Die Betriebsrente bietet nicht nur Vorsorge fürs Alter. Sie kann auch bei Berufsunfähigkeit schützen und Hinterbliebene absichern. Allerdings schmälert dies die Altersrente stark.

Über den Betrieb können Arbeitnehmer für vieles vorsorgen: für ihr Alter, aber auch für den Fall, dass sie berufsunfähig werden oder sterben. Wie weit der Schutz reichen kann, regelt jeweils die betriebliche Vereinbarung.

Arbeitnehmer müssen nicht sofort entscheiden, ob sie mehr als eine Altersrente versichern wollen. Sie können das auch später in ihren Vertrag aufnehmen. Die Voraussetzungen muss allerdings der Arbeitgeber schaffen. Nur wenn er ihnen ein Angebot macht, das die Zusatzleistungen enthält, können sie sich so umfassend versichern.

Pensionskassen, Pensionsfonds, Direktversicherungen zahlen dann beim Tod des Versicherten eine Rente an die Hinterbliebenen. Wird der Versicherte berufs- oder erwerbsunfähig, bekommt er selbst eine Rente. Auch bei rein vom Arbeitgeber finanzierten Betriebsrenten aus Direktzusagen und Unterstützungskassen sind diese Leistungen möglich.

In den Angeboten des Branchenversorgungswerks Metallrente sind Hin­terbliebenen- und Berufsunfähigkeitsversicherung beispielsweise Standard. Wenn der Arbeitgeber es zulässt, kann der Arbeitnehmer sie jedoch „abwählen“. Dann fehlt ihm zwar der Schutz für seine Hinterbliebenen sowie bei Berufsunfähigkeit. Doch er muss dafür auch nicht zahlen und seine Beiträge fließen voll in seine Altersvorsorge. Er bekommt später eine höhere Rente.

Extraschutz kostet extra

Die betriebliche Altersvorsorge soll zunächst – zusammen mit der gesetzlichen Rente – dafür sorgen, dass der Lebensstandard gesichert bleibt, wenn der Arbeitnehmer in den Ruhestand wechselt. Hinterbliebenen- und Berufsunfähigkeitsversicherung sind zusätzliche Tarifoptionen, die Geld kosten.

Lohnt es sich, für den zusätzlichen Schutz Abstriche bei der Altersrente in Kauf zu nehmen? Diese Frage muss jeder aufgrund seiner Lebensumstände selbst beantworten.

Für den Fall der Berufsunfähigkeit sollte jeder vorsorgen. Menschen, die eine Familie versorgen, wollen auch diese absichern. Für beides brauchen sie aber keinen betrieblichen Vertrag. Mit privaten Versicherungen können sie gezielt und in der gewünschten Höhe vorsorgen: mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung und einer Risikolebensversicherung. Dennoch sind manche darauf angewiesen, für solche Fälle über den Betrieb vorzusorgen.

Berufsunfähigkeit versichern

Nicht alle können eine Berufsunfähigkeitsversicherung privat abschließen, beispielsweise weil der Beitrag für sie zu hoch ist oder weil sie wegen einer Vorerkrankung gar keinen Vertrag bekommen. Sie sollten die Chance nutzen, sich über den Betrieb zu versichern.

Oft entfällt dann die bei privaten Verträgen obligatorische Gesundheitsprüfung. Denn in einen Kollektivvertrag können alle Arbeitnehmer unabhängig von ihrem Alter und gesundheitlichen Risiko aufgenommen werden.

So gibt es beispielsweise bei der Metallrente keine individuelle Gesundheitsprüfung, wenn der Arbeitgeber den Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenschutz von vornherein im Vertrag vorsieht. Der Arbeitnehmer muss dann überhaupt keine Gesundheitsfragen beantworten.

Der Arbeitgeber gibt für den Beschäftigten nur eine so genannte Dienstobliegenheitserklärung ab. Darin bescheinigt er, dass er nichts über Art und Schwere etwaiger Krankheiten und Behinderungen des Beschäftigten weiß und dass dieser in den vergangenen zwei Jahren nicht länger als vier Wochen ununterbrochen arbeitsunfähig war. Für Beschäftigte, die weniger als zwei Jahre im Betrieb arbeiten, muss er dies für die ­gesamte bisherige Beschäftigungsdauer bescheinigen.

Die bei einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung üblichen Fragen nach Erkrankungen, die fünf Jahre oder noch länger zurückliegen, werden dem Arbeitnehmer überhaupt nicht gestellt.

Doch längst nicht immer kommt der Arbeitnehmer um eine individuelle Gesundheitserklärung herum. Rechnet der Versicherer damit, dass sich nur diejenigen für den Berufsunfähigkeitsschutz entscheiden, die privat keinen Vertrag bekommen, verlangt er eine Gesundheitserklärung. Denn sonst wird ihm das Risiko zu groß.

Nutzloser Schutz

Manche Anbieter verzichten zwar auf eine Gesundheitserklärung, bauen jedoch andere Sicherungen ein, um ihr Risiko zu begrenzen. So gibt es Verträge, die statt einer Gesundheitsprüfung eine Wartezeit von drei oder sogar fünf Jahren vorsehen. Wird der Versicherte innerhalb dieser Zeit berufsunfähig, hat er keinerlei Anspruch auf Berufsunfähigkeitsrente.

