Interview: Am besten zwei Verträge

Betriebliche Altersvorsorge Meldung

Neue betriebliche Altersvorsorgeangebote hinken den privaten Riester-Angeboten hinterher. Professor Hans-Peter Schwintowski von der Humboldt-Universität zu Berlin hat das Problem früh erkannt.

Finanztest: Sie haben kürzlich gefordert, sich bei privaten Riester-Angeboten zurückzuhalten, bis genügend Vergleichsangebote betrieblicher Lösungen vor­liegen. Stehen Sie auch heute noch zu dieser Aussage?

Schwintowski: Ja. Arbeitnehmer, die sich sowohl die Riester-Förderung als auch die betriebliche Gehaltsumwandlung leisten können, sollten ihre Zurückhaltung bei den privaten Riester-Ver­trägen aber aufgeben und abschließen, wenn sie das Angebot geprüft und einen wirklich preiswerten und leistungs­fähigen Versicherer gefunden haben.

Finanztest: Haben Sie den Eindruck, dass die Einführung neuer betrieblicher Angebote jetzt gut vorankommt?

Schwintowski: Nein. Erst sechs neue ­Pensionskassen sind bis Anfang Juli von der Bundesanstalt für Finanzdienst­leistungsaufsicht genehmigt worden.
Dabei hat die Aufsichtsbehörde zum Teil auch eine Zillmerung zugelassen. Die ­Abschlusskosten belasten den einzelnen Vertrag dann gleich zu Beginn in vollem Umfang. Das Altersvorsorgeprodukt verliert dadurch seine Flexibilität und wird darüber hinaus teuer. Nachvollziehen kann ich diese Genehmigungspraxis nicht, da der Gesetzgeber für die Riester-Produkte gerade auf die Zillmerung ­verzichtet hat.

Finanztest: Wie sollten kleinere Unternehmen Ihrer Ansicht nach vorgehen, um eine gute betriebliche Lösung für die Altersvorsorge ihrer Angestellten aus­findig zu machen?

Schwintowski: Sie sollten sich an Makler oder Vermögensberater wenden, die ­ihnen die günstigsten Angebote heraussuchen und für sie maßschneidern.

Finanztest: Sollte eine betriebliche ­Lösung auf jeden Fall die Riester-Förderung einschließen?

Schwintowski: Nein. Betriebliche Vor­sorge und Riester-Förderung stehen ­nebeneinander. Wer es sich leisten kann, beides abzuschließen, sollte dies tun. Wer nicht, sollte sich beraten lassen, welche Alternative für ihn besser ist.

Finanztest: In der Praxis ist es offenbar nicht immer leicht, geeignete Verträge zu finden. In einem Alleinverdiener-Haushalt kann beispielsweise die nichtarbeitende Ehefrau vielleicht nicht von der Riester-Förderung profitieren, wenn ihr Mann seine Förderung betrieblich nutzt, sie aber keinen reinen Zulagenvertrag abschließen kann. Was empfehlen Sie?

Schwintowski: Mit Blick auf die nichtarbeitende Ehefrau wäre zu empfehlen, dass ihr Mann beide Wege geht, nämlich betrieblich Gehalt umwandelt und daneben einen Vertrag schließt, der Riester-gefördert ist. Sollte sich ein Arbeitnehmer das nicht leisten können, so muss gerechnet werden, welcher der beiden Wege der günstigere ist. Die Ehefrau sollte sich außerdem darüber beraten lassen, ob ihr beim betrieblichen Vertrag even­tuell ein Mitbezugsrecht oder eine Art ­Anwartschaft eingeräumt werden kann.

Finanztest: Was hätte der Gesetzgeber bei der betrieblichen Altersvorsorge besser machen sollen?

Schwintowski: Er hätte dafür sorgen müssen, dass mit Beginn der Riester-­Förderung Pensionsfonds und -kassen in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen, sodass ein klarer Vergleich ­zwischen den betrieblichen Altersvor­sorgeprodukten und der privaten Riester-Rente sofort möglich gewesen wäre.

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