Betriebs­rente Special

Betriebs­rente mit Riester-Förderung oder Entgelt­umwandlung? Für eine Berufs­tätige mit drei Kindern dürften die mehr als 1 000 Euro Riester-Zulagen im Jahr den Ausschlag geben.

Seit 2018 kann ein Riester-Vertrag über den Betrieb eine gute Idee für die Alters­vorsorge sein. Heutigen und künftigen Rentnern bleibt mehr in der Tasche. Von Renten aus einer riesterge­förderten betrieblichen Alters­vorsorge gehen nun meist keine Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung mehr ab. Hier lesen Sie die erfreulichen Details.

Unser Rat

Vergleich. Sie wollen über Ihren Betrieb fürs Alter sparen und Ihr Chef gibt nichts dazu? Dann könnte ein betrieblicher Riester-Vertrag interes­sant sein (Fürs Alter sparen mit staatlicher Förderung). Das ist für Eltern, Gering- und Gutverdiener oft sinn­voller als Sparen durch Entgelt­umwandlung. Auf beides haben Sie Anspruch. Vergleichen Sie die garan­tierte Rentenhöhe des Riester-Vertrags vom Chef mit der eines privat abge­schlossenen Vertrags: Im Test vorn lagen Riesterrente Klassik (Allianz), Riester Care (HanseMerkur) und Riester Rente (Huk 24). Einen Über­blick über die Riester-Tests der Stiftung-Warentest finden Sie im Special Riester im Test.

Beratung. Die Vertrags­angebote betrieblicher Alters­versorgung sind oft kompliziert. Lassen Sie sich beraten, zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale.

Für viele gibt es plötzlich mehr

Tausende Rentner freuten sich zu Jahres­beginn über mehr Geld auf dem Konto. Der Grund: Von Renten aus einer riesterge­förderten betrieblichen Alters­vorsorge gehen seit 2018 meist keine Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung mehr ab – eine Folge des Betriebs­renten­stärkungs­gesetzes. Immerhin 84 000 Riester-geförderte Verträge haben zum Beispiel Mitarbeiter des öffent­lichen Dienstes bei der freiwil­ligen Zusatz­versicherung der VBL. Von den mehr als 10 000 Rentenbeziehern bekommen viele nun mehr ausgezahlt. Renten unter 152 Euro waren auch vorher sozial­abgabenfrei.

Ein jahre­langes Ärgernis ist beendet. Thomas Jahn von der VBL sagt: „Von unseren Kunden wissen wir, dass die Beitrags­pflicht als Ungleichbe­hand­lung gegen­über privaten Riester-Renten empfunden wurde.“ Auf diese sind nur Steuern fällig, keine Sozial­abgaben.

Arbeitnehmer haben Anspruch

Wegen hoher Abgaben im Ruhe­stand hatte Finanztest bisher davor gewarnt, die Riester-Förderung für die Betriebs­rente zu nutzen. Das ist vorbei. Nun kommen für alle, die mit eigenem Geld über den Betrieb für ihr Alter sparen wollen, zwei Wege infrage: die Entgelt­umwandlung und auch die Riester-Variante. Beide werden vom Staat gefördert. Auf beides haben Arbeitnehmer Anspruch, sie können auch beides parallel nutzen. Die zwei Varianten funk­tionieren sehr unterschiedlich:

Entgelt­umwandlung. Der Arbeitnehmer zahlt aus seinem Brutto­einkommen in eine Versorgungs­einrichtung ein. Wenn er 100 Euro einzahlt, muss er für diese 100 Euro keine Steuern und Sozial­abgaben zahlen. Netto hat ein Durch­schnitts­verdiener sein Gehalt so meist nur um rund 55 Euro reduziert, obwohl er 100 Euro spart. Im Alter muss er die Rente versteuern und den vollen Beitrags­satz für Kranken- und Pflege­versicherung zahlen. Das mindert die Rente um rund 18 Prozent.

Unsere Unter­suchungen zeigen, dass sich die Entgelt­umwandlung oft nicht lohnt, wenn der Arbeit­geber nichts dazugibt. In vielen Branchen ist der Zuschuss jedoch üblich oder sogar tarif­vertraglich geregelt.

