Beteiligungsfonds Meldung

Frankonia-Vorstand Rudolf Döring wirbt für ­eine teure „Vorzugs-Vorsorge“.

Immer mehr Firmen bieten Beteiligungsfonds zur privaten Altersvorsorge an. Doch sie sind teuer und riskant, wie das Beispiel der Deutschen Frankonia zeigt.

Mehr als 3 000 Vermittler der Futura Finanz sind ausgeschwärmt, um Anleger bei ihrer Altersvorsorge zu beraten. Sie bieten ihren Kunden ein „sicheres Konzept“ an: Anleger, die ihr Geld in den Capital Sachwert Alliance Beteiligungsfonds 5 der Deutschen Frankonia Beteiligungs AG Würzburg stecken, erhalten „mit das Beste vom Besten“. So steht es in der Produktinformation.

Die Mitarbeiter der Frankonia könnten zwar keine „goldenen Eier legen“, aber „wesentlich Effizienteres“ für Anleger tun, heißt es dort. „Die Gesellschaft plant eine durchschnittliche Rendite in Höhe von 14 Prozent zu erwirtschaften“, schreibt uns Thomas Gerull, Vorstand der Capital Sachwert Alliance.

Der Beteiligungsfonds 5 ist Michael Turguts Antwort auf das Vorsorgeproblem. Turgut ist Vorstand der Futura Finanz AG im oberfränkischen Hof an der Saale. Sie vermittelt den Fonds derzeit an Anleger und kassiert dafür von der Frankonia fette Provisionen.

Risiken werden gern verschwiegen

Beteiligungsfonds Meldung

Leider nehmen es die Vermittler bei der Empfehlung dieses Fonds zuweilen nicht so genau. Sie verschweigen im Beratungsgespräch gern die Risiken und händigen nur einen einfachen Werbeprospekt aus, nicht den 128 Seiten starken Emissionsprospekt.

Offiziell unterstützt Turgut so etwas natürlich nicht. „Inoffiziell ist der Emissionsprospekt aber auf Schulungsseminaren auch kein Thema“, erklärt die Sparkassenbetriebswirtin Andrea Ernst. Sie hat an einer Schulung für Vermittler und an einem Mitarbeitertreffen teilgenommen. Der Prospekt sei weder besprochen worden, noch habe er sich in der Beratungsmappe befunden.

Andrea Ernst sagt, dass der zuständige Marketingleiter ihr den Tipp gegeben habe: „Händigen Sie den Emissionsprospekt möglichst nur auf Anfrage aus.“ Kunden würden sich sonst die 14 Seiten Risikoinformation durchlesen. „Und das“, so der Mann, „würde nur zusätzliche Fragen aufwerfen.“ Angesichts solcher Geschäftsmethoden verzichtete Andrea Ernst trotz Arbeitslosigkeit auf den gut bezahlten Vermittlerjob.

Finanztest hat den Emissionsprospekt unter die Lupe genommen. Das Ergebnis zeigt, dass Anleger, die in die Capital Sachwert Alliance Beteiligungsfonds 5 AG & Co. KG (kurz: CSA-Fonds-5 KG) investieren, sich Sorgen um ihre Vorsorge machen müssen.

Das Angebot, das die Frankonia entwickelt hat und die Futura Finanz vertreibt, ist eine Kommanditbeteiligung, also eine unternehmerische Beteiligung. Der Anleger beteiligt sich mit seinem Geld an der CSA-Fonds-5 KG und hofft, dass diese sein Geld mit Investitionen in Immobilien- und Unternehmensbeteiligungen sowie in Wertpapiere vermehrt. Er ist abhängig vom Erfolg des Unternehmens.

Beteiligen kann sich der Anleger am Fonds der Frankonia entweder mit einer Einmalanlage oder mit einer Kombination aus Einmal- und Rateneinlage. Der Vertrag läuft in beiden Fällen zwischen 10 und 29 Jahren und kann während der langen Laufzeit nicht ordentlich gekündigt werden.

Anleger beteiligen sich im Schnitt für rund 16 Jahre. Laut Frankonia haben bisher fast alle der rund 1 500 Anleger das Kombiprodukt gewählt. Die durchschnittliche Beteiligungssumme liegt bei rund 24 000 Euro.

Viel zu hohe Kosten

Bevor die CSA-Fonds-5 KG das Anlegergeld investiert, zieht sie erst einmal rund 20 Prozent der gesamten Beteiligungssumme für Kosten ab, die an die verschiedenen Unterfirmen der Frankonia fließen.

