Betriebs­rente Die güns­tigsten Angebote für Einzel- und Gruppen­verträge

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Unser Test zeigt: Ein Vertrag lohnt sich nur, wenn der Chef etwas beisteuert. Nach dem neuen Gesetz muss er das demnächst.

Betriebs­rente

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Eine Rente von der Firma. Das klingt prima. Richtiger wäre: Eine Rente über die Firma. Der Arbeit­geber sucht ein Angebot aus, bei der Direkt­versicherung reicht er die einge­zahlten Beiträge an den Anbieter weiter. Dieser zahlt später die Rente an den Arbeitnehmer aus. Das ist bequem für beide: den Arbeit­geber und den Arbeitnehmer.

Allerdings: Der Arbeitnehmer zahlt oft sein eigenes Geld ein, direkt aus dem Brutto­lohn, per Entgelt­umwandlung. Das heißt: Ein Teil seines Brutto­entgelts wird „umge­wandelt“ in Beiträge für eine Rente. Er selbst finanziert seine betriebliche Alters­vorsorge.

Das Ganze kann sich für den Arbeitnehmer rechnen, weil der Staat bei der betrieblichen Vorsorge hilft. Aber erst wenn der Chef etwas zum Beitrag hinzugibt, lohnt sich die Sache wirk­lich für jeden Beschäftigten.

Bis zu 3 048 Euro jähr­lich (254 Euro monatlich) bleibt die Entgelt­umwandlung steuer- und sozial­abgabenfrei. Das sind 4 Prozent der Beitrags­bemessungs­grenze in der gesetzlichen Renten­versicherung. Zusätzlich kann der Arbeitnehmer weitere 1 800 Euro investieren, dieses Geld ist allerdings nur steuerfrei, Sozial­abgaben werden abge­zogen.

Eine Entgelt­umwandlung ist bei allen fünf Formen der Betriebs­rente möglich, also auch bei von uns getesteten Direktversicherungen. Ihr besonderes Kenn­zeichen: Ein Arbeitnehmer hat Anspruch auf einen Vertrag, wenn es in seiner Firma kein anderes Alters­vorsorgeangebot gibt und er fürs Alter sparen will.

Dann muss die Firma eine Direkt­versicherung abschließen. Welches Angebot dies ist, bestimmt der Chef.

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Auch der Arbeit­geber profitiert

Von der Steuer- und Abgaben­ersparnis profitiert auch der Arbeit­geber. Da ist es nur folge­richtig, wenn der Chef dem Arbeitnehmer mit dem Gesparten unter die Arme greift. In 60 Prozent aller Privatfirmen, die eine betriebliche Alters­vorsorge anbieten, gibt es eine solche Misch­finanzierung, so die Bundes­regierung. In den nächsten Jahren müssen nach und nach alle Arbeit­geber ihre gesparten Sozial­abgaben in den Vertrag einbringen. So verlangt das Betriebs­renten­stärkungs­gesetz (Neu: Chef muss ran).

Eine sichere Bank ist jetzt schon die staatliche Förderung, auf die seit 2002 jeder ein Recht hat, der per Entgelt­umwandlung spart. Wir haben uns angeschaut, wie viel sie ausmacht für Beschäftigte mit einem Jahres­brutto­gehalt von 36 000 Euro, 58 000 Euro und 80 000 Euro.

Jahres­gehalt 36 000 Euro. Ein Arbeitnehmer mit 36 000 Euro Jahres­brutto­verdienst (3 000 Euro im Monat) spart Kranken- und Pflege­versicherungs­beitrag sowie den Renten­versicherungs­beitrag auf seine Einzahlung für eine Betriebs­rente. Rechnet man die Steuerersparnis hinzu, über­nimmt bei einem Ledigen von 100 Euro Monats­beitrag der Staat 48 Euro (Tabelle Wie hoch Beitrag und Betriebsrente netto sind).

Bis zu einem Jahres­gehalt von 52 200 Euro (4 350 im Monat) sparen Beschäftigte für den Firmenrentenbeitrag volle Sozial­abgaben. Dieses Einkommen entspricht der Beitrags­bemessungs­grenze in der Kranken­versicherung. Das heißt: Bis zu diesem Einkommen sind dafür Abgaben fällig, höhere Einnahmen bleiben hier unbe­rück­sichtigt.

