Betriebliche Altersvorsorge Meldung

Arbeitnehmer sollten sich in nächster Zeit darum kümmern, wie sie zusätzlich über ihren Betrieb Geld für ihren Ruhestand zurücklegen können.

Wer sich im Alter finanziell nicht stark einschränken will, muss sparen. Denn die gesetzliche Rente wird künftigen Generationen ihren Lebensstandard nicht mehr sichern. Doch wie sparen? Arbeitnehmern bietet sich eine Alternative zur privaten Geldanlage, die sie in Betracht ziehen sollten: der Aufbau einer zusätzlichen Altersversorgung über ihre Firma. Das ist kostengünstig, wird steuerlich gefördert und verspricht so eine gute Rendite.

Seit Jahresbeginn haben Arbeitnehmer ein Recht auf "Gehaltsumwandlung". Sie können also selbst entscheiden, ob sie Teile ihres Einkommens in Altersvorsorgebeiträge umwandeln lassen, statt sie unmittelbar ausgezahlt zu bekommen. Das ging bisher auch schon, aber nur mit dem Einverständnis des Chefs.

Das verbriefte Recht gibt der so genannten "zweiten Säule" der Altersvorsorge Impulse. Bis Ende 2001 registrierte das Bundesarbeitsministerium 82 neue Tarifverträge über eine Altersvorsorge durch Gehaltsumwandlung. Zusätzlich wurden zwölf bestehende Tarifverträge für allgemein verbindlich erklärt und damit auch auf tariflich nicht gebundene Unternehmen ausgedehnt. Insgesamt ergeben sich betriebliche Altersvorsorgeangebote für rund 15 Millionen Arbeitnehmer. Weitere Vereinbarungen sind zu erwarten.

Plus für alle

Betriebliche Altersvorsorge Meldung

Gehaltsumwandlung ist günstig für Arbeitnehmer. Gibt es noch einen freiwilligen Zusatzbeitrag des Arbeitgebers, spricht sowieso alles für eine betriebliche statt oder zusätzlich zu einer privaten Geldanlage.

Ein großer Vorteil dieser kollektiven Sparverträge sind Sonderkonditionen, die Branchen oder große Unternehmen mit Anbietern aushandeln. Oft fallen dann zum Beispiel keine oder nur geringe Abschlusskosten an, und auch die laufenden Verwaltungskosten sind niedriger als bei einem privaten Einzelvertrag. Beides steigert den Ertrag einer Geldanlage.

Auch Arbeitgeber können profitieren. Denn auf Altersvorsorgebeiträge werden oft keine Sozialabgaben für Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung fällig. Ein Angestellter mit einem Jahreseinkommen von 30.000 Euro zahlt beispielsweise 6.000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen, sein Arbeitgeber noch einmal die gleiche Summe. Würde der Mann 2.000 Euro pro Jahr sozialabgabenfrei in eine betriebliche Altersvorsorge stecken, könnten beide Parteien jeweils 400 Euro sparen. Bedauerlicherweise läuft die Sozialabgabenfreiheit Ende 2008 aus.

Fördermethoden

Investiert ein Arbeitnehmer Gehalt in eine betriebliche Altersvorsorge, kann er theoretisch zwischen drei Förderarten wählen oder sie kombinieren: Er kann von seinem Bruttoeinkommen bis zu rund 2.160 Euro pro Jahr steuer- und bis 2008 auch sozialabgabenfrei für seine Altersvorsorge verwenden.

Die spätere Rentenzahlung muss er dann voll versteuern. Wie hoch, lässt sich heute nicht sagen. Die Steuergesetzgebung der Zukunft kennt keiner. Aus heutiger Sicht müssen Rentner im Alter weniger Steuern zahlen, weil ihr Einkommen im Ruhestand geringer sein dürfte als ihr früheres Bruttoeinkommen. So sollten sich vor allem Arbeitnehmer mit hohem Steuersatz trauen, eine heute fällige Besteuerung in die Zukunft zu verlagern.

