Interview: Leeres Konto

In einem Vortrag vor Versicherungsvermittlern schlug Rolf H. Louis, Vertriebschef von Swiss Life Deutschland, Alarm: Die Branche „steuert auf einen Skandal zu“, wenn immer mehr Arbeit­neh­mer durch Jobwechsel ihre betriebliche Alters­vorsorge wegen hoher Abschlusskosten verlören.

Finanztest: Durch Abschlusskosten, die anfangs ihren Vertrag zur betrieblichen Altersversorgung belasten, sind Leute benachteiligt, die häufiger den Arbeitgeber wechseln. Finden Sie das berechtigt?

Louis: Gehaltsumwandlung erfordert einen hohen Beratungsaufwand. Doch wir müssen eine bessere Lösung finden, um diese Beratung zu finanzieren. Arbeitnehmer, die auf Gehalt verzichtet haben, um damit über den Betrieb für ihr Alter vorzusorgen, sind sicher nicht begeistert, wenn sie nach zwei Jahren den Arbeitsplatz wechseln und auf ihrem betrieblichen Altersvorsorgekonto ist dann so gut wie nichts drauf.

Finanztest: Wie kann die Lösung aussehen?

Louis: Die Riester-Rente zeigt, dass sich ein Produkt nicht verkauft, wenn der Vermittler mit seiner Provision nicht einmal sein Benzingeld verdienen kann. In der betrieblichen Altersversorgung macht eine abgestufte Regelung Sinn, wie sie Swiss Life anbietet. Bei Einzelverträgen wird der Vertrag gleich mit der vollen Provision belastet. Bei Kollektivverträgen für Gruppen ab 10 Personen, also in Klein- und Mittelbetrieben, wird der Vertrag gleich zu Anfang mit der Hälfte der Abschlusskosten belastet. Die andere Hälfte wird über einen längeren Zeitraum verteilt. Bei Kollektivverträgen für Gruppen ab 100 Personen werden die gesamten Abschlusskosten über mehrere Jahre verteilt. So bekommt der Vermittler eine angemessene Provision und der Kunde einen höheren Rückkaufswert, wenn er aus dem Unternehmen ausscheidet.

Finanztest: Wäre es nicht noch viel besser, wenn der Arbeitnehmer bei einem Jobwechsel seinen Vertrag problemlos mitnehmen und im neuen Betrieb weiterführen könnte?

Louis: Genau das ist das Ziel der Versicherungsgesellschaften, die sich auf betriebliche Altersversorgung spezialisiert haben. Für die Pensionskassen haben die Unternehmen bereits ein Abkommen ausgearbeitet. Das liegt nun zur Genehmigung beim Bundeskartellamt. Gestaltet ist es nach dem Vorbild des Übertragungsabkommens für Direktversicherungen. Bei Direktversicherungen ist eine Übertragung schon jetzt möglich. Wird der Vertrag von einer Gesellschaft auf eine andere übertragen, fallen nicht zum zweiten Mal Abschlusskosten an. Für Unterstützungskassen und Pensionsfonds wird es ebenfalls Übertragungsabkommen geben. Ich bin zuversichtlich, dass sie 2004 abgeschlossen werden können.

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