Wer mehr verdient, aber mit seinem Gehalt unter der Beitrags­bemessungs­grenze in der gesetzlichen Renten­versicherung von derzeit 76 200 Euro im Jahr bleibt (6 350 Euro im Monat), spart nur noch beim Beitrag zur gesetzlichen Renten­versicherung.

Jahres­gehalt 58 000 Euro. In unserem Beispiel in der Tabelle Wie hoch Beitrag und Betriebsrente netto sind, zahlt der ledige Gutverdiener mit 58 000 Euro Jahres­brutto­entgelt von den monatlich 100 Euro Beitrag für eine Betriebs­rente nur 51 Euro selbst. Den Rest steuert der Staat bei.

Jahres­gehalt 80 000 Euro. Wer mehr als 76 200 Euro im Jahr verdient, spart gar keine Sozial­abgaben mehr, nur noch Steuern. Doch auch das senkt den eigenen Beitrag spür­bar. Der ledige Topverdiener mit 80 000 Euro Jahres­brutto­gehalt zahlt von 100 Euro Beitrag 56 Euro selbst. 44 Euro bekommt er über die Steuerersparnis hinzu.

Der Steuer­erlass und die Ersparnis bei den Sozial­abgaben in der Anspar­phase ist allerdings nur die eine Seite der Medaille. In der Renten­phase muss der Rentner seine Betriebs­rente komplett mit dem Finanz­amt abrechnen. Außerdem zahlt er volle Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge – das sind aktuell gut 18 Prozent, die allein dafür jeden Monat von der Rente abgehen. Ausnahme: Der Rentner ist Pflicht­mitglied in der Kranken­versicherung der Rentner und seine monatliche Betriebs­rente ist insgesamt nicht höher als 148,75 Euro. Bis zu dieser Grenze, die jähr­lich etwas steigt, fallen für ihn keine Kranken­versicherungs­beiträge an.

Ein weiterer Nachteil ist die geringere gesetzlichen Rente. Logisch: Wer auf den Anteil seines Brutto­lohns, der in eine betriebliche Alters­vorsorge fließt, keine Rentenbeiträge zahlt, bekommt weniger gesetzliche Rente. Beim ledigen Gutverdiener mit Jahres­brutto­gehalt von 58 000 Euro macht dies Monat für Monat rund 16 Euro aus. So viel gesetzliche Rente bekommt er netto weniger, wenn er in seiner aktiven Zeit 100 Euro im Monat sozial­abgabenfrei in eine Betriebs­rente steckt.

Doch nicht nur diejenigen, die für eine Betriebs­rente sparen, bekommen später eine geringere gesetzliche Rente. Auch alle anderen Rentner haben Einbußen. Weil das für eine Betriebs­rente „umge­wandelte“ Gehalt statistisch nicht zu den Arbeits­entgelten zählt, fällt die Lohn­steigerung insgesamt geringer aus. Das schlägt voll auf die Renten durch. Denn als Faust­regel gilt: Die Renten steigen so stark wie die Löhne.

Vor- und Nachteile abwägen

Jeder Arbeitnehmer muss für sich selbst die Vorteile in der Beitrags­phase mit den Nach­teilen in der Renten­phase abwägen.

Am schwersten wiegen die Nachteile für alle mit einem Brutto­einkommen zwischen 4 350 Euro (Beitrags­bemessungs­grenze Kranken­versicherung) und 6 350 Euro (Beitrags­bemessungs­grenze Renten­versicherung): Sie sparen mit dem Beitrag nur den Kranken­versicherungs­beitrag, nicht aber den für die Renten­versicherung. Die Nachteile in der Renten­phase haben sie mit Beschäftigten, die weniger verdienen, gemein­sam: voller Kranken­versicherungs­beitrag, Steuerbelastung, weniger gesetzliche Rente.

