Betriebs­rente Meldung

Weil sie in wirt­schaftlichen Schwierig­keiten stecken, nehmen drei Pensions­kassen keine neuen Kunden mehr. Zweien davon hat die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) das Neugeschäft untersagt: Kölner Pensions­kasse und Pensions­kasse der Caritas. Bei der dritten Pensions­kasse, der Deutschen Steuerberater-Versicherung, ist die wirt­schaftliche Lage so angespannt, dass sie von sich aus keine neuen Kunden mehr nimmt.

Kölner Pensions­kasse wehrt sich gegen Bafin-Entscheid

Die Bafin hat der Kölner Pensions­kasse verboten, Neukunden aufzunehmen. Sie hat dagegen Wider­spruch erhoben, so dass das Verbot noch nicht in Kraft ist.

Versicherte und Betriebs­rentner in Sorge

Betriebs­rente Meldung

Peter Aggen­steiner sorgt sich um seine Betriebs­rente bei der Kölner Pensions­kasse.

Die insgesamt gut 48 000 Anwärter auf eine betriebliche Alters­vorsorge und die mehr als 15 000 Rentner der drei Pensions­kassen sorgen sich um ihre Betriebs­renten. Beunruhigt haben sich Finanztest-Leser wie Peter Aggen­steiner an uns gewandt. Er spart seit 2004 bei der Kölner Pensions­kasse für eine Betriebs­rente. Eine „Leistungs­kürzung“ stehe „im Raum“, teilte uns die Kölner Pensions­kasse mit. Dies gelte sowohl für laufende Renten als auch für bestehende und künftige Ansprüche der Versicherten. Zu solchen Kürzungen könne es im Rahmen einer Sanierung der Kasse kommen. Die Deutsche Steuerberater-Versicherung schrieb ihren Rentnern und Renten­anwärtern, dass „Herab­setzungen der Leistungen“ oder „Erhöhung der Beiträge“ oder beides drohen, wenn die Rück­stel­lungen der Pensions­kasse nicht ausreichen.

Arbeit­geber haftet für die zugesagte Rente

Kommt es wirk­lich zu Kürzungen, muss der Arbeit­geber einspringen und für die von ihm bei Vertrags­schluss zugesagte Rente haften. Renten­steigerungen durch Über­schüsse sind dann aber nicht mehr zu erwarten. Problematisch wird es, wenn die Firma Pleite geht; dann bleibt es bei der gekürzten Rente. Dies gilt für alle drei Pensions­kassen. Denn sie sind als Versicherungs­ver­eine organisiert.

Kein Insolvenz­schutz

Pensions­kassen haben in der Regel die Rechts­form einer Aktiengesell­schaft oder eines Versicherungs­ver­eins. Doch nur erstere sind Mitglied der Sicherungs­einrichtung Protektor. Versicherungs­ver­eine sind auch nicht im Pensions-Sicherungs-Verein (PSV). Und die Firmen, die für ihre Mitarbeiter bei einer Pensions­kasse einen Vertrag abge­schlossen haben, müssen ebenfalls nicht Mitglied im PSV sein. Im schlimmsten Fall gibt es also gar keinen Insolvenz­schutz. Die in Schieflage geratenen Pensions­kassen müssen der Bafin nun aber einen über­zeugenden Sanierungs­plan vorlegen. Eine Kassenpleite ist daher kaum möglich. Die staatliche Versicherungs­aufsicht hält derzeit insgesamt 31 Pensions­kassen unter „intensi­vierter Aufsicht“, so Bafin-Sprecher Norbert Pieper. Keine Pensions­kasse habe bislang Leistungen gekürzt.

Unser Rat

Abwarten. Arbeitnehmer, die bei einer der drei betroffenen Pensions­kassen in Schieflage für eine Betriebs­rente sparen, sollten jetzt nicht über­eilt ihre Beitrags­zahlung stoppen. Vielmehr sollten sie abwarten, ob eine Sanierung gelingt.

Wehren. Der Arbeit­geber haftet für die einmal zugesagte Betriebs­rente. Er muss Geld „nach­schießen“, wenn die Pensions­kasse die Zusage nicht mehr einhalten kann. Auch wenn Sie Ihre Betriebs­rente direkt von Ihrer Firma bekommen und Ihr Arbeit­geber die Rente einfriert, müssen Sie sich das nicht gefallen lassen. Mehr dazu in unserem Special Betriebsrente. Wo Sie güns­tige Angebote finden, zeigt unser Test von Direktversicherungs-Angeboten.

Zusatz­rente für Steuerberater

Im Gegen­satz zu vielen anderen Anwärtern auf eine Betriebs­rente sind Steuerberater in der Regel bereits über ihre Basis­absicherung, das berufs­stän­dische Versorgungs­werk, recht gut versorgt. Über die Pensions­kasse Deutsche Steuerberater-Versicherung können sie für sich selbst und ihre Angestellten noch eine zusätzliche Rente schaffen. Nach Auffassung der Bundes­steuerberaterkammer ist jedoch je nach Höhe der Versorgung im berufs­stän­dischen Versorgungs­werk gar „keine Zusatz­versicherung seitens der Deutschen Steuerberater-Versicherung notwendig“. Diese Einschät­zung berück­sichtigt nicht, dass das berufs­stän­dische Versorgungs­werk nur für angestellte und selbst­ständige Angehörige von steuerberatenden Berufen greift, nicht aber für andere Angestellte in Steuerberatungs­firmen, beispiels­weise Sekretä­rinnen. Diese sind gesetzlich renten­versichert und können zusätzlich eine Betriebs­rente abschließen.

Renten­zusagen stehen auf der Kippe

Für den Mainzer Steuerberater Edgar Wilk war die Pensions­kasse der Steuerberater daher „erste Wahl“, um für seine Angestellten eine Betriebs­rente zu vereinbaren, wie er im Gespräch mit test.de erläutert. Die nied­rigen Kosten haben ihn einst über­zeugt. So waren höhere Renten­zusagen möglich. Deren Einhaltung steht jetzt allerdings auf der Kippe. „Wir haben bewusst die Risiken der Kapital­anlagen durch eine vorsichtige Anlage­politik begrenzt“, teilte der Vorstand der Deutschen Steuerberater-Versicherung test.de mit. „Im aktuellen Nied­rigzins­umfeld können mit den Kapital­anlagen nur wesentlich geringere Verzinsungen erreicht werden.“

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