Betriebliche Altersvorsorge: Die Mühe lohnt sich

Betriebliche Altersvorsorge Meldung

Riester-Förderung gibts auch für die betriebliche Altersvorsorge: Mit Direktversicherungen, Pensionsfonds und Pensionskassen.

Landauf, landab werden neue Modelle für die betriebliche Alters­vorsorge entwickelt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben viel Auswahl. Sie müssen vergleichen.

Staatliche Zulagen und Steuerersparnisse – das gibt es nicht nur für private Altersvorsorgeverträge à la Riester. Arbeitnehmer können dieses Sponsoring der öffentlichen Hand auch für die betriebliche Altersvorsorge nutzen.

Besonders in Betrieben, in denen die Zusatzvorsorge in großem Rahmen organisiert wird, können Gruppenrabat­te entscheidende Kostenvorteile gegenüber einem privaten Riester-Vertrag bringen. Rabatte ab 2 Prozent des Jahresbeitrags sind möglich, wenn mindestens zehn Mitarbeiter an einem Kollektivvertrag teilnehmen.

Ohne einen Kostenvorteil wird der betriebliche Riester-Vertrag aber zur zweiten Wahl. Denn im Vergleich zum privaten Altersvorsorgevertrag ist er ­unflexibler. Eine Kapitalentnahme zur Immobilienfinanzierung ist im betrieblichen Riester-Vertrag beispielsweise nicht zulässig.

Wer in Lohn und Brot ist, kann seine Riester-Förderung betrieblich verbrauchen. Er kann sie auch auf maximal einen betrieblichen und einen privaten Riester-Vertrag verteilen.

Firma überweist Beiträge

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Auch für kleinere Betriebe kommen die neuen Pensionsfonds infrage.

Der Arbeitnehmer bezahlt die Beiträge für eine Riester-geförderte Zusatzversorgung im Betrieb selbst aus versteuertem Einkommen wie bei einem privaten Vertrag. Das Geld wird ihm direkt vom Gehalt abgezogen, denn der Arbeitgeber überweist die Riester-Beiträge für seine Angestellten an den Anbieter.

Der Arbeitgeber ist für die Verwaltung der staatlichen Zulagen (Grund- und Kinderzulagen) zuständig. Meistens wird dies aber der Anbieter der betrieblichen Riester-Vorsorge übernehmen. Der Arbeitnehmer muss nur den Sonderausgabenabzug für seine Einzahlungen einschließlich Zulagen in seiner Steuererklärung beantragen.

Die betriebliche Versorgungsleistung bekommt später allein der Arbeitnehmer. Für Riester-Verträge ist vorge­schrieben, dass er eine monatliche Rente bekommen muss. Das Geld darf ­frühestens ab dem 60. Lebensjahr ausgezahlt werden. Zulässig ist eine lebenslange Rente oder ein Auszahlplan mit einer Verrentung des Restkapitals ab dem 85. Lebensjahr.

Neben der Altersrente kann die betriebliche Versorgung auch Zah­lungen im Fall der Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit umfassen. Auch die Absicherung der Hinterbliebenen für den Fall, dass der Versicherte stirbt, ist möglich.

Arbeitgeber entscheidet

Für ein Riester-Angebot im Betrieb sind nur drei der fünf Formen betrieblicher Altersvorsorgeerlaubt: die Direktversicherung, die Pensionskasse und der Pensionsfonds.

Welcher Weg und Anbieter zum Zuge kommt, ist Sache des Arbeitgebers. In tariflich gebundenen Betrieben kann dies durch Tarifvertrag festgelegt werden. Für den Arbeitnehmer läuft beides auf das Gleiche hinaus: Anders als bei der Suche nach einem günstigen Privatvertrag muss er bei der betrieblichen Riester-Lösung nehmen, was er bekommt.

In der Praxis dürfte in Unternehmen mit starkem Betriebsrat dieser wohl ein Wörtchen mitreden. Ebenso ist es in Betrieben mit wenigen Angestellten wahrscheinlich, dass der Arbeitgeber seine Mitarbeiter zumindest über Alternativen informiert, bevor er sich für einen bestimmten Anbieter entscheidet.

Gibt es keine tarifliche Lösung und unternimmt der Arbeitgeber nichts, kann der Angestellte verlangen, dass der Chef für ihn eine Riester-taugliche Direktversicherung abschließt.

Direktversicherungen

Die betrieblichen Riester-Angebote der Versicherer ähneln denen für den privaten Riester-Markt: klassische Rentenversicherungen, Rentenversicherungen mit begrenztem oder mit hohem Fondsanteil. Auch hier können Kunden aus einem großen Spektrum das attraktivste Angebot herausfiltern.

