Betriebs­system Android 6 Marshmallow mit mehr Daten­schutz

10.12.2015
Betriebs­system Android 6 - Marshmallow mit mehr Daten­schutz
© Stiftung Warentest

Mit der neuesten Version seines mobilen Betriebs­systems Android zieht Google beim Daten­schutz endlich gegen­über Apples iOS nach: Damit können nun auch Android-Nutzer den Zugriff von Apps auf persönliche Daten einschränken. Auch bei den Akku­lauf­zeiten verspricht das Update Verbesserungen. Wie viel Android 6 für Daten­schutz und Akku wirk­lich bringt, zeigt der Schnell­test.

Auf Lutscher folgt Zuckerschaum

Betriebs­system Android 6 - Marshmallow mit mehr Daten­schutz
Die neue Android-Version heißt Marshmallow. © Anbieter

Traditionell benennt Google die Versionen seines Smartphone-Betriebs­systems Android in alpha­betischer Folge nach Süßwaren. So hörte die Version 4.4 auf den Code­namen „Kitkat“, Version 5 war als „Lollipop“ bekannt. Die neueste Version 6 ist nun nach jenem ur-amerikanischen Zuckerschaum benannt, den Pfadfinder am Stock über dem Lagerfeuer rösten: Marshmallow. Dabei verspricht der Versions-Sprung von Lollipop auf Marshmallow für Android-Nutzer einen großen Fort­schritt beim Daten­schutz. Wir sind der Sache im Schnell­test mit einem Motorola Nexus 6 nachgegangen, auf dem wir Android 6 installiert haben alle Android-Handys in der Test-Datenbank.

Apple vs. Google – Schne­cken­rennen beim Daten­schutz

Beim Daten­schutz liefern sich Apple und Google mit ihren mobilen Betriebs­systemen seit Jahren ein Schne­cken­rennen. Anfangs wussten Nutzer eines iPhones nicht einmal, auf welche persönlichen Daten unterschiedliche iOS-Apps zugreifen konnten zu den iPhones in der Test-Datenbank. Android zeigte diese Zugriffs­rechte dem Nutzer bei der Installation von Apps wenigs­tens an. So konnten Android-Nutzer allzu neugierige Apps erkennen und entscheiden, diese dann eben nicht zu installieren. Damit hatte Android die Nase beim Daten­schutz zunächst wenigs­tens ein paar Milli­meter vorn. Das änderte sich 2012 mit Apples Update auf iOS 6: Seit dieser Version können iOS-Nutzer jeder App den Zugriff auf Daten wie Adress­buch, Kalender oder Stand­ort individuell erlauben oder verbieten – das ist mehr, als bei Android bisher möglich war. Drei Jahre später zieht Google nun endlich nach und führt bei Android 6 ähnliche Einstell­möglich­keiten ein.

Zugriffs­rechte im Test

Die neuen Einstel­lungen sind allerdings etwas versteckt. Anders als bei iOS gibt es bei Android 6 zumindest auf dem Nexus 6 im zentralen Einstellungs­menü keinen eigenen Menü­punkt zum Daten­schutz. Statt­dessen muss der Nutzer im Einstellungs­menü zuerst den Menü­punkt „Apps“ aufrufen. Dort hat er dann zwei Möglich­keiten, die Zugriffs­rechte zu bearbeiten:

  • Entweder er wählt eine App aus, deren Zugriffs­rechte er einsehen und beschränken möchte. Im Eintrag zur App gibt es dann den Menü­punkt „Berechtigungen“. Dort kann der Handy­besitzer einzelne Zugriffs­berechtigungen der App ein- und ausschalten.
  • Alternativ kann er in der Über­sicht aller installierten Apps wiederum das dortige Einstellungs­menü öffnen und dort unter dem Punkt „App-Berechtigungen“ die Einstel­lungen nach Zugriffs­rechte sortiert vornehmen – also zum Beispiel alle Apps anzeigen und bearbeiten, die Zugriff aufs Adress­buch oder auf den Stand­ort wollen.

Insgesamt ist der Weg zu diesen Einstel­lungen bei Android etwas verschlungender als bei iOS. Wir haben die Wirk­samkeit dieser Einstel­lungen anhand einiger exemplarisch ausgewählter Apps über­prüft – mit positivem Ergebnis: Die Einstel­lungen machen offen­bar, was sie sollen und nehmen den Apps tatsäch­lich die Möglich­keit, etwa das Adress­buch auszulesen oder den Stand­ort zu ermitteln.

Nutzer muss mitdenken

Diese Möglich­keit muss der Nutzer intelligent nutzen. So ist es wichtig, die gewünschten Einstel­lungen recht­zeitig vorzunehmen. Wer zum Beispiel einer App den Zugriff aufs Adress­buch verweigern will, damit sie die darin gespeicherten Kontakte nicht an ihren Anbieter über­mitteln kann, sollte das sofort nach Installation der App tun – noch bevor er sie zum ersten Mal startet. Sonst könnte sie schon gleich beim ersten Start das Adress­buch auslesen. Nur bei einigen Apps und Berechtigungen fragt das Handy beim ersten App-Start nach, ob der Zugriff gestattet werden soll. Auch sonst muss der Nutzer mitdenken: Je nach Art der App können unüber­legte Einstel­lungen deren Funk­tion einschränken. So spricht sicher nichts dagegen, einer neugierigen Taschen­lampen-App den Zugriff auf den Stand­ort zu verweigern. Bei einer Navigations-App wäre das dagegen wenig sinn­voll – ohne Zugriff aufs GPS navigiert es sich nicht gut.

Deutlich längere Akku­lauf­zeit

Neben den neuen Einstel­lungen zu den App-Zugriffs­rechten bietet Android 6 noch einige weitere nützliche Neuerungen. Google betont zum Beispiel auch einen neuen „Ruhemodus“, der besonders im Standby längere Akku­lauf­zeiten ermöglichen soll. Der Test bestätigt auch das: Beim Nexus 6 hat sich die Akku­lauf­zeit im Standby-Betrieb mit aktivem WLan nach dem Update von Android 5 auf Android 6 mehr als verdoppelt!

Fazit: Wichtiger Schritt – nicht für jeden verfügbar

Besonders in Sachen Daten­schutz ist der Versions­schritt von Android 5 auf Android 6 ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auch beim Akku bringt das Update deutliche Verbesserungen. Allerdings ist die neueste Version bisher nur für wenige Smartphones verfügbar. Wie so oft gibt es Android 6 zuerst für die neueren Modelle der Nexus-Reihe, wie zum Beispiel das Motorola Nexus 6. Auch für aktuelle Flaggschiff­modelle der großen Anbieter stehen die Chancen auf ein Update auf Marshmallow nicht schlecht. Doch viele ältere und einfachere Modelle werden wohl wie so oft leer ausgehen. Das ist diesmal besonders schade.

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10.12.2015
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