Betriebs­kosten­abrechnung Special

Kommt die Abrechnung des Vermieters zu spät, muss der Mieter nicht zahlen. Rechnet er mit einem Plus, sollte er sie einfordern. test.de erklärt die Regeln für Betriebs­kosten­abrechnungen.

Viele Mieter kennen ihre Rechte nicht – und zahlen

Es war wohl ein Versuch: Der Vermieter hatte die Betriebs­kosten­abrechnung auf Ende Dezember datiert. Der Post­stempel aber ließ keinen Zweifel offen. Der Brief war erst im Januar verschickt worden. Die Mieter ließen den Vermieter mit seiner Nach­forderung von rund 50 Euro abblitzen. Ulrich Ropertz, Geschäfts­führer des Deutschen Mieter­bundes, sagt: „Viele Mieter kennen ihre Rechte allerdings nicht und zahlen die verspätete Abrechnung. Dabei müssen sie das gar nicht.“

Vermieter muss einmal im Jahr abrechnen

Wenn Mieter Voraus­zahlungen auf die Betriebs­kosten leisten, dann muss der Vermieter darüber einmal im Jahr abrechnen. Pünkt­lich ist die Abrechnung, wenn sie der Mieter spätestens ein Jahr nach dem Ende des Abrechnungs­zeitraums erhält. Das heißt: Entspricht der Zeitraum dem Kalender­jahr, endet er am 31. Dezember. Die Abrechnung muss dem Mieter also spätestens am 31. Dezember des Folge­jahres zugehen. Welcher Abrechnungs­zeitraum maßgeblich ist, steht oft im Miet­vertrag oder ergibt sich aus der Abrechnungs­praxis des Vermieters. Häufig entspricht er dem Kalender­jahr. Aber auch andere Zeiträume sind erlaubt, zum Beispiel vom 1. April eines Jahres bis zum 31. März des Folge­jahres. Der Abrechnungs­zeitraum darf nicht länger als zwölf Monate sein. Ist er es doch, muss der Mieter die Abrechnung in der Regel nicht zahlen.

Keine Nach­zahlung bei Verspätung

Bekommt der Mieter die Abrechnung zu spät, muss er keine Nach­zahlung leisten. Etwas anderes gilt nur, wenn der Vermieter keine Schuld an der Verspätung trägt. „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn es bei der Haus­verwaltung gebrannt hat und die Unterlagen zerstört sind“, sagt Ropertz. Der Vermieter ist dann verpflichtet, sich um die für die Abrechnung erforderlichen Daten zu bemühen. Wenn er sie erhält, muss er die Aufstellung in der Regel inner­halb von drei Monaten nach­reichen. Schafft er das nicht, kann er nichts mehr verlangen. Grund­sätzlich muss der Vermieter beweisen, dass die Rechnung pünkt­lich war.

Tipp: Zahlen Sie die verspätete Abrechnung nicht und setzen Sie Ihren Vermieter davon in Kennt­nis. Falls Sie voreilig bezahlt haben, können Sie das Geld zurück­fordern. Nutzen Sie dafür unseren Musterbrief.

Anspruch auf Guthaben

Steht dem Mieter ein Guthaben zu, kann er dessen Auszahlung verlangen – auch wenn der Vermieter verspätet abge­rechnet hat. Erstellt der Vermieter keine Abrechnung, aber der Mieter geht von einem Guthaben aus, kann er darauf pochen, dass abge­rechnet wird. Notfalls kann er den Vermieter sogar verklagen. Selbst wenn der Mieter sich vertan haben sollte und es doch kein Guthaben gibt, hat er nichts zu befürchten: „Wenn sich eine Nach­forderung ergibt, muss der Mieter nicht zahlen“, sagt Ropertz.

Tipp: Fordern Sie Ihren Vermieter schriftlich auf, die Abrechnung zu erstellen und setzen Sie ihm eine Frist von einem Monat. Teilen Sie Ihrem Vermieter mit, dass Sie die künftigen Betriebs­kosten­voraus­zahlungen einbehalten, bis Sie die Abrechnung erhalten haben. Erst dann müssen Sie das einbehaltene Geld bezahlen.

Unser Rat

  • Prüfen. Achten Sie als Mieter darauf, ob Sie Ihre Betriebs­kosten­abrechnung frist­gerecht erhalten. Sie muss spätestens ein Jahr nach Ende des Abrechnungs­zeitraums da sein.
  • Weigern. Ist die Abrechnung verspätet, müssen Sie nicht zahlen. Teilen Sie das Ihrem Vermieter mit.
  • Fordern. Sie gehen von einem Guthaben aus? Dann können Sie vom Vermieter verlangen, dass er auch noch verspätet abrechnet.

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