Viele Lebensversicherer bieten Direktversicherungen an. Fragen einzelne Arbeitnehmer bei den Gesellschaften nach, werden sie allerdings gern abgewimmelt. Vertreter größerer Belegschaften sind dagegen willkommen.

Das große Plus einer betrieblichen Riester-Vorsorge im Vergleich zu einer privaten entfällt aber ohnehin, wenn nur einzelne Arbeitnehmer einen solchen Vertrag abschließen: die im Kollektiv geringeren Verwaltungskosten. Dies gilt ebenso für die beiden anderen im Betrieb zulässigen Riester-Varianten Pensionsfonds und Pensionskassen.

Neue Pensionskassen

Mit der Rentenreform sind auch zwölf neue Pensionskassen auf den Markt gekommen. Zudem lagen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) Ende September 13 weitere Anträge für Neugründungen vor.

Vor In-Kraft-Treten des Altersvermögensgesetzes gab es insgesamt rund 140 Pensionskassen. Diese Kassen waren bisher den Arbeitnehmern bestimmter Branchen vorbehalten. Die Neugründungen sind hingegen in der Regel offen für jedermann. Auch kleinere Unternehmen können hier für ihre Belegschaft Angebote für eine Betriebsrente einholen.

Vor allem Versicherungsunternehmen haben das Pensionskassengeschäft für sich neu entdeckt, ihre bestehenden Kassen für die Allgemeinheit geöffnet oder neue gegründet. Oft handelt es sich juristisch um einen Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, seltener um eine Aktiengesellschaft.

Pensionskassen funktionieren wie Versicherungsgesellschaften, aber sie betreiben ausschließlich betriebliche Altersvorsorge. Die Gründungswelle ist auf die vielfältigen Möglichkeiten staatlicher Förderung zurückzuführen, die An­legern für Pensionskassen eingeräumt wurde.

Arbeitnehmer können für Pensionskassen nicht nur die Riester-Förderung nutzen. Sie können zusätzlich oder stattdessen Gehalt steuer- und bis 2008 auch sozialabgabenfrei investieren. Erlaubt sind bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung. Das sind derzeit 2 160 Euro. Bei Direktversicherungen ist dies nicht möglich.

Sind die 4 Prozent ausgeschöpft, steht Arbeitnehmern bei Pensionskassen darüber hinaus die Möglichkeit offen, bis zu 1 752 Euro im Jahr von ihrem Gehalt pauschal mit 21,1 Prozent inklusive Solidarzuschlag zu versteuern und für ihre Altersvorsorge anzulegen. Bei dieser Variante ist die Auszahlung als einmalige Summe steuerfrei. Bei Rentenzahlungen ist nur der geringe Ertragsanteil steuerpflichtig.

Varianten auch bei Kassen

Die Pensionskassen ködern ihre Kunden – die Arbeitgeber – mit einem vielseitigen Angebot für deren Beschäftigte. So können Arbeitnehmer bei der Allianz Versorgungskasse zwischen der „Privat Rente“ und der „Fonds Rente“ wählen und damit zwischen einer klassischen Rentenversicherung und einer Rentenversicherung mit begrenztem Fondsinvestment.

In beiden Fällen wird auf den Sparanteil des Beitrags eine Verzinsung von 3,25 Prozent garantiert. Zusätzlich können jeweils eine Berufsunfähigkeitsrente sowie Witwen- und Waisenrenten vereinbart werden.

Es gibt Riester-Verträge in beiden Varianten. Möglich ist auch die pauschal versteuerte Vorsorge oder die Einzahlung ohne Steuern und Sozialabgaben.

Traditionell setzen die Pensionskassen aber weniger auf Fonds, sondern bleiben bei klassischen Produkten. So die Signal Iduna Pensionskasse: Für die Riester-Förderung hat sie die „Aufbau-Rente“ mit einer Garantieverzinsung von 3,25 Prozent entwickelt. Der Hauptteil der Kapitalanlage fließt in festverzinsliche Wertpapiere.

Zwölf Pensionsfonds

Pensionsfonds sind seit Anfang 2002 für die betriebliche Altersversorgung als neuer Weg zugelassen und für die Riester-Förderung offen. Bis Ende September 2002 hatte das BAFin zwölf Pensionsfonds den Geschäftsbetrieb erlaubt. 15 Anträge auf Zulassung hingen noch in der Warteschleife der Behörde.

