Betriebliche Altersversorgung Meldung

Ab 2005 dürfen ­Arbeitnehmer ihre ­Betriebsrente zum ­neuen Job mitbringen.

Hohe Steuervorteile machen Einzahlungen in eine Betriebsrente attraktiv. Ab 2005 gibt es einen weiteren Pluspunkt: Arbeitnehmer können ihre Rentenansprüche beim Jobwechsel mitnehmen.

Betriebliche Altersversorgung lohnt sich – ab 2005 noch mehr. Denn ab dann können Ansprüche auf eine Betriebsrente beim Jobwechsel sehr viel leichter mitgenommen werden. Dies machen neue Regeln im Alterseinkünftegesetz möglich.

Wer bei einem Unternehmen mit dem Sparen anfängt, konnte das bisher beim anderen noch nicht nahtlos fortsetzen. Angesichts der Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt verzichten viele auf ein steuerlich und oft auch kosten- und renditemäßig sehr gutes Angebot für eine Zusatzversorgung über ihre Firma.

Zwar können Ansprüche eines einzelnen Arbeitnehmers auch jetzt schon aus einem betrieblichen Versorgungssystem herausgelöst und in seinem neuen Unternehmen wieder eingebracht werden. Der neue Chef muss aber bereit sein, diesen Anspruch zu übernehmen und in alle damit verbundenen Versorgungszusagen einzusteigen. Außerdem gibt es in den meisten Fällen steuerliche Einschränkungen sowohl für den Arbeitgeber als auch den Arbeitnehmer.

Pflichten für den Chef

Betriebliche Altersversorgung Meldung

Künftig bekommen Arbeitnehmer neben dem Anspruch auf Gehaltsum­wandlung zusätzlich einen Anspruch auf Übertragung ihrer Betriebsrente. Firmenchefs müssen das Kapital, das ein neuer Mitarbeiter in der Altersversorgung des alten Betriebs angesammelt hat, in eines ihrer Versorgungssysteme einzahlen.

Das „Mitbringrecht“ unterliegt aber mehreren Einschränkungen. Es gilt nur für Betriebsrenten, die ab 2005 vereinbart werden und unverfallbar sind. Vom ersten Tag an unverfallbar sind Betriebsrenten, die der Arbeitnehmer mit eigenem Geld per Gehaltsumwandlung anspart. Hat der Arbeitgeber das Geld eingezahlt, sind Ansprüche nach fünf Jahren unverfallbar.

Außerdem betrifft es nur Betriebsrenten, die in Versorgungsträgern wie einer Pensionskasse oder einem Pensionsfonds entstehen oder als Direktversicherungen bespart werden.

Für Versorgungszusagen, die durch eine Unterstützungskasse oder Direktzusage (auch Pensionszusage genannt) abgedeckt sind, gilt der Übertragungsanspruch nicht.

Ein Jahr Zeit

Nach dem Verlassen einer Firma haben Arbeitnehmer maximal ein Jahr Zeit, ihre Betriebsrente abzuholen, um sie bei dem neuen Arbeitgeber einzuzahlen. Das soll die Übernahme von Betriebsrenten für alle beteiligten Parteien kalkulierbar halten.

Außerdem ist die Höhe des übertragbaren Anspruchs begrenzt. Das Anrecht auf den so genannten Übertragungswert, den ein Arbeitnehmer aus einem Versorgungssystem mitnimmt, beläuft sich maximal auf die jeweilige Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung in einem Jahr. Aktuell dürfte ein Arbeitnehmer, der ein Unternehmen verlässt, die Übertragung seiner Betriebsrente auf das Versorgungssystem des neuen Arbeitgebers nur verlangen, wenn ihr Wert 61 800 Euro nicht übersteigt. Die Kosten der Übertragung zahlt der Arbeitnehmer. Sie werden von dem Kapital, das er mitnimmt beziehungsweise ins neue Unternehmen mitbringt, abgezogen.

Der neue Arbeitgeber muss eine wertgleiche Zusage stricken. Das kann bedeuten, dass ein bisher bestehender Invaliditätsschutz möglicherweise entfällt oder weniger umfassend ist, wenn es dafür im Gegenzug mehr Alters- oder Hinterbliebenenrente gibt.

Für die herkömmliche Zusatzversorgung von Angestellten im öffentlichen Dienst, die per Umlage und nicht aus angespartem Kapital finanziert wird, gilt das Mitnahme-/Mitbringrecht nicht. Sofern ein öffentlich Bediensteter allerdings Anspruch auf eine kapitalgedeckte Zusatzrente hat oder wenn er eigenes Gehalt dafür verwendet, kann er diesen bei Verträgen ab 2005 zu einer neuen Firma mitnehmen.

Steuerliche Hürden

Ob die betriebliche Altersversorgung mit diesen Regelungen wirklich flexibel wird, bleibt abzuwarten. Nach Ansicht von Birgit Uebelhack, stellvertretende Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersversorgung (aba) in Heidelberg, muss dabei auf jeden Fall der bürokratische Aufwand klein gehalten werden. Uebelhack: „Wenn bei der Übertragung hohe Zusatzkosten entstehen, schadet das allen Beteiligten.“

Unzufrieden ist die aba-Expertin, dass die Mitnahme von Betriebsrenten aus Direktzusagen und Unterstützungskassen zu Versorgungsträgern wie Pensionskassen, Pensionsfonds oder Direktversicherungen aus steuerlichen Gründen nicht funktioniert. Uebelhack: „Die Direktzusage ist noch immer die häufigste Art der Betriebsrente. Sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Mitnahme einer solchen Betriebsrente einig, wäre sie trotzdem nicht sinnvoll, weil der Arbeitnehmer steuerlich belastet würde.“

Die Übertragung einer Betriebsrente würde in einem solchen Fall wie ein Zusatzeinkommen gewertet, auf das der Arbeitnehmer Steuern zahlen muss.

Schwierige Entscheidung

Ob Steuerbelastung oder nicht: Für einen Arbeitnehmer, der seinen Job wechselt, wird es nicht leicht sein, zu entscheiden, ob es besser ist, das Kapital einer Betriebsrente mitzunehmen oder es beim alten Arbeitgeber zu lassen. Interessenten sollten sich vorher erkundigen, wie viel Kapital (Übertragungswert) sie mitbekämen und welche Rentenansprüche sie dadurch haben. Auf diese Information haben sie ab 2005 sogar ein Recht.

Von ihrer neuen Firma sollten sich künftige Mitarbeiter vorrechnen lassen, welche Betriebsrente ihre Einzahlung ihnen einmal einbringen würde. Nicht vergessen sollten sie zu prüfen, ob ihnen auch nach dem Wechsel eine gleichwertige Absicherung bei Invalidität oder entsprechender Hinterbliebenenschutz angeboten würde.

Wer sich gegen die Mitnahme seiner Betriebsrente entscheidet, kann sie auch bei seiner alten Firma stehen lassen. Außerdem kann er sich überlegen, ob er sie beim ehemaligen Arbeitgeber weiter mit privaten Beiträgen bedient. Die für die betriebliche Altersversorgung typischen Steuervorteile könnte er ab dann allerdings nicht mehr bei dieser Rente nutzen. Dafür würde aber der Anteil der Betriebsrente, der privat bezahlt wurde, später nur geringfügig besteuert.

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