Betriebs­rente mit Riester. Beim betrieblichen Riester-Sparen zahlt der Arbeitnehmer seine Beiträge aus dem Netto­gehalt. Die 100 Euro Einzahlung aus dem Beispiel oben fehlen ihm jeden Monat voll beim Gehalt. Vom Staat gibts dann aber noch Zulagen und Steuererspar­nisse, wenn er die noch nicht für einen anderen Riester-Vertrag in Anspruch nimmt (Fürs Alter sparen mit staatlicher Förderung). Im Alter muss er für die Riester-Rente Steuern zahlen, aber keine Beiträge für Kranken- und Pflege­versicherung.

Riester für drei Gruppen attraktiv

Wir haben die Vor- und Nachteile des Riester-Sparens zusammen­gestellt und sagen, für wen diese Variante besser als die Entgelt­umwandlung sein kann (Über­sicht im Kasten weiter unten). Das sind drei Gruppen:

  • Arbeitnehmer bekommen beim Riester-Sparen staatliche Zulagen für jedes Kind, nicht aber bei der Entgelt­umwandlung. Eine Mutter mit drei kleinen Kindern bekommt bis zu 1 075 Euro Zulagen pro Jahr.
  • Gutverdiener, die ober­halb der Bemessungs­grenzen für Kranken- und Pflege­versicherung (2018: 53 100 Euro) verdienen, stellen sich mit der Riester-Variante bei den Sozial­abgaben besser. Bei der Entgelt­umwandlung müssen sie im Alter hohe Sozial­versicherungs­beiträge auf ihre Betriebs­rente zahlen. In der Spar­phase konnten sie aber gar nicht so viele Sozial­abgaben sparen, weil ober­halb der Grenzen keine fällig sind.
  • Gering­verdiener und Teil­zeitkräfte sparen bei der Entgelt­umwandlung kaum Steuern, bekommen jedoch mit geringen Einzahlungen die volle Riester-Förderung.

Betriebs­verträge güns­tiger?

Die Riester-Förderung wird für Betriebs­verträge bei Direkt­versicherungen, Pensions­kassen und Pensions­fonds gezahlt. Doch sind die Verträge über den Betrieb besser als die privaten Riester-Verträge? Das wäre schön: Bei unserem letzten Test von privaten Riester-Renten­versicherungen erhielt kein Angebot mehr das Qualitäts­urteil gut. Der Grund: Güns­tige Anbieter bieten die Verträge nicht mehr an, die übrigen erwirt­schaften aufgrund hoher Kosten und nied­riger Zinsen keine vernünftige Rendite für Kunden.

Hier könnten Verträge über den Betrieb ihre Stärke ausspielen: Wenn viele Mitarbeiter den gleichen Vertrag abschließen, sollte das die Kosten senken. Das klappt bei Verträgen für die Entgelt­umwandlung häufig. Mitarbeiter mit Interesse an der Riester-Förderung haben davon allerdings vor­erst meist nichts. Klaus Stiefermann von der Arbeits­gemeinschaft für betriebliche Alters­versorgung sagt: „Existierende Gruppen­vertrags­konditionen für die Entgelt­umwandlung wird man nicht ohne Weiteres nutzen können.“ Die Riester-Förderung stellt an Anbieter und Unternehmen andere Anforderungen als die Entgelt­umwandlung.

Betriebs­rente unüber­sicht­lich

Die Anbieter von Verträgen für betriebliches Riester-Sparen sind sehr unterschiedlich: Neben bekannten Versicherungs­gesell­schaften gibt es auch Versorgungs­werke, die nur für bestimmte Branchen geöffnet sind. Große Unternehmen wie Bayer oder BASF haben sogar eigene Pensions­kassen, die nur ihren Mitarbeitern offen­stehen.

Diese Pensions­kassen sind oft als Vereine organisiert und damit anders reguliert als andere Lebens­versicherer. Sie dürfen eine deutlich höhere garan­tierte Verzinsung zusagen.

Der Nachteil dieser Struktur: Wenn diese Kassen in wirt­schaftliche Schwierig­keiten geraten, dürfen sie in Absprache mit der Aufsichts­behörde Leistungen kürzen. Das ist in der Vergangenheit auch immer mal wieder vorgekommen. Dann muss der ehemalige Arbeit­geber haften, falls er noch existiert, und die Differenz zu der zugesagten Rente dazu­geben.

