Mehr als Hundert Legehennen­betriebe in Nieder­sachsen stehen im Verdacht, Bioeier verkauft zu haben, die gar keine sind. Der Vorwurf: Sie sollen mehr Legehennen halten als es die Öko-Richt­linien erlauben. test.de erklärt, wie Biohennen im Vergleich zu anderen Hennen gehalten werden dürfen und wie Behörden Biolebens­mittel über­prüfen.

Ermitt­lungen dauern bereits über ein Jahr

Laut dem Magazin Spiegel ermittelt die Staats­anwalt­schaft Oldenburg bereits seit Herbst 2011 gegen rund 150 nieder­sächsische Legehennen­betriebe wegen Betrugs mit Bioeiern. Sie sollen Eier als bio vermarktet haben, obwohl diese das Biosiegel nicht verdienen. Der Vorwurf: Die Betriebe würden deutlich mehr Tiere in den Ställen halten als erlaubt ist. Die Öko-Richt­linien schreiben vor, dass im Stall maximal 6 Bio-Legehennen auf einen Quadrat­meter kommen dürfen. Die gesamte Gruppe darf nicht mehr als 3 000 Hennen umfassen.

So werden deutsche Legehennen gehalten

Haltungs­form

Code

Fläche im Stall / im Freien

Charakteristika

Kleingruppe

3

Etwa 12 Tiere pro qm/ Kein Auslauf im Freien

Eine Kleingruppe umfasst 20 bis 60 Tiere. Sie leben in Käfigen mit mindestens 50 cm Deckenhöhe, die neben- und über­einander gestapelt sind.

Boden

2

Maximal 9 Tiere pro qm/

Kein Auslauf im Freien

Bei Bodenhaltung bewegen sich die Tiere frei im Stall. Manchmal ist ein Raum mit Tages­licht ange­schlossen.

Es sind maximal 6 000 Hennen pro Stall erlaubt.

Frei­land

1

Maximal 9 Tiere pro qm/ Mindestens 4 qm pro Tier im Freien

Die Tiere leben im Stall unter denselben Bedingungen wie bei der Bodenhaltung – haben aber tags­über Auslauf im Freien. Das Freigelände sollte begrünt sein.

Bio

0

Maximal 6 Tiere pro qm/ Mindestens 4 qm pro Tier im Freien

Die EU-Ökover­ordnung erlaubt maximal 3 000 Hennen pro Gruppe. Gefüttert wird nur Biofutter. Bioanbau­verbände wie Bioland schreiben zusätzliche Kriterien vor.

      Biobetriebe müssen jähr­lich kontrolliert werden

      Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre dies Verbraucher­täuschung in großem Stil. Denn viele Menschen geben heute freiwil­lig mehr Geld aus, um Eier in Bioqualität zu kaufen. Sie wollen sicher gehen, dass die Hennen artgerecht gehalten wurden: dass sie scharren, sandbaden und picken können; dass es genug Sitz­stangen zum Schlafen und ruhige Rück­zugs­orte zum Eierlegen gibt. Üblicher­weise werden Biobetriebe regel­mäßig kontrolliert. In Deutsch­land erledigen das private Ökokontroll­stellen. Sie prüfen bei Biobetrieben zumindest einmal pro Jahr, ob sie die Regeln des Ökoland­baus einhalten. Diese Stellen bestimmt die Bundes­anstalt für Land­wirt­schaft und Ernährung, über­wacht werden sie von Länderbehörden (siehe Echtheit von Biolebensmitteln).

      Bisher keine Verdachts­fälle bei Eierkode-Kontrolle

      Auch der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungs­formen (KAT) prüft regel­mäßig deutsche Legehennens­tälle. Der Verein verwaltet ein Rück­verfolgungs­system für Eier: Auf www.was-steht-auf-dem-ei.de können Verbraucher den jeweiligen Eierkode eingeben und den Legehennen­betrieb ermitteln. Für 90 bis 95 Prozent der Eier im deutschen Handel seien die Daten abruf­bar, so KAT. Der Verein zertifiziert dafür die gesamte Produktions­kette, vom Futter- bis zum Lege­betrieb. Dabei kontrolliert er auch, ob die Legehennen wirk­lich so gehalten werden, wie es die Betriebe versprechen und bewerben. In einer Stellungnahme im Internet heißt es, der Verein habe bislang keine Anhalts­punkte gehabt, dass KAT-Mitglieder gegen die Besatz­dichte verstoßen. Einzelne Tiere würden bei den Kontrollen aber nicht gezählt werden.

      Biohennenplätze werden kontinuierlich ausgebaut

      Bislang schien der Trend zu Bioeiern ungebrochen. Immer mehr Betriebe fingen an, ihre Hennen nach ökologischen Kriterien zu halten. Zusätzlich wurden Bioeier importiert, um die hohe Nach­frage zu decken. Echte Biohennen erhalten nur Biofutter. Gentechnik und vorbeugender Einsatz von Antibiotika sind tabu. Ähnlich wie Hennen in Frei­land­haltung haben sie mehr Platz im Stall als Hennen in Boden- oder Käfighaltung; außerdem können sie sich auf Auslaufflächen im Freien bewegen. Zwischen 2011 und 2012 wurde der Bestand an deutschen Biohennen um 17 Prozent erhöht – laut dem Statistischen Bundes­amt der größte Zuwachs inner­halb der vier Haltungs­gruppen. Zwischen 2010 bis 2011 war die Zahl der Biohennen sogar um ein Drittel gestiegen. Insgesamt werden hier­zulande etwa 2,9 Millionen Biohennen gehalten. Das entspricht einem Anteil von 8 Prozent.

      Bodenhaltung bleibt die dominanteste Haltungs­form

      Das Gros der deutschen Legehennen – etwa zwei Drittel – lebt nach wie vor in Bodenhaltung. Rund 15 Prozent aller Hennen leben in Frei­land­haltung. Auch diese Haltungs­form wuchs im vergangenen Jahr um fast 9 Prozent. Rück­läufig war hingegen die Klein­gruppen­haltung, die moderne Form der Käfighaltung. Sie verlor gut vier Prozent und kommt auf einen Anteil von 13 Prozent. Aus welcher Haltung Eier stammen, zeigt ihr Erzeugerkode auf der Schale.

      Tipp: Mehr Informationen rund um das Thema Ei finden Sie im Special Eier (test 4/2012).

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