Betriebsrenten Special

Am Geschäft mit Betriebsrenten wollen viele verdienen. Für Arbeitnehmer zählen nur gute Tarife und Zuschüsse der Firma.

Im Idealfall bietet ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine Zusatzversorgung an und finanziert sie für sie. Opfern Arbeitnehmer selbst Geld für eine Betriebsrente, können aber auch sie Steuern und oft noch Sozialabgaben sparen. Das kann sich lohnen.

Firmen müssen ihren Angestellten eine Betriebsrente anbieten, die diese selbst bezahlen, sofern sie das wünschen. Seit 2002 gilt ein „Recht auf Entgeltumwandlung“.

Ob eigenes Sparen sinnvoll ist, hängt von vielem ab: Wie viel verdient jemand? Senkt er seine Steuerlast damit ordentlich? Spart er Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und auch zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung?

Bis zu 2 640 Euro vom Gehalt bleiben pro Jahr steuer- und sozialabgabenfrei, wenn sie in Sparbeiträge umgewandelt werden (Stand 2011). Weitere 1 800 Euro können zumindest steuerfrei gespart werden, wenn der Arbeitnehmer nicht noch eine Direktversicherung aus der Zeit vor 2005 hat.

Im Alter ist eine Betriebsrente voll steuerpflichtig. Künftiges Arbeitslosengeld und die gesetzliche Rente fallen etwas geringer aus, wenn das Sparen sozialabgabenfrei war.

Um die Entscheidung zu erleichtern, gibt Finanztest ein paar Faustregeln.

Jobwechsel: Ein Sparer sollte die Firma nicht schon in den nächsten Jahren verlassen wollen. Wie jede Altersvorsorge braucht eine Betriebsrente Zeit, um sich zu entwickeln. Für Jobhopper ist das nichts. Daran ändert auch die seit 2005 erleichterte Mitnahme wenig.

Wichtig ist deshalb auch ein sicherer Arbeitsplatz. Und die Branche spielt eine Rolle: In der Chemie- oder der Metall- und Elektroindustrie oder auch bei Banken kann ein Vertrag oft ohne Verlust beim anderen Arbeitgeber der Branche fortgesetzt werden.

Immobilienpläne: Will der Arbeitnehmer in Zukunft eine Immobilie finanzieren, spricht das gegen eine Gehaltsumwandlung. An das Geld in einer Betriebsrente kommt er nicht heran. Für einen Hauskauf kann er es anders als einen privaten Riester-Vertrag nicht nutzen.

Privat krankenversichert: Arbeitnehmer, die privat krankenversichert sind, profitieren meist sehr von Betriebsrenten. Anders als gesetzlich Versicherte zahlen sie im Alter keine Kranken-, und Pflegeversicherungsbeiträge auf diese Rente. Zwar sparen sie vorher weniger Abgaben, doch die Einbuße der gesetzlich Versicherten, die seit 2004 volle Sozialabgaben auf Betriebsrenten zahlen müssen, betrifft sie nicht.

Gesetzlich krankenversichert: Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse müssen genauer hinschauen. Sie sollten ausrechnen, wie viel Steuern und Sozialabgaben sie sparen können. Die Personalstelle ihrer Firma könnte das für sie machen.

Zuschuss: Oft stockt der Arbeitgeber eine Betriebsrente auf, wenn der Arbeitnehmer einen Teil auch selbst aufbringt. Dann spricht viel für die Gehaltsumwandlung.

Keine freie Auswahl

Die Grundsatzentscheidung pro und kontra Betriebsrente ist der erste Schritt. Doch welche Art der Versorgung bietet die Firma an?

Möglich sind fünf Wege: Direktzusage, Unterstützungskasse, Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung. Wo es langgeht, entscheidet der Arbeitgeber, der auch für einen guten Ablauf haftet.

Bei der Direktzusage macht die Firma die Versorgung ihrer Mitarbeiter selbst. Sie verschafft sich damit gleichzeitig eine Steuerstundung. Auch die Unterstützungskasse ist eng an das Unternehmen geknüpft.

In den drei anderen Wegen geht das Geld immer nach draußen. Hier gibt es bessere und schlechtere Anbieter. Die Auswahl trifft der Arbeitgeber.

Berater und Verkäufer im Streit

Um die Großaufträge der Firmen konkurrieren viele Berater und Vermittler. Manche machen sich gegenseitig madig: „Rechtsberatung und Versicherungsvermittlung gehören nicht in eine Hand“, wettert zum Beispiel der Bundesverband der Rechtsberater für betriebliche Altersversorgung und Zeitwertkonten (BRBZ). Unkundige Vermittler mit Provisionsinteresse überschritten ihre Kompetenzen. Viele hinterließen verbrannte Erde, behauptet der Vorsitzende des Verbands Sebastian Uckermann.

Gegen einige Anbieter ist der BRBZ vor Gericht gezogen. Die Sparkassen Pensionsberatung (SPB) beugte sich, um, wie sie sagt, einen langen Rechtsstreit zu vermeiden. Sie berät nun über ihre Tochterfirma Heubeck.

Angebot prüfen

Für einen Arbeitnehmer ist nur wichtig, was es ihm selbst bringt, wenn er Geld in eine Betriebsrente steckt. Er sollte nicht blind zugreifen, wenn ihm ein Angebot vorgelegt wird, sondern es gut prüfen. Gibt es darin eine Zinszusage? In welcher Höhe? Bleiben Rabattvorteile erhalten, wenn der Vertrag nach dem Ausscheiden aus der Firma irgendwann privat weitergeführt wird?

Tipp: Vergleichen Sie das betriebliche Angebot mit Angeboten von günstigen Versicherern für private Verträge. In unseren Tests privater Rentenversicherungen schneiden oft Direktversicherer wie Europa, WGV, Asstel oder Hannoversche Leben gut ab, weil sie kostengünstig sind. Gute Noten aufgrund eines stetig guten Anlageerfolgs gibt es auch oft für die Debeka.

Machen Sie in Ihren privaten Anfragen die gleichen Vorgaben zu Laufzeit, Beitragshöhe, Todesfallleistungen und Zusatzversicherungen, die auch für das betriebliche Angebot gelten. Ist die Garantierente des betrieblichen Angebots viel niedriger, sollten andere Vorteile groß sein, zum Beispiel, dass die Firma kräftig mitzahlt.

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