Mobil­funk­netze im Test Es geht voran

Mobil­funk­netze im Test - Es geht voran
Mobil­funk­netze im Vergleich. Telekom liegt vorn – auch in der Stadt. © Stiftung Warentest / Hendrik Rauch

Auf der Suche nach dem besten Hand­ynetz zeigt unser Test: 5G ist noch kein Stan­dard, schnelles Surfen klappt trotzdem.

Mobil­funk­netze im Test Alle Testergebnisse für Mobil­funk­netze 04/2022

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Liste der 3 getesteten Produkte
Mobil­funk­netze 04/2022
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O2, Telekom und Vodafone im Vergleich

Funk­löcher, Gesprächs­abbrüche, Ruckel­videos: Mobil­funk kann nerven. Er tut es aber immer seltener, wie unser Test zeigt: Wir spulten in unseren Mess­fahr­zeugen rund 4 000 Straßenkilo­meter herunter – in Städten, auf dem Land und auf Auto­bahnen. Dabei surften wir mit jedem der drei Netz­betreiber O2, Telekom und Vodafone auto­matisiert permanent im Internet. Zudem führten wir mehr als 5 000 Telefonate, etwa 1 770 pro Anbieter.

Alle drei Anbieter erzielen gute Ergeb­nisse

Gerade mal drei Telefonate brachen auf unseren Fahren ab – alle bei O2. Im Test vor fünf Jahren wurden wir noch 115 Mal unterbrochen, ungleich verteilt auf alle drei Anbieter. Ein Fort­schritt auch beim Surfen: Daten flitzen jetzt um ein Vielfaches schneller durch die Luft.

Kurz: Wir bekommen bei vergleich­baren Mobil­funk­kosten mehr Leistung als noch 2017. Obwohl wir diesmal strenger bewertet haben, schneiden alle drei Anbieter gut ab. Knapp vorn liegt die Telekom.

Unser Rat

Die Telekom behauptet den Spitzen­platz, wenn auch knapp. Bester Konkurrent ist Vodafone. Knapp dahinter liegt O2. Dieser Anbieter holte im Vergleich zum Test 2017 deutlich auf. Gut für den Geldbeutel: Ein neues Handy mit 5G für mobile Daten ist in den nächsten ein bis zwei Jahren nicht unbe­dingt nötig: Das 4G-Netz ist alltags­tauglich und das neue 5G-Netz noch lange nicht fertig.

Mobil­funk­netze setzen noch auf 4G

Mobil­funk klappt besser als beim letzten Test 2017. Den Fort­schritt beflügelt hat vor allem politischer Druck. Er führte zum Umbau und massiven Ausbau der Mobil­funk­netze:

  • LTE, das Mobil­funk­netz der 4. Generation (4G), nahm im letzten Jahr so richtig Fahrt auf. Allerdings erst nachdem die Bundes­netz­agentur die Netz­betreiber, vor allem O2, energisch gemahnt hatte, ihre 2015 einge­gangenen Verpflichtungen endlich einzuhalten. Heute bildet 4G das Rück­grat des Mobil­funks in Deutsch­land. Das hat vor allem die Mobil­funk-Netz­abdeckung verbessert.
  • UMTS, das Mobil­funk­netz der 3. Generation, wurde abge­schaltet. Die Frequenzen stehen nun für die effizienteren Mobil­funk­stan­dards LTE und 5G zur Verfügung. So kommen mehr Daten auf die Handys.
  • Das neue Mobil­funk­netz 5G entsteht gerade. Am weitesten fort­geschritten ist der Ausbau bei der Telekom. Das deutsche Unternehmen hat das beste Hand­ynetz – sowohl im städtischen wie auch im ländlichen Bereich.

Ohne Bahn und 1&1

Wie gut es sich in der Bahn telefonieren lässt, haben wir diesmal nicht geprüft. Auch der vierte deutsche Netz­betreiber 1&1 war nicht im Test.

Bahn:
Immer mehr Züge bieten WLan, neuere haben sogar für Mobil­funk durch­lässige Fens­terscheiben. Gut für Bahnreisende. Doch da die Umstellung der Züge noch voll im Gange ist, gäbe ein Netztest zurzeit ein nur verzerrtes Bild.
1&1:
Der neue vierte Netz­betreiber startete 2021. Er baut sein Funk­netz erst auf und bedient seine Kunden mit aktuellen Tarifen über das Netz von O2. Erst wenn 1&1 sein eigenes Funk­netz flächen­deckend an den Start bringt, werden wir es testen können.

