Betriebs­rente Test

Gut für den Mann vom Bau: Die Soka-Bau bietet eine hohe Rente. Sie steht aber nur der Baubranche offen.

Ob es sich lohnt, eigenes Geld in eine Pensions­kasse zu stecken, hängt entscheidend vom Arbeit­geber ab. Der Test zeigt, was möglich ist.

Ohne den Chef geht nichts in der betrieblichen Alters­vorsorge. Der Arbeitnehmer hat zwar ein Recht darauf, über den Betrieb für das Alter vorzusorgen. Aber in welcher Form und über welchen Vertrag, das entscheidet der Arbeit­geber. Eine wichtige Form sind die Pensions­kassen. Pensions­kassen haben Tradition in der betrieblichen Alters­versorgung in Deutsch­land. Die ältesten sind Versicherungs­gesell­schaften, die nur für die Betriebs­rente da sind, und existieren teil­weise seit über 100 Jahren.

Hat eine Pensions­kasse einen höheren Rechnungs­zins als private Versicherungen, sind ihre Verträge attraktiver. Im anderen Fall kann die Betriebs­rente besser ausfallen, wenn sich der Chef für seine Mitarbeiter ins Zeug legt. Denn im Einzel­tarif sind die Versicherungen häufig teuer. Die Kosten fressen dann einen großen Teil des Rechnungs­zinses auf.

An der Kosten­schraube lässt sich drehen: Verhandelt der Chef gut und kann er für mehrere Arbeitnehmer gleich­zeitig Gruppen­rabatte erreichen, steigt die Rendite deutlich. Zahlt ein Arbeitnehmer zum Beispiel 27 Jahre lang jähr­lich 1 200 Euro bei der R+V Pensions­kasse ein, erhält er im Einzel­tarif eine Rente von 116 Euro, im Gruppen­tarif für zehn Mitarbeiter immerhin schon 125 Euro.

Wird der Gruppen­tarif optimal genutzt, kommen die entstandenen Renditen an güns­tige private Renten­versicherungen über Direktanbieter heran. Die vergleich­bare Rendite liegt in diesem Bereich bei 1 Prozent. Nicht jedem Arbeit­geber ist es aber möglich, Rabatte zu verhandeln: Kleine Firmen mit wenigen Mitarbeitern fehlt die Verhand­lungs­masse.

Optimal für die Mitarbeiter ist es natürlich, wenn der Chef die Beiträge selbst über­nimmt oder dem Arbeitnehmer etwas zur Betriebs­rente zuschießt. Das machen viele Betriebe und ist häufig über Tarif­verträge geregelt. Dann lohnt sich die Betriebs­rente in jedem Fall.

Unver­steuert sparen

Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer in Deutsch­land das Recht, in Form der sogenannten Entgelt­umwandlung über den Betrieb für das Alter zu sparen. Der Arbeit­geber muss dem Arbeitnehmer das ermöglichen.

Bei der Entgelt­umwandlung zahlt der Arbeitnehmer aus seinem unver­steuerten Brutto­einkommen ein. Über diesen Weg erlässt der Staat ihm einen Teil seiner Last an Steuern und Sozial­versicherungs­beiträgen.

Bis zu 4 Prozent der jähr­lichen Beitrags­bemessungs­grenze der gesetzlichen Renten­versicherung dürfen auf diesem Weg gespart werden. Aktuell sind das 2 904 Euro. Für weitere 1 800 Euro entfallen nur die Steuern.

Betriebs­rente Test

Der Staat gibt, der Staat nimmt

Der Steuer­erlass in der Anspar­phase ist allerdings nur die eine Seite der Medaille. In der Renten­phase holt sich der Staat zumindest einen Teil der Förderung wieder. Die Betriebs­rente muss in der Renten­phase komplett versteuert werden.

Häufig ist das trotzdem ein gutes Geschäft, denn in der Regel ist der persönliche Steu­ersatz im Renten­alter geringer als während der Anspar­phase. Was neue Rentner jedoch häufig über­rascht: Auf die Betriebs­rente werden die vollen Sozial­abgaben fällig. Wenn der Rentner gesetzlich kranken­versichert ist, sind das aktuell, inklusive Pflege­versicherung, mindestens 17 Prozent, die von der Rente jeden Monat abgehen.