Verzichtet der Versicherer auf eine Gesundheitserklärung, bietet gleichzeitig aber kaum Leistungen für den Fall der Berufsunfähigkeit, hat der Arbeitnehmer nichts davon. Dies gilt etwa für Verträge, die eine Beitragsbefreiung ­vorsehen – aber sonst überhaupt keine Leistungen. Der Anbieter verzichtet also nur auf die weitere Beitragszahlung, wenn der Versicherte berufsunfähig wird. Eine Berufsunfähigkeitsrente zahlt er aber nicht. Einziger Vorteil: Die vereinbarte Altersrente bleibt erhalten.

Auch Verträge, die nur eine Erwerbsminderungsrente vorsehen, bieten bei Berufsunfähigkeit keinen ausreichenden Schutz. Denn die volle Erwerbsminderungsrente gibt es erst, wenn der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen nur noch weniger als drei Stunden am Tag in irgendeinem Beruf arbeiten kann. In welchem Beruf, spielt dabei keine Rolle.

Wenn also beispielsweise ein Ingenieur noch in der Lage wäre, als Telefonist zu arbeiten, hätte er keinen Anspruch auf eine betriebliche Erwerbsminderungsrente. Kann der Versicherte noch drei bis sechs Stunden am Tag in irgendeinem Job arbeiten, bekommt er nur 50 Prozent der Rente (halbe Erwerbsminderungsrente).

Zum Wohl der Witwen

Optimal ist ein Angebot für eine Betriebsrente immer dann, wenn der Versicherte den Risikoschutz ganz nach seinen Bedürfnissen in seinen Vertrag integrieren kann. Dies gilt sowohl für die Berufsunfähigkeits- als auch für die Hinterbliebenenversicherung.

Wenn der Arbeitgeber den Hinterbliebenenschutz für alle Arbeitnehmer im Betrieb obligatorisch gemacht hat, ist das Angebot für Singles nicht passend. Denn sie können niemanden begünstigen und zahlen für den Hinterbliebenenschutz anderer mit.

Für Paare und Familien, die nicht anderweitig vorsorgen, mindert die Hinterbliebenenversicherung dagegen ein schlimmes Lebensrisiko: den Tod des Hauptverdieners. Die gesetzliche Rente reicht in der Regel längst nicht aus, um den Lebensstandard der Hinterbliebenen zu sichern. Über den Betrieb ist eine kleine Zusatzversorgung möglich:

  • mit einem Tarif, der Witwen- bzw. Witwerrente einschließt, oder
  • mit einem Angebot mit Rentengarantie und Beitragsrückgewähr.

Als Hinterbliebenenrente bekommt der Ehe- oder Lebenspartner beispielsweise 60 Prozent der Altersrente. Bei einer Altersrente von 235,38 Euro wie in unserem Beispiel in der Tabelle auf dieser Seite wäre dies eine garantierte Hinterbliebenenrente von 141,23 Euro im Monat. Es gibt auch Angebote, die noch zusätzlich eine Waisenrente enthalten, beispielsweise in Höhe von 20 Prozent der Altersrente.

Bei einer Rentengarantie wird vereinbart, dass die Altersrente auch über den Tod hinaus noch eine gewisse Zeit an die Erben weitergezahlt wird. Wer sich dafür entscheidet, muss die Garantie meist für mindestens fünf Jahre abschließen. Sie kann je nach Anbieter auch für zehn Jahre oder noch länger vereinbart werden.

Stirbt der Arbeitnehmer vor Beginn der Rente, bekommen die Hinterbliebenen seine eingezahlten Beträge zurück. Voraussetzung ist, dass im Vertrag eine solche Beitragsrückgewähr vereinbart ist. Ansonsten hat der Versicherte umsonst eingezahlt. In einer Pensionskasse ohne Beitragsrückgewähr kommen dann zum Beispiel seine Beiträge nach seinem Tod den anderen Versicherten zugute. Ihre Rendite steigt.

Risikoschutz schmälert Rente

Arbeitnehmer, die ihren Hinterbliebenen über den Betrieb absichern wollen, sollten auf jeden Fall die Abstriche bei der Altersrente mit den Leistungen vergleichen. Sinnvoller kann ein separater Vertrag über eine private Risikolebensversicherung sein. Solche Verträge gibt es schon ab einem Jahresbeitrag von weniger als 150 Euro.

Je mehr Zusatzbausteine der Vorsorgevertrag enthält, desto weniger bleibt vom Beitrag für den Aufbau einer Altersrente. So bekommt ein Arbeitnehmer, der mit 35 Jahren einen Vertrag ohne zusätzlichen Risikoschutz abschließt und monatlich 100 Euro Beitrag zahlt, bei der Optima Pensionskasse eine garantierte Altersrente von 302,38 Euro (siehe Tabelle „Mehr Risikoschutz“).

Schließt der Vertrag sowohl Berufsunfähigkeits- als auch Hinterbliebenenschutz ein, beträgt die garantierte Altersrente nur noch 188,06 Euro im Monat. Das sind 114,32 Euro weniger als bei einem reinen Altersvorsorgevertrag.

Bei der Metallrente hat sich der größte Teil der Versicherten für eine höhere Altersrente entschieden – und verzichtet auf zusätzliche Leistungen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 935 Nutzer finden das hilfreich.