Tipp: Grund­legende Informationen rund um die Betriebs­rente bietet unser großes Special Betriebliche Altersvorsorge.

Unter­nehmens­wechsel kein Problem

Ein Wechsel des Unter­nehmens bringt keine großen Nachteile. Laut Arbeits­ministerium bestehen keine Unterschiede zu sons­tigen Betriebs­renten. So kann der angesparte Wert der Betriebs­rente auf eine neue Pensions­kasse des neuen Arbeit­gebers über­tragen werden.

Laut Arbeits­ministerium lässt sich ein Vertrag privat mit eigenen Beiträgen weiterführen. Obwohl es kein privater Riester-Vertrag ist, fließt die Riester-Förderung weiter. Für diesen „Fortführungs­teil“ entfalle jedoch die Haftung des ehemaligen Arbeit­gebers.

Freiwil­lig Versicherte müssen zahlen

Ein Wermuts­tropfen: Einigen Rentnern hat das neue Gesetz Anfang 2018 keine Freude gemacht. Außen vor bleiben nämlich Senioren, die im Alter nicht Pflicht­versicherte der Kranken­versicherung der Rentner sind – sondern beispiels­weise wegen fehlender Pflicht­zeiten freiwil­lig gesetzlich versichert. Sie müssen – wie auf alle anderen Einnahmen auch – auf ihre Riester-Rente Sozial­abgaben zahlen.

Tipp: Mehr dazu, wie Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung die Betriebs­renten schmälern, lesen Sie in einem kommenden Beitrag. Dieser wird im Frühling 2018 veröffent­licht.

Riestern im Betrieb – Vor- und Nachteile

Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein Riester-Angebot seines Arbeit­gebers. Je besser der Vertrag und je höher die Förderung, desto sinn­voller ist das Riester-Sparen über den Betrieb. Es empfiehlt sich, vor Abschluss die Vor- und Nachteile abzu­wägen.

Vorteile

Durch Gruppen­verträge mehrerer Arbeitnehmer sind güns­tigere Vertrags­konditionen als bei privaten Einzel­verträgen möglich.

Durch die Riester-Förderung ist für bestimmte Gruppen eine höhere Unterstüt­zung als bei Entgelt­umwandlung möglich.

Arbeitnehmer haben einen Ansprech­partner im Betrieb.

Die gesetzliche Rente wird nicht geschmälert – im Gegen­satz zum Sparen mit Entgelt­umwandlung.

Einen betrieblichen Riester-Vertrag kann ein Arbeitnehmer privat weiterführen, wenn er das Unternehmen wechselt.

Nachteile

Der Arbeitnehmer hat keine Auswahl. Er muss den vom Chef angebotenen Vertrag nehmen, der schlecht sein kann.

Sinn­volle Varianten der privaten Riester-Rente wie Wohn-Riester oder Riester-Fonds­sparpläne sind bei der betrieblichen Riester-Variante nicht möglich.

Im Vergleich zu privaten Riester-Renten fällt die Möglich­keit weg, Geld für einen Immobilienkauf aus dem Riester-Vertrag zu entnehmen. Außerdem kann der Vertrag nicht vorzeitig gekündigt werden.

Eine Kapital­über­tragung von privaten Riester-Verträgen auf betriebliche Alters­vorsorgever­träge mit Riester-Förderung ist laut Arbeits­ministerium ausgeschlossen.

Anders als bei Verträgen mit Entgelt­umwandlung kann ein Arbeitnehmer vor dem Ruhe­stand keine Kapital­auszahlung auf einen Schlag wählen. Er muss eine Rente beziehen.

In den Genuss einer Neuerung aus dem Betriebs­renten­stärkungs­gesetz kommen Sparer mit Riester-Förderung nicht: Bei der Entgelt­umwandlung muss der Arbeit­geber in Zukunft 15 Prozent des Spar­betrags dazu­geben, wenn er selbst auch Sozial­abgaben spart. Da die betrieblichen Riester-Verträge jedoch aus dem Netto­gehalt bespart werden, muss der Arbeit­geber nichts zuschießen.

Bei der betrieblichen Alters­vorsorge ist kein vergleich­bares Produkt­informations­blatt wie bei privaten Verträgen vorgeschrieben.

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