Eine Ausnahme gibt es: Pflicht­versicherte Mitglieder der Kranken­versicherung kommen derzeit um die Abgaben herum, wenn sie nur eine kleine Betriebs­rente bis zu 141,75 Euro monatlich beziehen.

Außerdem wichtig zu bedenken: Zwar sparen Arbeitnehmer in der Anspar­phase Sozial­abgaben, dadurch schmälern sie aber auch ihre Ansprüche. Wer weniger in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlt, erhält später auch weniger gesetzliche Rente.

Rente: unklar

Eigentlich wäre die betriebliche Alters­vorsorge über eine Pensions­kasse eine über­sicht­liche Sache. Der Arbeitnehmer legt einen monatlichen Spar­betrag fest und im Renten­alter erhält er entweder eine lebens­lange monatliche Rente oder er kann sich das angehäufte und verzinste Kapital auf einen Schlag auszahlen lassen.

Doch Sozial­abgaben können sich ändern und der Steu­ersatz steigt mit dem Einkommen. Wer heute den Vertrag für eine Betriebs­rente abschließt, kann nicht wissen, wie seine Einkommens­situation aussieht, wenn er in 30 oder 40 Jahren in Rente geht. Nach Wunsch der Bundes­regierung soll die stärkere Verbreitung der Betriebs­rente dazu führen, die geringeren Renten aus der gesetzlichen Renten­versicherung auszugleichen. Eine sichere Planung, wie viel sie bringt, ist allerdings kaum möglich.

Jobwechsel können für Frust sorgen

Ein weiterer Unsicher­heits­faktor für junge Arbeitnehmer sind künftige Jobwechsel. Arbeits­biografien, die 40 Jahre in derselben Firma spielen, werden immer seltener. Wechselt der Arbeitnehmer den Job, hat er einen Anspruch darauf, dass sein Kapital, das er in der Betriebs­rente angespart hat, über­tragen wird. Der neue Arbeit­geber muss das Kapital in eines seiner Versorgungs­systeme einzahlen. Durch ein Über­tragungs­abkommen der Versicherungen entstehen dadurch meistens keine neuen Abschluss­kosten. Doch hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, seinen alten Vertrag weiterzuführen. Gute Konditionen, die der alte Arbeit­geber ausgehandelt hat, können so verloren sein.

Der Jobwechsler kann Anwart­schaften auch beim alten Arbeit­geber stehen lassen und einen neuen Vertrag zu neuen Konditionen beginnen. Es macht die eigene Rentenplanung aber deutlich unüber­sicht­licher, im Alter mit mehreren kleinen Betriebs­renten von verschiedenen früheren Arbeit­gebern zu rechnen.

Traditions­reiche Vorsorgeform

Häufig sind Pensions­kassen mit einem einzelnen Unternehmen verbunden und stehen nur den Mitarbeitern dieser Firmen offen. In unserem Test haben wir nur jene Pensions­kassen untersucht, die mindestens für alle Unternehmen einer Branche oder branchen­über­greifend für alle offen sind.

Doch gibt es zwischen den Pensions­kassen große Unterschiede. Zunächst sind da die traditionellen Pensions­kassen: Sie existieren häufig seit Jahr­zehnten und sind oft als Verein organisiert, dessen Mitglieder die Arbeit­geber sind. Zwar ähneln die Leistungen dieser Pensions­kassen denen der privaten Lebens­versicherer. Doch sie haben eine entscheidende Ausnahme­stellung: Sie dürfen mit einem höheren Rechnungs­zins kalkulieren als die für Renten- und Lebens­versicherungen vorgeschriebenen 1,25 Prozent. Das heißt für die Versicherten, dass sie aktuell mit einer höheren Renten­anwart­schaft rechnen können. Weitere Vorteile und Unterschiede der Pensions­kassen haben wir unter Leistungen der Pensionskassen zusammen­getragen.

Neue Pensions­kassen

Seit jeder das Recht hat, im Betrieb für das Alter zu sparen, drängen auch die privaten Lebens­versicherer in den Markt der Pensions­kassen. Viele bekannte Versicherer wie Debeka oder Ergo gründeten Pensions­kassen als Tochter­unternehmen. Die Angebote und Vertriebs­strukturen ähneln denen der Muttergesell­schaften.

