Betriebsrente Special

Firmenrenten sind für viele lukrativ, wobei Männer mehr heraus bekommen als Frauen. Für Frauen ist die Riester-Rente besser, sobald sie Kinder haben.

Rund 17,5 Millionen Menschen in Deutschland können im Alter mit einer Zusatzrente von ihrer Firma rechnen. Sie zahlen selbst in eines der vielen Versorgungssysteme ein oder ihr Unternehmen tut das für sie. Häufig teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auch die Kosten. Vorteile haben beide: Die Angestellten sichern sich eine Zusatzrente und sparen noch Steuern und Sozialabgaben. Die Betriebe unterstützen ihre Mitarbeiter und überweisen selbst weniger an die Sozialkassen. Sparbeiträge, die Arbeitnehmer aus ihrem Bruttogehalt einzahlen, sind in diesem Jahr bundesweit bis zu einer Höhe von 2 640 Euro steuer- und sozialabgabenfrei. Diese Grenze entspricht 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung für die alten Bundesländer. Doch rechnet sich das Sparen für eine Betriebsrente wirklich für alle Arbeitnehmer? Wir haben die Betriebsrente mit der Riester-Rente und einer ungeförderten privaten Rentenversicherung verglichen. Auch für die Riester-Rente gibt es eine staatliche Förderung, hier in Form von Zulagen und nachträglichen Steuervorteilen über die Steuererklärung. Für rein private Rentenversicherungen gewährt der Staat in der Ansparphase dagegen keine Vorteile.

Vergleich dreier Vorsorgeformen

Wir haben für alle drei Vorsorgevarianten ausgerechnet, wie viel ein Sparer mit demselben Nettoaufwand jeweils netto als Zusatzrente herausholen kann. In allen Berechnungen verwendeten wir Werte des aktuellen Jahres. So könnten künftige Änderungen bei Steuern und Abgaben zu einer Verschiebung der Resultate führen. Der Nettoaufwand ist das, was der Sparer wirklich ausgibt, wenn man alle Vorteile abzieht. Bei Betriebs- und Riester-Rente ist er durch die Förderung immer geringer als der Beitrag, der in den Vertrag fließt. Nur bei der privaten Rentenversicherung entspricht der Nettoaufwand genau dem Beitrag. Beeinflusst wird das Ergebnis auch davon, welche Abgaben später für die unterschiedlichen Renten fällig sind. Die Firmenrente ist am stärksten belastet: Gesetzlich krankenversicherte Betriebsrentner zahlen dafür Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und versteuern die Rente voll. Auch die Riester-Rente ist im Alter komplett steuerpflichtig, sie bleibt jedoch wie die private Rente meistens sozialabgabenfrei – Abgaben müssen in beiden Fällen nur die wenigen freiwillig gesetzlich krankenversicherten Rentner zahlen. Die Privatrente ist ab Rentenbeginn steuerlich attraktiv: Das Finanzamt interessiert sich nur für den kleinen sogenannten Ertragsanteil. Bei Rentenbeginn mit 67 Jahren beläuft sich dieser auf 17 Prozent. 83 Prozent der Rente werden steuerfrei ausgezahlt.

Trotzdem zeigt unser Vergleich, dass sich eine solche ungeförderte Rente unterm Strich fast immer weniger rechnet als eine geförderte. Für Frauen ist sie sogar deutlich schlechter. Frauen werden statistisch betrachtet älter als Männer. Anders als bei Riester- und gesetzlicher Rente bekommen sie von privaten Lebensversicherern weniger Rente, weil die Anbieter für sie eine längere Lebenserwartung einrechnen. Auch die Firmenrente fällt für Frauen aus diesem Grund oft etwas geringer als für Männer aus. Besser oder genauso gut wie eine Riester-Rente wird eine Betriebsrente für Frauen dennoch leicht, sobald sie kinderlos bleiben, also keine zusätzlichen Riester-Kinderzulagen vom Staat bekommen. Besonders gilt das für Geringverdienerinnen. Egal ob Frau oder Mann: Je weniger Sozialabgaben mit einer Betriebsrente eingespart werden, desto näher rückt die Riester -Rente an die Firmenrente heran. Das trifft bei sehr gut verdienenden Menschen zu.

Betriebsrente knapp vorn

Die Erkenntnisse verdeutlichen wir an drei Beispielen, die wir in ähnlicher Weise schon in unserer Mai-Ausgabe 2010 in einem Artikel zur Altersvorsorge genutzt haben. Fall eins ist ein Außenhandelskaufmann, den wir Ronnie Fischer nennen. Er ist 29 Jahre alt, stammt aus Dresden und verdient zurzeit 1 900 Euro brutto im Monat. Für einen Riester-Vertrag auf Basis seines derzeitigen Einkommens ist ein Jahresbeitrag von 912 Euro fällig. Zieht man Zulagen und Steuervorteile ab, kostet das Fischer netto 668 Euro im Jahr. Beim guten Anbieter kauft er sich damit nach heutigen Werten die Chance auf eine Zusatzrente von 260 Euro im Monat netto ab 67 Jahren. Ein schlechter Anbieter brächte etwa 217 Euro Rente. Mit dem gleichen Nettoaufwand von 668 Euro könnte sich der junge Mann über seine Firma durch die dort noch höhere Förderung einen Jahresbeitrag von 1 205 Euro für eine Betriebsrente leisten. Denn Fischer zahlt den Beitrag hier nicht nur steuerfrei ein. Er spart auch Sozialabgaben, die er sonst für diesen Teil seines Gehalts zahlen müsste, und zwar für die Renten-, die Arbeitslosen-, die Kranken- und die Pflegeversicherung.

