keit und befördern diese vom Körper weg. Keine leichte Aufgabe: Jeder Mensch gibt nachts etwa einen halben Liter Flüssig­keit ab, meist als dampf­förmigen Schweiß.

Daunen schaffen eine angenehmer klimatisierte Bett­höhle als Synthetikfül­lungen. Zum Vergleich: Die drei teuren Synthetik­decken im Test – sie kosten 249 bis 330 Euro – reichen nicht an die Schlaf­eigenschaften der Daunen heran. Es entweicht mehr Wärme, während mehr Feuchtig­keit im Bett bleibt. Nichts für starke Schwitzer.

Neben Schweiß sammeln sich Hautschuppen und Milbenkot in der Decke. Daher empfehlen Hersteller, Daunen­decken alle ein bis zwei Jahre zu waschen. Wer eine große Wasch­maschine und einen geräumigen Trockner besitzt, kann das zuhause erledigen, ansonsten in der Reinigung. Die Decken vom Dänischen Betten­lager, Galeria Kauf­hof und Sanders über­standen die drei Wäschen im Test ohne Probleme.

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Zum Einfüllen. Eine Maschine pustet Daunen und Federn in die Hülle.

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Mit Öffnung. Die Stege zwischen den Kassetten sind nicht durch­gesteppt.

Bei Allnatura, Häuss­ling, Kauff­mann, Matratzen Concord und Wasch­bär ging jedoch die Füllung auf Wanderschaft. Bis zu sieben Kassetten entleerten sich komplett. Hintergrund: Die Hersteller blasen Daunen durch Rohre in die Kassetten. Deshalb sind die Stege dazwischen nicht durch­gesteppt. Teil­weise sollen Rück­schlagklappen aus dünnem Stoff die Daunen in den Taschen halten. Wie unzu­verlässig das funk­tioniert, zeigt der Test. Durch leere Kassetten entweicht Wärme. Selbst kräftiges Aufschütteln bewegt die Daunen nicht zur Umkehr. Einziger Ausweg: Fachhändler füllen sie in neue Hüllen. Das kostet 50 bis 150 Euro.

Kleine, wenig bauschige Daunen

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Zwei Gramm. Gänsedaunen (rechts) haben mehr Volumen als Entendaunen.

Sechs Jahre sind seit dem letzten Test von Daunen­decken vergangen. Damals bot ein Gramm der besten Füllung ein Volumen von 443 Milliliter. Jetzt fanden die Prüfer in der besten Decke 342 Milliliter je Gramm. Fast ein Viertel weniger.

Woran könnte das liegen? Große Daunen brauchen fast ein halbes Jahr, bis sie ausgewachsen und voluminös sind. So lange leben Mastgänse höchs­tens in artgerechter Tierhaltung. Die getesteten Decken enthalten jedoch viele kleine Daunen. Das deutet darauf hin, dass die Tiere entweder früh gerupft wurden oder kurz gelebt haben. In der Intensivmast sind Enten nach 6 bis 7 Wochen schlacht­reif, Gänse nach 9 bis 16 Wochen. Ihnen wachsen nur kleine, wenig bauschige Daunen.

Auf die Qualität drückt auch die welt­weite Nach­frage nach Daunen­produkten wie Jacken und Schlafsä­cken. Gleich­zeitig halbierte sich die Zucht von Enten und Gänsen. Folge: Der Preis für Rohdaunen stieg in den letzten vier Jahren um 200 Prozent. Füllen viele Hersteller deshalb mehr Federn und andere Anteile wie Bruch ein, als sie auf der Verpackung angeben? Die Decken von Allnatura, Billerbeck und Sanders verdienen jedenfalls nur Güteklasse II statt I.

Noch dreister täuschte Häuss­ling: „Weiße arktische neue Gänsedaunen und -federn, Klasse I, 90 % Daunen, 10 % Federn“ stand auf der Decke, die es für 80 Euro als Aktions­ware bei Real gab. In Wahr­heit enthält sie nur 70 Prozent Daunen, 10 Prozent Federn und 20 Prozent Bruch. Das entspricht Klasse III, der schlechtesten Klasse für Daunen­decken von Wasser­geflügel. Die minderwertige Qualität zeigt sich beim Volumen. Die Decke ist flach statt flauschig und schmiegt sich kaum an. Ein Test­schläfer nannte sie „Kranken­haus­decke“. Auch die Angabe „Gänsedaunen und -federn“ ist geschönt. Häuss­ling mischte 37 Prozent Entendaunen und -federn unter. Die Norm erlaubt in „Gänse­decken“ nur 30 Prozent.

Ärgerlich für Käufer, denn Entendaunen sind meist kleiner und wärmen weniger als die von Gänsen. Anderer­seits sind sie auch billiger. Wohl aus diesem Grund enthalten alle Decken, auf denen Gänsedaunen steht, bis zu 30 Prozent Ente. Über­all dort, wo nur „Federn und Daunen“ drauf­steht, fanden die Tester 100 Prozent Ente. Das muss kein Nachteil sein: Selbst reine Entendaunen ergeben kusch­ligwarme Decken, zum Beispiel bei Centa Star Swiss Collection.

In der Hülle der Centa Star-Daunen­decke fanden wir jedoch Nonylphenoleth­oxylate. Diese Schad­stoffe reichern sich in der Umwelt an und sind giftig für Wasser­organismen. Ohne diesen Fauxpas wäre Centa Star gut – ähnlich wie viele Daunen­decken: Sie bieten tolle Schlaf­eigenschaften, patzen aber bei Füllung oder Halt­barkeit.

Wie sich die Anbieter für Mitarbeiter, Tier- und Umwelt­schutz (CSR) engagieren, lesen Sie im CSR Test Daunen.

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