Die Versicherer bieten Beratung an und gehen mit ihren Vertriebs­leuten in die Unternehmen. Oft sind die Angebote dieser Pensions­kassen dadurch sehr teuer.

Auf die Rendite kommt es an

Bei der Unter­suchung haben wir uns die unterschiedlichen Renten­faktoren der neuen Pensions­kassen angeschaut: Das ist die monatliche Rente, die pro 10 000 Euro Kapital ausgeschüttet wird. Die Anbieter in der Tabelle Angebote mit 1,25 Prozent Rechnungszins unterscheiden sich hier kaum. Bei allen gäbe es eine Rente von grob 33 Euro. Entscheidend ist eine ordentliche Rendite. Denn je höher das Kapital, umso mehr Rente kann gezahlt werden.

Zusätzlich zu den garan­tierten Renten können Über­schüsse die Renten steigern. Über­schüsse entstehen, wenn die Versicherungen gut wirt­schaften. Je länger die Nied­rigzins­phase jedoch dauert, umso unwahr­scheinlicher werden hohe Über­schüsse. Auch die Versicherungen haben Schwierig­keiten, das Geld der Kunden gewinn­bringend anzu­legen. Ausschlag­gebend für die Entscheidung ist daher die Rente ohne Über­schüsse.

Extra­schutz optimieren

Den letzten Fein­schliff kann der Arbeitnehmer selbst vornehmen. Diverse Vertrags­optionen lassen sich zu- oder abwählen. Die höchste Rente gibt es, wenn sämtliche Zusatz­leistungen gestrichen werden. Singles ohne Kinder können über­legen, die Todes­fall­leistungen ihres Vertrags abzu­wählen. Diese Garan­tien sind teuer und verschlechtern die Rendite.

Weitere Zusatz­optionen wie Berufs­unfähigkeits­schutz können eventuell separat güns­tiger und besser auf die individuelle Lebens­situation anpass­bar abge­schlossen werden (Test Berufsunfähigkeitsversicherung, Finanztest 8/2015). Ein Berufs­unfähigkeits­schutz über die Pensions­kasse kann aber sinn­voll sein, wenn ein Arbeitnehmer sonst keinen Vertrag bekommt.

Riester-Rente als Alternative

Gibt der Chef mindestens die rund 20 Prozent zur Betriebs­rente dazu, die er an Lohn­neben­kosten durch die Entgelt­umwandlung spart, lohnt sich betriebliche Alters­vorsorge. Tut er das nicht, kann sie sich für seine Mitarbeiter immer noch lohnen. Wenn der Chef ein Angebot einer der Pensions­kassen mit hohem Rechnungs­zins vorlegt, ist das ein Vorteil gegen­über einer privaten Lebens- und Renten­versicherung.

Zwar leiden alle sicheren Anlagen unter dem Zins­niveau. Die betriebliche Alters­vorsorge wird aber durch die staatliche Förderung lukrativ – wie die Riester-Rente.

Im Vergleich beider Arten ist die private Riester-Rente für jene attraktiver, die eine hohe Riester-Förderung bekommen, also vor allem für die Sparer, die Zulagen für ihre Kinder erhalten.

Alle anderen müssen leider genau nach­rechnen. In der Anspar­phase gibt es bei Riester Zulagen und Steuer­erlass, bei der Betriebs­rente Erspar­nisse bei Steuern und Sozial­abgaben. Unsere Berechnungen (Test Riester-Rente und Betriebsrente, Finanztest 6/2013) zeigen, dass je nach Gehalt und Lebens­situation mal die eine, mal die andere Vorsorgeform vorne liegt.

Renten­versicherungen, egal welcher Art, sind immer ein sicherer Baustein der Alters­vorsorge. Es dauert teil­weise über 20 Jahre, bis der Versicherte seine Einzahlungen der Anspar­phase durch die monatliche Rente wieder „drin“ hat. Dafür hat er aber auch die Gewiss­heit, dass die Rente noch fließt, wenn er sehr, sehr alt wird.

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