Zusätzlich oder stattdessen kann ein Arbeitnehmer für seine Gehaltsumwandlung auch wie bisher eine pauschal versteuerte Variante wählen. Jahresbeiträge bis 1.752 Euro werden dann nicht mit dem individuellen Steuersatz des Arbeitnehmers, sondern pauschal mit 21,1 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag besteuert. Sozialabgaben fallen auch hier bis 2008 nicht an, sofern der Arbeitnehmer diesen Beitrag auf einen Schlag einmal jährlich aus Urlaubs- oder Weihnachtsgeld bezahlt. Die Auszahlung wäre als einmalige Kapitalleistung steuerfrei, als Rentenzahlung minimal zu versteuern.

Methode drei ergibt sich aus der "Riester-Förderung". Der Arbeitnehmer kann sich in diesem Jahr eine staatliche Zulage bis zu 38 Euro und für jedes Kind bis zu 46 Euro sichern. Dafür muss er selbst bis zu 1 Prozent seines Bruttoeinkommens minus seiner Gesamtzulage einzahlen. "Riester-Beiträge" müssen auch in der betrieblichen Altersversorgung wie Beiträge für einen privaten Riester-Vertrag aus dem Nettoeinkommen bezahlt werden. Die Steuer kann sich der Arbeitnehmer mit seiner Steuererklärung über den neu geschaffenen Sonderausgabenabzug zurückholen. Die spätere Rentenzahlung ist voll steuerpflichtig.

Auf Riester-Beiträge werden von Anfang an Sozialabgaben erhoben. Bei der Entscheidung, wie betrieblich gespart wird, sollten Arbeitnehmer das in ihrer Rechnung nicht vergessen.

Riester-Förderung nicht beliebt

Nicht alle Fördermethoden sind zwangsläufig über jeden Betrieb möglich. Irgendeine Variante muss es aber geben. Werner Sasdrich vom Bundesarbeitsministerium: "Die Tarifparteien dürfen Gehaltsumwandlung gestalten. Zusätzlich kann es Betriebsvereinbarungen in einzelnen Unternehmen geben." Es sei wichtig, dass den Betrieben nichts aufgestülpt werde, auch nicht die Riester-Förderung.

Sasdrich: "Die Zulagenabwicklung erfordert, dass ein Unternehmen jedes Jahr den Familienstatus jedes einzelnen Arbeitnehmers klärt, um festzustellen, welche Zulage ihm inzwischen zusteht." Das könne den Betriebsablauf selbst dann stören, wenn der Arbeitnehmer verpflichtet werde, seine persönlichen Daten rechtzeitig zu belegen.

"Unsere Betriebe könnten das gar nicht leisten", sagt Jens Schulte, Altersvorsorgeexperte beim Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) in Berlin. 90 Prozent der BGA-Mitgliedsunternehmen hätten maximal zehn Mitarbeiter. Schulte: "Zusätzlicher bürokratischer Aufwand ist unzumutbar." Der BGA-Mustertarifvertrag schließe die Riester-Förderung deshalb aus.

Stattdessen steuere der Arbeitgeber jetzt rund 160 Euro pro Jahr für die Altersvorsorge eines Vollzeitbeschäftigten bei, Teilzeitkräfte erhielten einen anteiligen Betrag. Spart ein Arbeitnehmer noch selbst mit umgewandeltem Gehalt, gibt der Arbeitgeber den größten Teil seiner dadurch gesparten Sozialabgaben dazu. Schulte: "Riester kann ja jeder privat machen."

Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF bietet seinen derzeit etwa 39.000 Mitarbeitern in Deutschland die Nutzung der Riester-Förderung innerhalb ihrer obligatorischen Zusatzversorgung bei der BASF-eigenen Pensionskasse an. "Wir sind uns aber nicht sicher, ob sich diese Form der Vorsorge lohnt", sagt Klaus Schuster, Betriebsrat des Unternehmens. Schließlich müsse der Teil der späteren Rente, der aus der Riester-Förderung komme, im Gegensatz zur bisher aus dem Nettoeinkommen finanzierten Rente im Alter normal versteuert werden. Das müsse man auseinander halten. Schuster: "Wer viele Kinder hat, sollte Riester aber irgendwie machen. Wenn nicht hier, dann privat."

