Betriebliche Altersversorgung Meldung

Versorgt. Betriebsrenten gibt es in knapp der Hälfte der Firmen in West- und in gut ­einem Drittel in Ostdeutschland.

Mit der Betriebsrente fährt der Staat einen Wackelkurs. Erst fördert er sie stärker, dann streicht er ab 2009 einen Teil der Förderung. Trotzdem sollten Arbeitnehmer zugreifen.

Betriebliche Altersvorsorge wird teurer. 2009 schrumpft die Förderung für ­Arbeitnehmer, die mit eigenem Geld über den Betrieb vorsorgen. Auf ihre Sparbeiträge werden dann Sozialabgaben fällig.

In zweieinhalb Jahren müssen Arbeitnehmer auf ihre Einzahlung rund 20 ­Prozent für Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung abführen, Arbeitgeber ebenso viel.

Berufstätige, die für eine Betriebsrente sparen, laufen sogar Gefahr, doppelt belastet zu werden. Denn seit 2004 zahlen sie bei der Auszahlung auf eine Betriebsrente volle Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Angesichts leerer öffentlicher Kassen sieht es nicht so aus, als würde die Frist verlängert. Arbeitgeber, Gewerkschaften und Anbieter erwarten einen heftigen Rückschlag für die betriebliche Altersvorsorge.

Bisher sind Beiträge aus dem Bruttolohn bis zu 2 520 Euro von Sozialabgaben ­befreit. Auch die Arbeitgeber sparen. Für sie ist das ein Anreiz, Mitarbeitern eine ­Betriebsrente schmackhaft zu machen.

Nur für privat Krankenversicherte ist das Ganze kaum Thema: Zumindest Krankenversicherungsbeiträge zahlen sie weder jetzt noch im Alter auf ihre Betriebsrente.

Trick der Metallindustrie

Einen Trick wendet die Metallbranche an: 319 Euro Zuschuss zur Vermögensbildung, die Arbeitnehmer künftig nur noch für eine Betriebsrente dazubekommen, können Arbeitgeber auch direkt einzahlen. Arbeitgeberfinanzierte Beiträge bleiben sozialabgabenfrei. Lassen sich viele darauf ein und gibt es Nachahmer in anderen Branchen, bleiben die Sozialkassen leer. Für ­Arbeitnehmer birgt der Trick aber auch ­Risiken. Ihre Rechte zum Beispiel beim Jobwechsel sind viel umfassender, wenn sie offiziell eigenes Geld investieren.

Belastung kleiner Einkommen

Sozialabgaben belasten vor allem Sparer mit geringem und mittlerem Verdienst: Ein Arbeitnehmer verdient zum Beispiel 40 000 Euro im Jahr und steckt derzeit 1 020 Euro vom Bruttoeinkommen in eine Betriebsrente. ­Für diesen Betrag werden ihm keine Sozialabgaben abgezogen.

Ab 2009 schrumpft das Nettoeinkommen des Sparers um rund 200 Euro im Jahr. Denn so viel Sozialabgaben muss er nun für die Einzahlungen in seine Betriebsrente entrichten.

Ein Arbeitnehmer mit einem Einkommen über 42 750 Euro, also über der Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung, investiert dagegen weiter, ohne dass ihm Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezogen werden.

Verdient jemand zum Beispiel 50 000 Euro, verliert er ab 2009 bei 1 020 Euro Sparbeitrag nur rund 130 Euro jährlich für Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Ab Einkünften über 63 000 Euro in den alten oder über 52 800 ­Euro in den neuen Bundesländern bleiben die Beiträge auch von diesen Abgaben weiter frei.

Steuerfrei ist das Sparen auch nach 2008. Der steuerfreie Höchstbetrag steigt ­Jahr für Jahr an. Er entspricht immer 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung für die alten Bundesländer (2006: 4 Pro­zent von 63 000 ­Euro sind 2 520 Euro). Seit 2005 kommt ein fester Betrag von 1 800 Euro hinzu, der steuerfrei, aber sozialabgabenpflichtig ist.

Immer noch viele Vorteile

Der Arbeitnehmer mit 40 000 Euro Verdienst behält also seinen Steuervorteil (siehe Tabelle) von derzeit 369 ­Euro (Alleinstehender) oder 278 Euro (Verheirateter).

Was steuerfrei gespart wurde, ist zwar bei der Auszahlung steuerpflichtig. Die spätere Steuerbelastung des Arbeitnehmers mit einem Gehalt von 40 000 Euro dürfte sich wegen seines nur mittleren Einkommens als Rentner aber in Grenzen halten.

Wer auch im Alter viel hat, weil er früher viel verdiente, zahlt dagegen mehr Steuern. Dafür war sein Sparbeitrag einmal kaum mit Sozialabgaben belastet und er hatte sehr hohe Steuervorteile. So kann es sich für beide Einkommensgruppen weiter lohnen, Geld in eine Betriebsrente zu stecken.

Jeder sollte heute möglichst viel Geld für sein Alter zurücklegen. Da die Einkünfte vieler Arbeitnehmer zurzeit stagnieren oder sogar sinken, ist das nicht leicht. Umso wichtiger ist es, mögliche Förderungen mitzunehmen. Neben der Riester-Rente bleibt auch die Betriebsrente attraktiv. Denn die Steuervorteile gibt es ja über das Jahr 2008 hinaus.

Kostengünstig und sicher

Eine Betriebsrente ist in fünf Wegen möglich: per Direktzusage, Unterstützungskasse, Pensionskasse, Direktversicherung oder Pensionsfonds. Überall ist mindestens eine steuerfreie Einzahlung bis zu 4 320 Euro (2 520 Euro plus 1 800 Euro) jährlich möglich, bei Direktzusage und Unterstützungskasse sogar noch viel mehr. Dafür sind Arbeitnehmer mit einer Versorgung auf einem dieser beiden Wege beim Jobwechsel weniger flexibel.

Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf ein Angebot ihrer Firma, für das sie ­einen Teil ihres Bruttogehalts verwenden können. Häufig steuert auch der Arbeitgeber etwas für seine Mitarbeiter bei.

Angebote für Betriebsrenten sind oft kostengünstiger als private Einzelverträge. Die rechtlichen Regeln für die betriebliche Altersversorgung verbessern sich stetig.

Seit 2005 können Arbeitnehmer ihre betriebliche Vorsorge leichter bei einer neuen Firma fortsetzen. Und das Übertragungsabkommen für Direktversicherungen umfasst nun auch Pensionskassen und soll auf Pensionsfonds ausgedehnt werden.

Gerade wurde der Insolvenzschutz für Betriebsrenten auf eine noch stabilere Basis gestellt. Firmen sollen Kapital in einen Fonds einzahlen. Bisher ist eine Umlage für den Pensions-Sicherungs-Verein fällig.

Auch Gerichte bringen Arbeitnehmerrechte voran. Unlängst entschied das ­Arbeitsgericht Stuttgart (Az. 19 Ca 3152/04), dass Arbeitgeber verpflichtet sind, bei der Auswahl einer Zusatzversorgung auf günstige Konditionen zu achten.

Die Betriebsrente bleibt ein wichtiger­ Weg für die Altersvorsorge. Vor allem wenn der Chef sich beim Sparen beteiligt, sollte niemand darauf verzichten.

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