Die Bilanz für einen ledigen Gutverdiener ist ernüchternd: Von den 107 Euro Monats­rente, die er bei unserem Testsieger bei monatlicher Beitrags­zahlung garan­tiert bekommt – bei jähr­licher Beitrags­zahlung sind es 113 Euro Monats­rente –, bleiben ihm netto nur 67 Euro. Voraus­gesetzt, er ist Pflicht­mitglied in der gesetzlichen Kranken­versicherung. Ist er freiwil­lig versichert, sind es sogar nur 47 Euro. Dafür hat er in der Beitrags­phase netto rund 51 Euro im Monat gezahlt.

Wenn auf die garan­tierte Rente noch eine kräftige Über­schuss­beteiligung drauf­kommt, sieht es besser aus. Die Über­schuss­beteiligung hängt davon ab, wie gut der Versicherer das Geld der Kunden für sie anlegt. Doch ihre Höhe ist ungewiss. Sicher ist nur die garan­tierte Rente. Kommt nur wenig oben­drauf, hat der Arbeitnehmer kein gutes Geschäft gemacht. Gut wäre es nur, wenn der Chef kräftig beim Beitrag geholfen hat. Unser Vorsorgesparer hat immerhin 27 Jahre lang Abstriche beim Gehalt gemacht.

Die Betriebs­rente wird lebens­lang gezahlt. Sie ist beides: ein sicheres Zusatz­einkommen bis zum Lebens­ende und eine Wette auf ein langes Leben. Läuft die Rente nur 20 Jahre, ist die Wette nicht aufgegangen.

Unser Rat

Entscheidung. Der Staat fördert zwar Ihre Einzahlung in eine betriebliche Alters­vorsorge. Doch von der Rente gehen Sozial­abgaben und Steuern ab, zudem ist Ihre gesetzliche Rente geringer. Wenn Sie mit einer Direkt­versicherung fürs Alter sparen möchten, lohnt sich das nur unter zwei Bedingungen: Ihr Chef sucht ein gutes Angebot aus und gibt selbst ordentlich Geld dazu. Tut er das nicht, fragen Sie nach. Sagt er Nein, warten Sie noch. Spätestens 2019 muss er es tun (Neu: Chef muss ran).

Vergleich. Vergleichen Sie das Angebot für eine Betriebs­rente mit einem guten Angebot für eine Riester-Rente, die ebenfalls staatlich gefördert wird. Unsere Tests finden Sie in unserem Special Riester im Test. Achten Sie beim Vergleich auf die garan­tierte Leistung. Nur mit dieser können Sie für Ihr Alter sicher planen. Über­schüsse können die Rente steigern, sie sind jedoch ungewiss.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 21.02.2022 um 09:13 Uhr
Neuer Test Betriebsrente

@Vielen Dank für Ihre Anfrage. Im nächsten Finanztest werden wir keinen Test zur betrieblichen Altersvorsorge veröffentlichen. Weiter in die Zukunft hinein darf ich zu geplanten Veröffentlichungen keine Informationen nach außen tragen. Bitte gedulden Sie sich noch etwas.

Blatt am 20.02.2022 um 21:15 Uhr
Betriebs­rente Neue Tests

Wann kann man neue Testergebnisse
der privaten Anbieter erwarten, die für alle offen sind?

sholekaka101 am 09.06.2019 um 12:39 Uhr

Kommentar vom Administrator gelöscht. Grund: Spam

Profilbild Stiftung_Warentest am 20.02.2019 um 12:23 Uhr
Vor- und Nachteile abwägen

@emrichf: Danke für den Hinweis. Ja, Sie haben Recht. Wenn das Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenkasse liegt, sparen Arbeitnehmer nur noch beim Beitrag für die gesetzliche Rentenversicherung. (maa)

emrichf am 08.02.2019 um 17:00 Uhr
Fehler im Artikel !?

Fehler im Artikel !?
Im Artikel "Nur mit Geld vom Chef" Finanztest 7/2017, Seite 26, Absatz "Vor- und Nachteile abwägen" scheint sich ein Fehler eingeschlichen zu haben.
Dort steht "Sie sparen mit ihrem Beitrag nur den Krankenversicherungsbeitrag, nicht aber den für die Rentenversicherung". Das müsste doch umgekehrt heißen, oder? Denn die Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung ist doch höher als die für die Krankenversicherung.