Betriebliche Altersvorsorge Meldung

Arbeitnehmer können mehrere Wege in der betrieblichen Altersvorsorge nutzen.

Die betriebliche Altersvorsorge ist im Kommen. Überall wird an Konzepten gebastelt. Beispiele zeigen, wo es langgeht.

Die Altersvorsorge in Deutschland ist im Umbruch. Denn die gesetzlichen Rentenansprüche sinken rapide. Die Riester-Förderung soll die private Vorsorge ankurbeln. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber die betriebliche Vorsorge gestärkt. Diese Angebote sind besonders günstig, weil Gruppenrabatte die Kosten senken.Werden sie vom eigenen Gehalt bezahlt, haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein solches Angebot. Je nach Förderweg sind ab sofort bis zu 2 160 Euro vom investierten Lohn jährlich steuer- und bis 2008 auch sozialabgabenfrei.

Auch die Riester-Förderung kann in die betriebliche Altersvorsorge fließen. Das komplizierte Nachweisverfahren für die Zulagen, auf die Mitarbeiter Anspruch haben, hält aber viele Unternehmen von betrieblichen Riester-Angeboten ab. Lieber handeln sie für ihre Mitarbeiter kollektive private Riester-Verträge aus und bieten betrieblich andere Fördervarianten an. Besteht ein Mitarbeiter auf einem Angebot für seine Riester-Förderung innerhalb der betrieblichen Altersvorsorge, muss ein Unternehmen dies aber ermöglichen.

Arbeitnehmer können sich häufig nur eine betriebliche oder eine private Vorsorge leisten. Weil einige Branchen mit betrieblichen Angeboten noch nicht so weit sind, sollten diejenigen, die nur einen Weg bezahlen können, mit einem privaten Riester-Vertrag warten, bis ein Vergleich möglich ist.

Genehmigungsstau

Betriebliche Altersvorsorge Meldung

Die betriebliche Altersvorsorge ist seit einigen Jahren wieder im Aufwind. Durch die neuen rechtlichen und steuerrechtlichen Möglichkeiten wird ein noch kräftigerer Schub erwartet, der sich auch in den neuen Ländern auswirken soll.

Die betriebliche Altersvorsorge ist seit dem 1. Januar 2002 auf fünf Wegen möglich: über eine Direktzusage, eine Unterstützungskasse, eine Pensionskasse, eine Direktversicherung und einen Pensionsfonds. Ganz neu sind die Pensionsfonds, die in ihrer Kapitalanlage flexibler sind als zum Beispiel Pensionskassen und Direktversicherungen. Hier können die Manager stärker auf Aktien setzen. Das steigert die Chance auf Ertrag, aber auch das Risiko.

Pensionsfonds werden wie Pensionskassen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn zugelassen. Die Genehmigungsverfahren gehen wegen des großen Aufwands langsam voran. „Dieser Stau muss sofort aufgelöst werden“, fordert Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung in Heidelberg (aba).

Stiefermann ist überzeugt, dass sich die betriebliche Altersvorsorge in Deutsch­land in den kommenden Jahren nahezu verdoppeln wird. Und das, obwohl die Reform zumindest aus Sicht der Arbeitgeber bisher kaum Vorteile gebracht habe. Der aba-Experte: „Zurzeit wenden sich viele verunsicherte Arbeitnehmer an die Personalabteilungen mit der Bitte, bei der Auswahl des richtigen Durchführungswegs behilflich zu sein. Oder sie sollen mitentscheiden, ob betriebliche oder private Vorsorge besser ist. Das macht Arbeit.“

Mitarbeiter sehr interessiert

Franz-Josef Rosskothen, Personalchef der Münchener Südfleisch AG, ist zuversichtlich, dass diese Belastung nur vorübergehend ist: „Wenn sich die neuen Systeme eingespielt haben, haben wir damit nicht mehr viel zu tun.“ Viele der 4 000 Südfleisch-Beschäftigten wollten unbedingt etwas für ihre Altersvorsorge tun. Der Betriebsrat beteilige sich an der Aufklärungsarbeit.

Auf Basis eines Haustarifvertrags werden bei Südfleisch seit Jahresbeginn vermögenswirksame Leistungen von 479 Euro jährlich pro Mitarbeiter bei der Hamburger Pensionskasse eingezahlt. Rosskothen: „Zusätzlich kann jeder Beschäftigte Gehalt über die Pensionskasse Hamburg in Altersvorsorgebeiträge umwandeln.“ Die Nutzung der Riester-Förderung sei nicht vorgesehen.

Auf die Hamburger Pensionskasse setzt auch die Firma Tengelmann in Mülheim an der Ruhr. Altersvorsorgeexperte des Unternehmens ist Hartmut Meisel: „Die Mitarbeiter können steuerfrei Gehalt einzahlen. Sparen wir dadurch Sozialabgaben, legen wir die Summe obendrauf.“ 6 000 der insgesamt 50 000 Tengelmann-Mitarbeiter hätten sich bereits dafür entschieden.

