Daunen­produktion: Geflügel als Ware

Bett­decken Special

Ein schönes Paar. Gans und Ente lassen die Federn fürs Bett.

Tierschützer werfen Daunen­produzenten Tierquälerei vor. Es gibt Siegel, die Tierleid ausschließen sollen.

Seit vielen Jahren werfen Tierschützer der Daunen­industrie vor, ihre exquisite Ware mit dem Leid von Gänsen zu erkaufen. Die Vögel würden, so die Vorwürfe von Tier­schutz­verbänden wie Vier Pfoten, Peta oder Soko Tier­schutz, häufig lebend gerupft. Das fügt den Tieren schwere Verletzungen und Schmerzen zu. Außerdem sei in einigen Ländern wie etwa Frank­reich und Ungarn tierquälerische Zwangs­mast an der Tages­ordnung, um die kulinarische Spezialität Stopfleber zu gewinnen.

Lebendrupf und Stopfmast

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Unwürdig. Lebendrupf fügt Gänsen Schmerzen zu.

Die Daunenbranche hält dagegen: Lebendrupf sei nur vereinzelt zu finden und werde von der Industrie geächtet, ebenso die Stopfmast. In der Regel stammten Daunen von geschlachteten Tieren, als Neben­produkt der Fleisch­produktion. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Siegel auf den Weg gebracht: Sie versprechen, Lebendrupf und Stopfmast bei der Daunen­produktion auszuschließen und sollen Rück­verfolg­barkeit bis zur Farm ermöglichen. Die meisten Daunen- und Federn­importe stammen nach Branchen­angaben aus China, gefolgt von Polen und der Ukraine.

Haben sich die Produktions­bedingungen verbessert?

Die Stiftung Warentest hat 2013 die Produktionsbedingungen von Daunen­decken geprüft. Damals blieben uns alle zehn Anbieter den Beleg schuldig, von welchen Höfen ihre Daunen stammen – konnten also Lebendrupf nicht ausschließen. Fünf Jahre danach haben wir uns in der Branche umge­hört und wollten von Anbietern wie auch Tierschützern wissen, was sich seither getan hat.

Tierschützer mit geteilten Ansichten

Unter Tierschützern gehen die Meinungen auseinander. „Die Situation beim Lebendrupf ist unver­ändert“, sagt Friedrich Mülln von Soko Tier­schutz, der seit Jahren verdeckt auf Geflügelfarmen recherchiert, um Verstöße zu dokumentieren. Andere Tierschützer sehen positi­vere Entwick­lungen. „Einige Produzenten haben sich auf den Weg gemacht, auch weil immer mehr Kunden nach sauberen Daunen fragen“, sagt Denise Schmidt von der Tier­schutz­stiftung Vier Pfoten. Sie habe mit Herstel­lern gesprochen und sich dafür einge­setzt, dass Daunen­stan­dards wie der Downpass 2017 strengere Tier­schutz­auflagen erhalten.

Outdoor-Branche als Vorreiter

Auch Esther Müller vom Deutschen Tier­schutz­bund gesteht der Bett­federn­industrie zu: „Sie ist bemüht, etwas zu ändern.“ Vorreiter seien allerdings Hersteller von Outdoor­bekleidung. Patagonia entwickelte mit Tierschützern und Industrie­vertretern den Trace­able Down Stan­dard (TDS), The North Face initiierte den Responsible Down Stan­dard (RDS). Beide Zertifikate gingen 2014 an den Start und versprechen, Lebendrupf und Stopfmast bei der Daunen­produktion auszuschließen. RDS-zertifizierte Bett­waren sind bereits auf dem Markt, TDS-zertifizierte nicht.

Kontrolle der Lieferkette

In Deutsch­land entwickelte der Verein Traumpass mit Unterstüt­zung der Industrie den Downpass 2017. Er ist eine Weiter­entwick­lung des Traumpasses, einem Qualitäts­siegel für Daunen und Federn. Es entpuppte sich in unserem Test im Jahr 2013 allerdings als wenig hilf­reich: Kein Anbieter, der sich damals nach Traumpass-Vorgaben hatte zertifizieren lassen, belegte uns die Unbe­denk­lich­keit der Daunen. „Die Rück­verfolgung bis zur Aufzucht­farm war bis vor einigen Jahren nur in Ausnahme­fällen möglich“, sagt Juliane Hedderich, verantwort­lich für den Downpass und zudem Geschäfts­führerin des Verbands der Daunen- und Federn­industrie (VDFI). Das sei mitt­lerweile anders. Der Downpass 2017 verspricht, keine Daunen und Federn von lebenden oder zwangs­gestopften Tieren zu verwenden und die Lieferkette bis zur Aufzucht der Tiere kontrollieren zu können.

Anbieter gehen verschiedene Wege

Vier Anbieter aus unserem Test von 2013 verwenden heute nach eigenen Angaben den Downpass 2017: Centa-Star, Galeria Kauf­hof, Häuss­ling, Dänisches Betten­lager. Letzterer gibt an, auch RDS-zertifizierte Bett­waren zu verkaufen, ebenso wie Matratzen Concord, Kauff­mann und – damals nicht im Test – Paradies. Andere setzen auf eigene Stan­dards oder andere Label. Wasch­bär versichert, seit 2016 nur noch Betten von Daunen aus bio-zertifizierten Höfen in Süddeutsch­land anzu­bieten. Ikea, damals nicht im Test, sagt, nur Entendaunen zu verwenden. Diese stammen sehr selten aus Lebendrupf, da welt­weit mehr Ente als Gans verzehrt wird. Tierschützer kritisieren allerdings die nicht tiergerechten Haltungs­bedingungen. Karstadt hat nicht auf unsere Anfrage reagiert.

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