Formen der Altersvorsorge

Bisher waren vier Formen der betrieblichen Altersvorsorge zulässig: Direktzusage, Unterstützungskasse, Pensionskasse und Direktversicherung. Neu ist seit 2002 der Pensionsfonds als fünfter Durchführungsweg.

In vielen anderen Ländern sind Pensionsfonds schon heute die bei weitem wichtigste Variante in der betrieblichen Altersversorgung. Rund 12.300 Milliarden Euro Kapital sind allein in den USA in Pensionsfonds gebunden, in Großbritannien etwa 1.900 Milliarden Euro. Deutschland ist von solchen Größenordnungen noch weit entfernt. 1999 summierte sich das in allen ­ damals vier ­ Wegen der betrieblichen Altersversorgung angesammelte Kapital gerade mal auf 317 Milliarden Euro.

Die Pensionsfonds will der Gesetzgeber aus mehreren Gründen. Die betriebliche Altersversorgung soll aus den Unternehmen herauskommen und auf externe Versorgungseinrichtungen ­ eben die Pensionsfonds ­ übergehen. Denn der weitaus größte Anteil der Versorgungszusagen ist in Deutschland bisher in Direktzusagen gebunden. Dabei bildet ein Arbeitgeber Rückstellungen für seine späteren Pensionszusagen. Diese "Zeitbomben in der Bilanz" wollen vor allem große, weltweit tätige Firmen gern loswerden.

Ihre Pensionsrückstellungen können sie jetzt steuerfrei auf einen Pensionsfonds übertragen. In der Regel müssen sie zwar Kapital zuschießen. Diese Kosten können sie aber steuermindernd über zehn Jahre abschreiben.

Pensionsfonds sind in ihrer Kapitalanlage frei. So können sie sogar vollständig in Aktien investieren. Diese Freiheit ist natürlich nicht ohne Risiko. Die Versorgungsansprüche des einzelnen Arbeitnehmers müssen deshalb über den Pensions-Sicherungsverein abgesichert werden.

Wie viele Pensionsfonds es künftig geben wird, ist offen. Derzeit werden zahlreiche in Banken, Versicherungen, Unternehmen und Branchen gegründet. Pensionsfonds müssen vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) genehmigt werden. Doch die Bonner Behörde, die die Pensionsfonds künftig auch kontrollieren soll, hat zurzeit nicht genug Personal. "Wir haben allen anfragenden Unternehmen gesagt, dass sie sich gedulden müssen", sagt BAV-Sprecher Karl Leute. Die seit Anfang Januar eingehenden Anträge würden nach und nach bearbeitet.

Der Arbeitgeber bestimmt

Theoretisch kann ein Arbeitnehmer Gehalt in alle fünf Wege investieren. Der Arbeitgeber bestimmt aber die Form. Auch das kann die Fördermöglichkeiten eines Arbeitnehmers einschränken. Wird zum Beispiel nur eine Direktversicherung angeboten, ist die steuerfreie Einzahlung von Einkommen bis 2160 Euro damit nicht möglich. Und die Riester-Förderung funktioniert weder mit einer Pensionszusage noch einer Unterstützungskasse.

Diese Wege haben andere Vorteile: In Absprache mit dem Arbeitgeber kann Gehalt hier fast unbegrenzt steuerfrei

in Altersvorsorgebeiträge umgewandelt werden, spätere Rentenzahlungen sind erst ab Freibeträgen von rund 4.100 Euro jährlich steuerpflichtig.

"Wenn die Zulagenförderung in einem Betrieb ausgeschlossen ist, kann es natürlich zum Streit kommen, sobald ein Arbeitnehmer auf dieser Methode besteht", meint Werner Sasdrich vom Bundesarbeitsministerium. In der Regel sei aber mit einer Einigung zu rechnen. "Schließlich geht es ja um eine gute Zusatzversorgung für den Arbeitnehmer, die sich beide Parteien wünschen."

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