Beratung ist wichtig

Die Firma Brandt mit Sitz in Berlin und Brandenburg hat ebenfalls eine Pensionskasse gewählt. „Seit Juni 2002 steht das Angebot“, berichtet Ulrike Ritter, Prokuristin des auf Schwerlast-Logis­tik und Kranvermietung spezialisierten Unternehmens. Bisher gab es keine betriebliche Altersvorsorge für die 250 Mitarbeiter. „Was wir jetzt anbieten, bezahlen sie aus ihrem Gehalt.“ Bis 2 160 Euro im Jahr könnten steuer- und sozialabgabenfrei in eine klassische oder eine fondsorientierte Rentenversicherung des Pensionskassenanbieters fließen.

„Wir haben den Mitarbeitern vorrechnen lassen, was rauskommen wird. Es gibt eine Hotline zum Anbieter, weil wir nicht jeden einzelnen Beschäftigten beraten können“, erklärt Ulrike Ritter. Die Riester-Förderung sei in dem Angebot nicht vorgesehen. „Das macht zu viel Arbeit, die uns keiner bezahlt.“

Die sieben Angestellten des Berliner Traditionsbetriebes Meichelbeck Sanitär-Gasanlagen GmbH wünschen bisher kein betriebliches Angebot für ihre Altersvorsorge. Sie wollen lieber privat mehr sparen. Bärbel Meichelbeck: „Wir haben sie über ihr neues Recht informiert. Bisher wollte keiner Gehaltsumwandlung. Vielleicht reicht ihnen, was wir für sie machen.“ Seit rund 30 Jahren finanziert der Unternehmenschef für jeden fest angestellten Mitarbeiter eine Direktversicherung. Bärbel Meichelbeck: „Wir zahlen pro Jahr die vollen 1 752 Euro und zusätzlich die Pauschalsteuer. Bei uns kündigt keiner.“

Öffentlicher Dienst

Konfrontiert mit sinkenden Versorgungsansprüchen ist auch der öffentliche Dienst. Ein kollektives Angebot für eine direkt vom Gehalt finanzierte Zusatzvorsorge wäre vielen Arbeitgebern willkommen. „Wir wissen das“, sagt Claus-Jürgen Rissling, Sprecher der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Zwei Millionen Arbeitnehmer aus dem öffentlichen Dienst sind hier vereint, denen eine Zusatzrente aus einer Versorgungskasse der öffentlichen Hand zusteht. Rissling: „Wir arbeiten unter Hochdruck an zusätzlichen Angeboten. Der Zeitdruck ist das Schlimmste.“ Anbieten will die VBL in ihrer Pensionskasse eine fondsgebundene Rentenversicherung sowie eine freiwillige Betriebsrente, die sich an das Punktesystem der VBL anlehnt. Wann es so weit ist, ist offen.

Bis dahin hat vielleicht ein anderer die Nase vorn. Zum Beispiel der Deutsche Beamtenbund (DBB) in Berlin. Die rund 900 000 Beamten und 400 000 Angestellten des öffentlichen Dienstes, die dieser Gewerkschaft angehören, können seit Juli von einer kollektiven Privatvorsorge à la Riester profitieren. Dafür hat sich der DBB mit einem Konsortium von Versicherungsgesellschaften unter Führung der DBV Winterthur zusammengetan.

Angeboten werden Rentenversicherungen – klassische und verschiedene Fondsvarianten. DBB-Sprecher Frank Zitka: „Unsere Gruppenrabatte sollen private Riester-Verträge unserer Mitglieder einer betrieblichen Lösung gleichstellen.“ Ehepartner und Kinder von DBB-Mitgliedern können in die Kollektivverträge einsteigen. Zweck des Angebots sei aktive Mitgliederbindung.

Gegen betriebliche Riester-Rente

Volker Henkel, Geschäftsführer des BVMW-Versorgungswerkes in Frechen, empfiehlt anfragenden Unternehmen, die Riester-Förderung bei der betrieblichen Altersvorsorge vor der Tür zu lassen. „Ein kollektiver Privatvertrag für Riester, den ein Betrieb für seine Mitarbeiter aushandelt, ist besser. Dann machen andere die Abwicklung. Zusätzlich sollte es ein steuerfreies Angebot für die Lohnumwandlung geben.“ Viele Unternehmen schlügen diesen Weg ein. Henkel: „Die soziale Fürsorge für Mitarbeiter hat massiv zugenommen.“

Das vor zehn Jahren gegründete ­Versorgungswerk gehört zum Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Berlin. Verträge für rund 100 000 Mitarbeiter aus rund 30 000 Unternehmen würden inzwischen verwaltet. Der Geschäftsführer: „Darunter sind Bauunternehmer und Heilpraktiker – querbeet ist alles dabei.“ Die meisten Unternehmen hätten zwischen 10 und 20 Mitarbeitern. Stand bisher die Unterstützungskasse im Vordergrund, empfiehlt Henkel jetzt verstärkt Pen­sionskassenlösungen. „Vorteil ist, dass mehrere Vertragsvarianten möglich sind und ein Mitarbeiter sie bei einem Jobwechsel problemlos mitnehmen kann.“

Das BVMW-Versorgungswerk, das seine Verträge über 350 Makler vermittelt, kooperiert mit der Kölner Pensionskasse. Eine Zusammenarbeit mit einem Pensionsfonds ist geplant. Henkel: „Für die breite Masse rate ich aber davon ab, bei der betrieblichen Altersvorsorge stark auf Aktien zu setzen. Sicherheit geht vor, wenn ein Mitarbeiter auf die späteren Versorgungsleistungen angewiesen ist.“

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