Bettdecken Test

In der kalten Jahreszeit soll es wenigstens im Bett schön kuschelig und mollig warm sein. Im Test: 14 Daunen- und Synthetikoberbetten. Eine Decke musste Federn lassen.

Zehn Jahre ist es her, dass Charlie für unseren letzten Oberbettentest unter die Decke kroch. Höchste Zeit für eine Neuauflage, denn nach acht bis zehn Jahren hat eine Bettdecke ausgedient, sagen Experten. Die lebensgroße Gliederpuppe kuschelte sich diesmal unter sieben Daunenbetten und sieben Synthetikdecken, alle wintertauglich. Charlies Messdaten verrieten, wann er dabei ins Schwitzen kam und wann er fror.

Natürlich waren auch echte Menschen im Prüfteam. Vier Frauen und drei Männer probierten jedes Steppbett aus und gaben ihr Urteil zum Anschmiegeverhalten und ihren Gesamteindruck ab. Sie empfanden Daunendecken manchmal als eher schwer und voluminös, Synthetiks als anschmiegsamer. Jeder hat bei der Bettdecke eben seine speziellen Vorlieben.

Die objektiven Messergebnisse sprechen eher für eine Füllung aus dem Unterkleid von Gans und Ente. Mit einer Ausnahme schnitten alle Daunendecken besser ab als die fasergefüllten Synthetiks. Fünf führen mit einem „Gut“ die Riege an: Billerbeck Classic Alina, Irisette Classic, Sanders, Häussling Reformetta, Otto Keller.

Wichtig für das nächtliche Wohlgefühl ist nämlich nicht allein der Kuschelfaktor. Nur in einer angenehm klimatisierten „Betthöhle“ schläft es sich gut. Das kriegen Daunen und Federn besser hin. Vor allem deshalb, weil sie die im Schlaf abgegebene Feuchtigkeit besser speichern und abtransportieren können. Man schwitzt unter Daunen und Federn weniger als unter künstlichen Füllungen. Trotzdem spenden sie wohlige Wärme, sind dabei sogar meist leichter als Faserfüllungen. Eine gute Daunendecke wärmt eben mehr als ein gleich schweres Synthetikbett. Doch Oberbetten mit 90 Prozent Daunen und mehr sind nicht billig. Die fünf „guten“ im Test kosten von knapp 200 Euro bis 390 Euro – in der Standardgröße 1,35 Meter breit, 2 Meter lang.

Kauffmann-Decke „mangelhaft“

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Daunen auf Wanderschaft: Bei der Kauffmann Comfort 3 waren nach dem Waschen einige Kammern komplett leer.

Eine Garantie für gute Qualität ist ein hoher Preis allerdings nicht. Die sehr leichte Comfort 3 von Kauffmann für 269 Euro – eher eine Decke für die Übergangszeit – glänzte zwar mit „guten“ Gebrauchseigenschaften, versagte aber in der Waschmaschine. Obwohl wir sie nach Anleitung in einer Großraumtrommel wuschen und anschließend im Tumbler trockneten, ging die Füllung auf Wanderschaft. Nach der zweiten Wäsche hatten sich mehrere Kammern komplett oder teilweise entleert, die Daunen entfleuchten in benachbarte Kassetten. Auch kräftiges Aufschütteln konnte sie nicht zur Umkehr bewegen. Das ist „mangelhaft“.

Daunen auch für Allergiker

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Alle Daunenfüllungen sind wie die Synthetiks waschbar. Sie eignen sich auch für Allergiker. Der früher oft gehörte Rat, Menschen mit Allergien – speziell Hausstauballergiker – sollten Feder- und Daunenbetten meiden, ist überholt. Waschen bei 60 Grad Celsius reduziert eine eventuell vorhandene allergene Belastung wirksam. Die meisten Hausstaubmilben tummeln sich sowieso lieber in der Matratze, weil sie sich von Hautschuppen und nicht von Daunen und Federn ernähren. Das haben neue Studien gezeigt. Die Hülle, ob Inlett (Köperbindung) oder Einschütte (Leinwandbindung), ist meist so dicht gewebt, dass sie wie eine Barriere für die Milben wirkt.