5G: Telekom hat das beste Hand­ynetz

Alle drei Anbieter bauen ihre Mobil­funk­netze mit 5G-Technik aus. Besonders bei O2 wurden im Vergleich Präferenzen deutlich: erst die Städte, dann das Land. Die Frage, welches Hand­ynetz das beste ist, beant­wortet sich auch nach der Region: Wer über­wiegend in einem urbanen Umfeld unterwegs ist, kann getrost O2 nutzen, im ländlichen Bereich sind Telekom und Vodafone besser. Testsieger im Vergleich der Stiftung Warentest ist die Telekom, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.

Mobil­funk­netze im Test - Es geht voran
© Stiftung Warentest / Karen Adams

Vergleich zu 2017: Alles klappt besser

Im Alltag macht sich vor allem der inzwischen nahezu komplette Ausbau des LTE-Netzes bemerk­bar. Er kommt allen Mobil­funk­kunden mit einem LTE-fähigen Smartphone zugute. Gegen­über unserem Test von 2017 sahen wir deutliche Fort­schritte in drei Bereichen:

  • Bessere Sprach­qualität. Inzwischen laufen nahezu alle Gespräche über LTE, was die Sprach­qualität deutlich erhöht. Das gilt auch für Telefonate über Messenger, was wir exemplarisch bei Whats-App-Calls ermittelten. Messenger-Apps prüft die Stiftung Warentest regel­mäßig.
  • Mehr Internet-Speed. Daten werden per LTE ziemlich schnell über­tragen, Online­videos etwa ruckeln nur noch selten.
  • Kürzere Reaktions­zeiten. Statt rund zwei bis drei Sekunden für den Aufruf einer Internetseite dauerte es jetzt im Schnitt nur noch rund eine Sekunde.

Internet: Deutlich schneller als 2017

Bei allen drei Anbietern ist die mitt­lere Daten­rate im Test, verglichen mit den Ergeb­nissen von 2017, deutlich höher. Geblieben ist die Rang- und Reihen­folge: Die Telekom bietet das beste Mobil­funk­netz, O2 liegt hinten.

Mobil­funk­netze im Test - Es geht voran
© Stiftung Warentest / Karen Adams

Mobil­funk­netze im Test Alle Testergebnisse für Mobil­funk­netze 04/2022

Netz­abdeckung: O2 holte vor allem in den Städten auf

Den größten Fort­schritt können wir dem spanischen Anbieter Telefónica attestieren. Das hier­zulande als O2 vermarktete Unternehmen liegt in der Summe der Test­ergeb­nisse nur noch wenige Zehntelnoten hinter den Konkurrenten Telekom und dem britischen Anbieter Vodafone. Im Test 2017 landete O2 mit befriedigendem Gesamt­urteil auf Platz 3.

Ein noch besseres Ergebnis verhagelt O2 die deutliche Schwäche seines 5G-Mobil­funk­netzes außer­halb von Städten. Inner­städtisch dagegen liegen die Spanier beim Ausbau des 5G-Mobil­funk­netzes sogar vor Vodafone auf Platz zwei.

Trotz Fort­schritt Luft nach oben

Alle drei Netz­betreiber legten gegen­über 2017 zu, obwohl wir diesmal noch strenger bewertet haben. Luft nach oben bleibt aber dennoch. Der Grund: Vorhandene 5G-Netze schöpfen bislang ihre Möglich­keiten noch nicht aus. Das liegt unter anderem daran, dass sie Daten noch in einem relativ nied­rigen Frequenz­bereich über­tragen. Höhere Frequenzen würden sehr viel mehr, noch dichter stehende Funk­masten erfordern als heute. Da ist vor allem außer­halb der Städte noch viel aufzubauen.

Außerdem gibt es in Deutsch­land noch immer weiße Flecken ganz ohne Funk­netz. Genauso wie graue Flecken, wo nur ein einziger Netz­betreiber Mobil­funk anbietet. Den aktuellen Stand der Netzverfügbarkeit und Funklöcher zeigt die Bundes­netz­agentur.