In ihrer Kapitalanlage sind die Fonds weitgehend frei. Sie können die Einzahlungen ihrer Kunden theoretisch zu 100 Prozent in Aktien investieren. In der Praxis unterliegen sie Beschränkungen, weil sie ihren Kunden mindestens das eingezahlte Geld bei Rentenbeginn garantieren müssen. Vor allem für ältere Arbeitnehmer werden Pensionsfonds kein Risiko eingehen und größere Teile des Kapitals in fest- verzinsliche Wertpapiere umschichten.

Die Pensionsfondsanbieter Allianz Dresdner, Generali Pensionsfonds AG und Pensor unterscheiden mehrere Anlagestrategien, die sie als „ertragsorientiert“ und „wachstumsorientiert“ (Allianz) bezeichnen oder unter die Oberbegriffe „Sicherheit“, „Wachstum“ und „Chance“ (Generali, Pensor) stellen. Arbeitnehmer können durch ihre Wahl den Aktienanteil selbst bestimmen.

Damit den Kunden zumindest das eingezahlte Geld auch dann sicher ist, wenn der Pensionsfonds nicht zahlen kann, müssen die Fonds außerdem Beiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) zahlen.

Läuft die Altersvorsorge über Pensionskassen oder Direktversicherungen, müssen die Betriebe nicht Mitglied des PSV werden. Hier wird das Geld ohnehin extern verwaltet und gesichert und die Kapitalanlage unterliegt außerdem strengen Richtlinien.

Pensionsfonds bieten ihre Dienste nicht nur großen Unternehmen an. Auch kleinere Firmen, die bei ihrer Betriebsrente verstärkt auf Börseninvestments setzen wollen, finden hier Angebote für ihre Mitarbeiter. Pensionsfonds sind meist wie Versicherer bereit, die Verwaltung der Anwartschaften einschließlich der Zulagenverwaltung – bei Nutzung der Riester-Förderung – zu übernehmen.

Ob Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds der beste Weg für die betriebliche Altersvorsorge per Gehaltsumwandlung ist, hängt von den Konditionen der Anbieter und ihrem Anlageerfolg ab.

Können Arbeitnehmer in ihrem Betrieb zwischen verschiedenen Angeboten und Wegen wählen, sollten sie sich für alle Varianten genau vorrechnen lassen, mit welchen Leistungen sie im Alter oder bei Invalidität rechnen können und welcher Hinterbliebenenschutz vorgesehen ist.

Direktzusage, Unterstützungskasse

Die häufigste Form betrieblicher Altersvorsorge ist heute noch immer die Direktzusage. Sie wird oft in großen Unternehmen angeboten. Dort sichern die Firmen selbst ihren Mitarbeitern eine Rente zu, ohne einen Versicherer einzuschalten. Sie müssen dafür Rücklagen bilden. Die Riester-Förderung ist nicht möglich, aber die Steuervorteile sind groß.

Umfassende Steuervorteile sind auch bei Unterstützungskassen möglich, einem weiteren der fünf Wege, auf dem die Riester-Förderung allerdings auch nicht läuft. Unternehmen, die ihre betriebliche Altersvorsorge über eine Direktzusage oder eine Unterstützungskasse organisieren, müssen wie Pensionsfondsbetreiber dem Pensions-Sicherungs-Verein beitreten. Das schützt Betriebsrentner bei Insolvenz.

Selbst aktiv werden

Bietet die Firma bislang keine betriebliche Altersversorgung an, sollte der Arbeitnehmer nachfragen, ob es möglich wäre, eine einzuführen. Unternehmen, die Mitarbeiter an sich binden und sie motivieren wollen, werden für einen solchen Vorschlag offen sein.

Zudem haben Arbeitnehmer seit dem 1. Januar 2002 ein Recht auf ein Angebot für eine betriebliche Altersversorgung aus Gehaltsumwandlung. Zusätzlich können sie eine Riester-taugliche Variante verlangen. Möglichkeiten, eine solche einzuführen, haben alle Betriebe.

Wie viel Betriebsrente unterm Strich zu erwarten ist, lässt sich nur im Einzelfall klären. Manche haben den Arbeitgeber gewechselt und schon Anspruch auf mehrere kleine Zusatzrenten. Bevor Arbeitnehmer eigenes Geld zur Altersvorsorge in eine private Geldanlage oder einen privaten Riester-Vertrag stecken, sollten sie klären, mit wie viel betrieblicher Rente sie rechnen können.

Die nahtlose Fortsetzung einer Betriebsrente bei einem Jobwechsel ist nicht gesichert. Hat der Arbeitnehmer selbst eingezahlt, ist das Geld aber auf keinen Fall verloren.Kann er den Vertrag nicht zur neuen Firma mitnehmen, kann er ihn privat weiter- führen oder ruhen lassen.

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