Bei einer typischen Kombianlage von 24 000 Euro wird die anfängliche Einmalzahlung von 4 000 Euro fast komplett für Provisionen verwendet. „Die Trainer der Futura Finanz empfehlen den Vermittlern, ihre Kunden zur Kündigung ihrer Lebensversicherung zu überreden“, berichtet Andrea Ernst. „Dadurch erhalten diese Geld aus der Versicherung zurück, mit dem sie dann die Einmalzahlung leisten können.“

Die restlichen 20 000 Euro werden in beispielsweise 200 Monatsraten à 100 Euro gestückelt. Dabei gehen die ersten acht Raten für weitere Kosten drauf.

Am Ende des zweiten Jahres haben die Emissionskosten von rund 4 800 Euro immer noch 71 Prozent der bis dahin eingezahlten Gelder von 6 400 plus 344 Euro Abwicklungsgebühr aufgefressen. Nur spärliche 29 Prozent der Einzahlungen werden bis dahin überhaupt investiert. Erst nach Einzahlung aller Raten steigt der investierte Anteil auf rund 80 Prozent der Beteiligungssumme.

Laut Frankonia entstehen in der bis Ende 2006 laufenden Emissionsphase über 90 Millionen Euro an Kosten. Das sind rund 20 Prozent des gesamten geplanten Beteiligungskapitals von 450 Millionen Euro. Sie fließen in die Taschen von Vermittlern und Initiatoren.

Anleger investieren blind

Was nach Kosten übrig bleibt, soll Gewinn bringend investiert werden. Doch zu Beginn seiner Beteiligung weiß ein Anleger nicht, in welche konkreten Anlageobjekte sein Geld fließen wird. Er macht also eine blinde Investition – in Finanzkreisen als Blindpool bezeichnet – und muss auf die richtigen Entscheidungen seiner Anlagefirma in der Zukunft vertrauen.

Im Imageprospekt verrät die Fran­konia, dass sie der „Nobelpreisträger-Wachstumsstrategie“ folgen will. Danach lohnt es sich unter dem Gesichtspunkt der größtmöglichen Risikostreuung und der hohen Flexibilität, das Vermögen auf vier Säulen zu stützen: Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen (50 Prozent), börsennotierte Aktien und Anleihen (20 Prozent), offene und geschlossene Immobilienfonds (20 Prozent) und abgeleitete Wertpapieren (Derivate) wie Optionen, Indexzertifikate und Hedgefonds (10 Prozent).

Schöngerechnete Renditen

Die Frankonia rechnet mit Renditen von 20,3 Prozent aus Unternehmensbeteiligungen, 12,5 Prozent aus derivaten Wertpapieren, 9 Prozent aus Aktien sowie 7 Prozent aus Anleihen und Immobilien. Im Schnitt soll dabei für Anleger eine Rendite von 14,42 Prozent herauskommen. Doch das ist aus Sicht von Finanztest utopisch.

Das müsste auch die Frankonia wissen. Die Gesellschaft weist zum Beispiel für das Jahr 2002 laut Frankonia-Vorstand Rudolf Döring einen Jahresfehlbetrag von rund 4,2 Millionen Euro aus. Das Eigenkapital der Frankonia hatte sich dadurch innerhalb des Jahres 2002 um rund 5 Millionen Euro vermindert. Für das Jahr 2003 geht Döring von einem Jahresüberschuss von gut 1 Million Euro aus.

Selbst wenn die Frankonia die angestrebten Renditen erzielen sollte, bliebe dem Anleger nach Abzug aller Kosten sehr viel weniger. Laut Beispielrechnungen läge seine Rendite – vor Steuern – nur zwischen 5,1 und 6,5 Prozent bei einer Anlagedauer von 16 Jahren.

Auch Totalverlust ist möglich

Renditen zwischen 5 und 6,5 Prozent wären für eine Altersvorsorge ja gar nicht schlecht. Das Problem ist nur, dass sie in keiner Weise sicher sind. Denn sicher ist bei unternehmerischen Beteiligungen gar nichts.

Alles in allem funktioniert das Beteiligungsmodell der Frankonia ganz ähnlich wie ihre früheren Angebote, die so genannten atypisch stillen Beteiligungen. Von diesen hatte sich die Frankonia Ende 2002 verabschiedet, weil Verbraucherschützer wie auch Finanztest vor den Risiken warnten.

Die neuen Teilhaber haften jetzt als Gesellschafter (Kommanditisten) mit ihrer Einlage für Verluste – ähnlich wie früher die „atypisch still“ Beteiligten.

Im offiziellen Emissionsprospekt der CSA-Fonds-5 KG ist ausdrücklich „auch das Totalverlustrisiko des eingesetzten Kapitals“ erwähnt.

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