Im Alter kann Fischer nach heutigen Werten bei einem guten Anbieter auf 295 Euro Betriebsrente im Monat hoffen (schlechter Anbieter: 241 Euro). Das ist die Nettorente nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Eingerechnet ist auch ein kleiner Verlust bei der gesetzlichen Rente, weil er wegen der Sparbeiträge für die Firmenrente weniger in die Rentenversicherung einzahlt. Eine gute Betriebsrente bringt Fischer auch netto mehr als eine gute Riester-Rente. Sie liegt auch vor einer guten ungeförderten privaten Rentenversicherung. Diese würde aus 668 Euro Jahresbeitrag in 38 Jahren nach der Prognose 266 Euro Zusatzrente für ihn machen (schlechter Anbieter: 217 Euro).

Verschiebung bei Rentenanstieg

Die Verhältnisse ändern sich etwas, wenn wir unterstellen, dass die gesetzliche Rente pro Jahr um 1 Prozent steigt. Dann hätte Fischer am Ende insgesamt mehr Geld zur Verfügung, der Nettoertrag seiner Riester-Rente sänke aber wegen des dann höheren Steuersatzes auf 241 Euro im Monat. Gleichzeitig würde sich der Abstand der Riester-Rente zur Betriebsrente verkleinern, die Fischer netto dann noch 264 Euro Zusatzrente brächte. Würde die gesetzliche Rente sich noch stärker erhöhen, käme es sogar zu einer Umkehr der Ergebnisse. Doch keiner weiß, ob die Rente in Zukunft überhaupt und wenn ja, in welcher Höhe steigt.

Für Frauen ist Riester oft erste Wahl

Betriebsrente Special

Frauen mit Kindern liegen wegen der Extra-Zulagen meist mit einer Riester-Rente richtig, wenn sie fürs Alter vorsorgen wollen. Hier gelten anders als bei Betriebs- und Privatrenten zudem gleiche Renten für Frauen und Männer.

Die 35-jährige Chemielaborantin Sandra Schäfer, unser zweites Beispiel, ist als Mutter einer fünfjährigen Tochter besser mit einer Riester-Rente bedient. Denn neben ihrer Grundzulage in Höhe von 154 Euro im Jahr steht immer einem Elternteil vom Staat eine Kinderzulage von bis zu 185 Euro zu. Schäfers Nettoaufwand, um 768 Euro Sparbeitrag in die Riester-Rente zu stecken, beläuft sich so nur auf 429 Euro jährlich. Dafür kann sie bei einem guten Anbieter mit 67 Jahren auf 161 Euro Zusatzrente netto hoffen (schlechter Anbieter: 140 Euro). Eine Betriebsrente brächte Sandra Schäfer bei gleichem Nettoaufwand selbst bei einem guten Anbieter netto nur 126 Euro Zusatzrente (schlechter Anbieter: 111 Euro). Mit einer ungeförderten privaten Rentenversicherung käme sie netto auf nur 112 Euro (schlechter Anbieter: 97 Euro).

Vorteil schrumpft für Besserverdiener

Steigt das Einkommen, verkleinert sich der Vorteil der Firmenrente generell, auch bei Männern. Gerechnet haben wir für einen 36-jährigen Informatiker, den wir Thomas Lange nennen. Er ist ledig und verdient zurzeit monatlich brutto 4 600 Euro. Zahlt Lange ab jetzt bis 67 inklusive seiner Grundzulage von 154 Euro und des Steuervorteils netto 1 237 Euro in einen Riester-Vertrag ein, könnte ihm das 368 Euro Zusatzrente netto bringen (schlechter Anbieter: 306 Euro). Eine Betriebsrente verspräche ihm nur 10 Euro mehr, also 378 Euro Zusatzrente (schlechter Anbieter: 312 Euro). Lange spart im Gegensatz zu Ronnie Fischer mit einer Firmenrente nur Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge. Bei der Kranken- und Pflegeversicherung hat der gesetzlich Versicherte durch sein hö­heres Einkommen schon die Beitragsbemessungsgrenze überschritten. Er zahlt für Teile seines Einkommens gar keine Abgaben mehr und kann deshalb auch keine sparen. Würde der Informatiker noch mehr verdienen, hätte er auch bei Renten- und Arbeitslosenversicherung keine Vorteile mehr, wenn er Geld in eine Betriebsrente steckt. Am schlechtesten wäre eine ungeförderte Rentenversicherung. Sie verspräche ihm für den gleichen Einsatz bei einem guten Anbieter nur 333 Euro Zusatzrente (schlechter Anbieter: 279 Euro).

Dieser Artikel ist hilfreich. 661 Nutzer finden das hilfreich.