Betriebliche Altersversorgung Meldung

Jeder Arbeitnehmer braucht eine ergänzende Altersvorsorge. Für viele ist eine Betriebsrente ab 2009 nicht mehr erste Wahl.

Die Altersvorsorge über den Betrieb mit eigenem Geld wird ab 2009 durch Sozialabgaben weniger attraktiv. Dann lohnt sie sich noch für privat Krankenversicherte, anderen hilft ein Trick.

Von einem Boom in der betrieblichen Altersversorgung ist vielleicht bald keine Rede mehr. Denn das vielgepriesene Recht auf Gehaltsumwandlung – 2002 eingeführt – verpufft, seit peu à peu die Förderung von Firmenrenten schwindet.

Die Steuervorteile bleiben zwar unangetastet. Im Jahr 2007 ist ein Sparbeitrag bis 2 520 Euro steuerfrei. In den Jahren darauf wird es gleich viel oder etwas mehr sein. Je mehr Steuern ein Arbeitnehmer zahlt, desto mehr spart er, indem er Teile des Gehalts steuerfrei in eine Altersvorsorge einzahlt, etwa bei einer Pensionskasse.

Die Steuerlast von Geringverdienern ist zu niedrig zum Sparen. Dafür profitieren sie stark davon, dass ihre Einzahlungen sozialabgabenfrei sind. Das nutzt auch Arbeitnehmern mit durchschnittlichem bis besserem Einkommen bisher sehr (Beispiel 30 Prozent Steuersatz in der Tabelle „Renditeschwund“). Doch bald ist Schluss damit.

Rückwärtsgang seit 2004

Die Rolle rückwärts begann, als sich im Jahr 2004 die Sozialabgaben auf die Renten aus betrieblicher Altersversorgung verdoppelten. Mussten gesetzlich Krankenversicherte im Ruhestand vorher halbe Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf ihre Firmenrente zahlen, gehen nun volle Beiträge ab. Erstmals sind auch Einmalzahlungen abgabenpflichtig.

Einen Arbeitgeber, der die Hälfte der Sozialabgaben trägt, haben Rentner nicht mehr. Sie zahlen ihre Sozialabgaben allein. Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersversorgung in Heidelberg (aba): „Die Verdoppelung ist eine Rentenkürzung um 8 Prozent. Rentner mit einer Einmalzahlung müssen 16 Prozent Abzug verkraften.“

Für gesetzlich Versicherte, die bei der Einzahlung gar keine Sozialabgaben sparen (Beispiel 44 Prozent Steuersatz, Tabelle „Renditeschwund“), schrumpfte die Rendite einer Betriebsrente schon damals zusammen.

Doppelte Sozialabgaben ab 2009

Ganz dicke kommt es ab 2009. Dann werden die bisher noch freien Sparbeiträge sozialabgabenpflichtig, sofern die Arbeitnehmer eigenes Geld per Gehaltsumwandlung investieren. Die Abgaben zahlen sie zur Hälfte selbst. Die andere Hälfte trägt die Firma.

Wer mehr für die Rentenversicherung zahlt, bekommt irgendwann einmal mehr Rente. Für zusätzliche Beiträge in die Arbeitslosenversicherung gibt es etwas mehr Unterstützung, sofern der Einzahler arbeitslos würde. Bei der Kranken- wie der Pflegeversicherung bleibt eine Zusatzleistung aber aus. Und wenn später die Rente fließt, wird für beide noch einmal kassiert.

Die doppelte Beitragspflicht drückt die Rendite von Betriebsrenten deutlich. Wie unsere Tabelle „Renditeschwund“ zeigt, bleiben einem Versicherten, der 25 Jahre dafür spart, von 4 Prozent Grundrendite des Vertrags nur 3,6 Prozent übrig (bei 30 Prozent Steuersatz). Wären seine Beiträge dagegen auch nach dem Jahr 2008 noch von Sozialabgaben befreit, käme der Versicherte auf eine ansehnliche Rendite von 5,7 Prozent.

Ausweg Arbeitgeberfinanzierung

Die neue Belastung lässt sich umgehen, wenn offiziell nicht der Arbeitnehmer, sondern der Arbeitgeber die Vorsorgebeiträge übernimmt. Dessen Einzahlungen bleiben auch ab 2009 bis zu 2 520 Euro im Jahr (jährlich steigend) sozialabgabenfrei.