Synthetikdecken sind preisgünstig

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Messpuppe Charlie registriert genau, wie warm es unter seiner Bettdecke wird.

Dennoch spricht auch einiges für Synthetikdecken. Die für die Füllung verwendeten Hohl- oder Mikrofasern sind in den letzten Jahren technisch verfeinert worden und gut zu waschen. Nur Billerbeck Basic Allegro lief in der Breite mehrere Zentimeter ein. Außerdem sind Synthetiks mit Preisen zwischen 70 und 130 Euro deutlich billiger als Daunenbetten. Schlechte Ware muss man nicht fürchten, jedenfalls nicht bei den untersuchten Markenprodukten. Alle Synthetikdecken schnitten „befriedigend“ ab. Auch Schadstoffe wie Formaldehyd, Antimon oder zinnorganische Verbindungen sind kein Thema. Wer nachts zum Schwitzen neigt, sollte aber darauf achten, dass die Hülle aus Baumwolle ist. Mischgewebe und reine Kunstfasern nehmen den dampfförmigen Schweiß viel schlechter auf.

Für eine Synthetikfüllung werden meist Fasern aus Polyester verarbeitet. Die können sich mit der Zeit aus dem Hüllengewebe herausarbeiten, bleiben dann als Pills an der Oberfläche haften. Das sieht nicht schön aus, wird aber durch den Bezug verdeckt. Ärgerlicher ist herumfliegendes Gefieder, wenn die Betten frisch bezogen werden. Bei den Daunendecken von Sanders und Häussling Reformetta zählten wir mehr Durchstiche, als einem lieb ist. Der Kunde kann beim Kauf noch nicht erkennen, ob die Hülle dicht und trotzdem genügend luftdurchlässig ist. Das merkt er erst im täglichen Gebrauch.

Genauso muss er darauf vertrauen, dass in der Daunenfüllung tatsächlich das drinsteckt, was das Etikett auslobt und wofür er möglicherweise ganz bewusst viel Geld ausgegeben hat. Mit der Wahrheit und Klarheit in der Kennzeichnung sah es früher eher düster aus. Begriffe wie „Original Dreivierteldaune“ oder „Halbdaune“ sagten meist nur Fachleuten etwas. Seitdem es die europaweit gültige Norm zur Kennzeichnung von Daunen und Federn gibt (siehe „Füllungen“), hat sich vieles erhellt. Heute sind die Gewichtsanteile in Prozenten angegeben. Mit „Daunenbett“ darf sich nur eine Decke schmücken, die mindestens 60 Prozent Daunen enthält. Und statt „original“ heißt ungebrauchtes Gefieder nun auch tatsächlich „neu“.

Wir haben natürlich kontrolliert, ob die Decken richtig gekennzeichnet sind. Das geschieht in mühevoller Handarbeit durch Sortieren der Füllung. Dreimal stimmten die Angaben nicht mit dem tatsächlichen Inhalt überein. Die Canadian-Dream-Füllung von Otto Keller enthält mehr Entendaunen als angegeben und wiegt auch deutlich mehr, ebenso Kauffmann Comfort 3. Es ist mehr drin als draufsteht. Das ist nicht weiter tragisch, macht die Decken aber schwerer, als die Angaben vorgeben. Ein Sonderfall ist Ikea. Die Decke Mysa Mera lässt den Kunden im Unklaren über die Güte der Füllung. Das Etikett verschweigt, dass es sich dabei um minderwertigeres Gefieder der Klasse 2 handelt, also mehr als fünf Prozent Daunen- und Federnbruch enthält. Messpuppe Charlie merkt das nicht. Dennoch hat er sich unter der Ikea-Decke nicht wirklich „wohlgefühlt“.

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