Daten­tempo und Netz­ausbau lassen also trotz der guten Ergeb­nisse in unserem Test noch Wünsche offen – vor allem bei denen, die im Funk­loch wohnen oder arbeiten. 

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Unsere Test­ergeb­nisse gelten für alle mobilen Geräte mit Mobil­funk­anschluss. Vergleichen Sie gute und günstige Handys und lesen Sie, welches die am besten getesteten Tablets sind.

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AndiE57 am 07.04.2022 um 19:10 Uhr
O2 - Benachteiligung ehemaliger E-Plus Kunden

Grundsätzlich bin ich mit dem O2-Netz sehr zufrieden. Die Erreichbarkeit hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Allerdings können ehemalige E-Plus Kunden vom 'Hochgeschwindigkeitsnetz' 5G nicht profitieren. Sie werden nämlich nach wie vor im 4G und 5G Netz auf maximale 50 Mbit/s Downloadrate gedrosselt. Wege aus diesem Status scheinen kompliziert, insbesondere, wenn man seine Telefonnummer behalten möchte und werden von den Kundenbetreuern und -betreuerinnen, die das Thema selten kennen, auf unterschiedlich Weise beschrieben. Man muss nur mal in der O2 Community suchen. Es wäre schön, wenn die Stiftung Warentest mit O2 klären könnte, wann den treuen ehemaligen E-Pluslern eine einfache Lösung aus dieser Drosselung angeboten wird und wie diese Lösung aussehen soll. Als Kunde kommt man hier einfach nicht weiter. Nachlässe gibt es übrigens für diese Kundengruppe standardmäßig nicht. O2 sichert sich bei Vertragsänderungen immer noch mit einem Hinweis auf diese Drosslung ab.

Hukketin am 26.03.2022 um 17:35 Uhr
Discounter vs. "Original"

Gibt es eigentlich qualitative Unterschiede zwischen O2 und den zahlreichen Billiganbieter im gleichen Netz. Klar, die Bandbreite ist bei den günstigen Anbietern oft auf 50 Mbit/s oder sogar weniger begrenzt. Aber sonst? Ich habe in Berlin oft das Gefühl, dass andere mit originalem O2-Vertrag noch surfen können, wo ich schon im "Wartemodus" bin.

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.03.2022 um 10:57 Uhr
VoLTE im Test

@laertes2222: Im Testbericht schreiben wir ja: "Bessere Sprachqualität. Inzwischen laufen nahezu alle Gespräche über LTE, was die Sprachqualität deutlich erhöht." Und: "Gerade mal drei Telefonate brachen auf unserer Fahrt ab – alle bei O2. Im Test vor fünf Jahren wurden wir noch 115 Mal unterbrochen, ungleich verteilt auf alle drei Anbieter."
Wie gut/stabil die Verbindungen über VoLTE aber im Einzelfall sind, ist damit natürlich nicht gesagt. Allein wo und wie man sich im Netz bewegt, spielt eine große Rolle.

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.03.2022 um 10:52 Uhr
Fake-5G bei Telekom und Vodafone

@omkcgn: Bei unseren wirklich ausgedehnten Testfahrten im November hatte Vodafone noch keinen einzigen "echten" 5G-Standort, sondern - wie die Telekom - nur Pseudo-5G auf Basis von LTE.
Erst dieser Tage vermeldete Vodafone, einige tausend Masten mit reinem 5G zu betreiben. Aber diese 5G-Standorte von Vodafone laufen auf niedrigen Frequenzen (700 MHz) und liefern im besten Fall 100 Mbit/s (statt bis zu 1000 Mbit/s bei der Telekom in unserem Test).
Der Ausbau geht weiter (das ist schön), werbewirksame Aussagen der Netzbetreiber über sich selbst verschweigen aber regelmäßig den Pferdefuß, den wir mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand suchen.

laertes2222 am 25.03.2022 um 08:43 Uhr
VoLTE

Haben Sie auch die Zuverlässigkeit von VoLTE Gesprächen geprüft?
Bei mir (Telekom Netz, Sony Xperia 5ii) brechen die Gespräche ständig ab. Auch kein Rückfall auf das 2G Netz. Somit ist VoLTE zwar im Vertrag enthalten, aber effektiv nicht nutzbar, da es doch sehr unangenehm ist, wenn wichtige Gespräche abbrechen. Daher habe ich es ausgeschaltet.