Die Tarifparteien in der Metallindustrie machen sich das zunutze. Seit Oktober 2006 können Arbeitnehmer dort mit ihrer Firma per Betriebsvereinbarung eine arbeitgeberfinanzierte Vorsorge verabreden. Dann steckt die Firma bis zu 319,08 Euro im Jahr pro Mitarbeiter in eine Betriebsrente. Der Arbeitnehmer kann selbst sozialabgabenfrei Einkommen drauflegen.

Vielleicht ziehen andere Branchen nach. Kleinere Unternehmen, glaubt aba-Chef Klaus Stiefermann, seien mit solchen Finessen aber überfordert. „Vertragsänderungen sind nötig. Die müssen richtig formuliert werden. Da machen die Firmen lieber keine Betriebsvorsorge mehr.“

Im Insolvenzfall oder bei einem Arbeitgeberwechsel stehen Arbeitnehmer mit einer auf Betriebsfinanzierung umgeschriebenen Vorsorge zudem schlechter da. Zumindest per Gesetz sind sie dann erst nach fünf Jahren Eigentümer des Ersparten. Selbstzahlern gehört das Geld vom ersten Tag an. Ihr Anspruch ist sofort „unverfallbar“. Für junge Berufseinsteiger ist die Fünfjahresfrist eine lebensferne Fessel.

Gut für privat Krankenversicherte

Betriebsrente anfangen oder nicht, weiterführen oder stoppen? Die Antworten hängen von individuellen Voraussetzungen ab.

Mitmachen sollten gutverdienende, privat krankenversicherte Arbeitnehmer. Sie haben hohe Steuervorteile. Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fallen weder auf ihre Sparbeiträge noch ihre Rente an. Ihre Renditen sind immer satt im Plus (siehe „Verträge privat krankenversicherter Arbeitnehmer“ in der Tabelle „Renditeschwund“). Ab 2009 werden ihre Einzahlungen nur mit Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträgen belastet. Übersteigt ihr Einkommen die Beitragsbemessungsgrenzen für diese Versicherungen von derzeit 63 000 Euro (Ost: 54 600 Euro), gehen nicht einmal diese Abgaben ab.

Für viele kein Schnäppchen mehr

Für gesetzlich krankenversicherte Gutverdiener ändert sich 2009 nichts oder wenig. Schon heute bringt ihre Vorsorge ihnen nur Steuervorteile. Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sparen sie ab Einkünften über 42 750 Euro (West wie Ost) nicht, weil sie schon beim Höchstsatz sind.

Schlecht sind für sie die vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, die sie auf ihre Betriebsrente später leisten werden. Außerdem werden sie davon wohl auch einmal einiges an Steuern abgeben müssen.

Das wäre bei anderen Geldanlagen jedoch nicht anders. Die von uns errechneten 3,2 (oder 3,4) Prozent Rendite (siehe Tabelle „Renditeschwund“) gelten nach Steuern und Sozialabgaben. Und die Vorteile einer Betriebsrente durch die verschobene Steuerlast (mögliche Zinsgewinne) haben wir gar nicht eingerechnet.

Immer lohnen dürfte sich eine Firmenvorsorge für diese Arbeitnehmer, sobald ihr Chef mitzahlt. Ansonsten brächte eine private Rentenversicherung ihnen eine etwas höhere Rendite nach Steuern. Die sparen sie aus Nettogehalt an. Im Alter ist die Besteuerung gering. Sozialabgaben fallen nicht an. Zudem kann diese Vorsorge auch bei einem Jobwechsel weiterlaufen.

Das gilt für einen privaten Riester-Vertrag aber ebenso. Und hier bieten staatliche Zulagen noch einen Renditeschub.

Bleibt es beim Zurückfahren der Förderung, ist auch für die große Gruppe der eher gering oder mäßig Verdienenden eine selbst angesparte Betriebsvorsorge ab 2009 nur noch wenig attraktiv. Für sie wäre ein Riester-Vertrag dann gleichfalls viel besser, es sei denn, der Arbeitgeber zahlt mit.

Wer einen Versorgungsvertrag hat, bei dem er allein Gehalt für seine spätere Betriebsrente umwandelt, muss sich überlegen, ob er ihn nicht besser ruhen lässt.

Genau abwägen sollten Arbeitnehmer die Entscheidung, wenn ein Berufsunfähigkeitsschutz enthalten ist. Denn dafür finden sie auf dem privaten Versicherungsmarkt nicht ohne weiteres Ersatz.

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