Bestattungs­formen

Mit der Veränderung der Gesell­schaft – weniger religiöse Bindungen, mehr Singles, verstreut lebende Familien­mitglieder – wandelt sich auch unsere Bestattungs­kultur. Wir zeigen, welche Möglich­keiten es für die letzte Ruhe­stätte gibt – von traditionell bis modern.

Friedhof

Die meisten Friedhöfe haben verschiedene Grab­arten, etwa Wahl- und Reihengräber. Beim Reihen­grab bekommen Interes­senten das nächste freie Grab in einer angelegten Reihe. Die Ruhe­zeit ist nicht verlänger­bar und liegt häufig zwischen 15 und 20 Jahren. Es eignet sich daher nicht als Familien­grab. Beim Wahl­grab kann die Lage dagegen ausgesucht werden. Oft können bis zu vier Personen beigesetzt werden. Die Ruhe­zeit kann auf Wunsch verlängert werden.

Begräb­niswald

5 Prozent aller Verstorbenen fanden im Jahr 2014 ihre letzte Ruhe unter Bäumen. Bei einer Wald­bestattung wird die Asche in einer biologisch abbaubaren Urne im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt. Nur an kleinen Gedenk­tafeln lässt sich erkennen, dass der Baum eine Grabstätte ist. Die Bäume können auch schon zu Lebzeiten ausgesucht und gepachtet werden. Eine Such­maschine im Internet hilft bei der Auswahl (naturbestattungen-online.de).

Urnenkirche

Früher genossen nur Könige, hohe Geist­liche oder Adlige das Privileg der letzten Ruhe­stätte in einer Kirche. Heute gibt es in Deutsch­land mehr als 30 Urnenkirchen, die jedem offen­stehen. Urnenkirchen sind ehemalige Gottes­häuser oder Teile davon, die heute für Urnen­bestattungen genutzt werden, so wie die Aachener Grabeskirche St. Josef. Die Urnen werden hier in hohen Stelen mit mehreren Kammern beigesetzt.

Gedenk­steine

Asche-Skulptur. In der kleinen runden Gedenks­kulptur befindet sich in der Mitte einge­schmolzene Krematoriumsasche.
Diamant­bestattung. Aus dem Kohlen­stoff menschlicher Kremations-Asche kann ein Erinnerungs­diamant gefertigt werden. In Deutsch­land ist es allerdings nicht erlaubt, die Toten­asche zu trennen. Außerdem gilt eine Bestattungs­pflicht. Beide Angebote verstoßen daher gegen die Vorschriften hier­zulande. In der Schweiz ist aber beides möglich.

Memoriam-Garten

Was bei flüchtigem Hinsehen aussieht wie ein hübscher kleiner Park mit Skulpturen, heißt Memoriam-Garten. Er beher­bergt mehrere Gräber, die von Gärtnern über die gesamte Dauer der Liege­zeit gepflegt werden. Die Grab­pflege muss im Voraus bezahlt werden. Im Internet (memoriam-garten.de oder ruhegemeinschaften.info) lässt sich heraus­finden, ob eine solche Gemein­schafts­grab­anlage in der Nähe ist.

Anonyme Bestattung

Etwa jeder sechste Verstorbene wird in Deutsch­land inzwischen anonym auf einem Friedhof bestattet. Anonym bestattet heißt: Die Urne eines Verstorbenen wird in einem Gemein­schafts­feld – meist eine große Wiese – beigesetzt. Dabei wird nicht gekenn­zeichnet, wo genau eine Urne begraben wurde. Manchmal erinnert ein Namens­schild auf einem Gedenk­stein am Rand an die Verstorbenen.

Urnen­grab im Kolum­barium

Eine Grabkammer mit vielen Nischen, in denen Urnen stehen, heißt Kolum­barium. Bei manchen ist die Nische mit einer Steinplatte versiegelt. Kolum­barien gab es schon bei den Römern. Heute findet man sie entweder als Urnenwände unter freiem Himmel oder in eigenen Hallen, wie hier auf dem Friedhof Berlin-Wilmers­dorf. Kolum­barien sind ein würdevoller Ort zum Trauern ohne Grab­pflege.

Seebestattung

Einer Seebestattung geht immer die Einäscherung des Verstorbenen voraus. Die Asche wird anschließend außer­halb der Drei-Meilen-Zone in einer Spezialurne, die sich im Wasser auflöst, versenkt. See-Bestattungen für Urnen sind in Deutsch­land seit 1934 möglich. In Frage kommen die Ost- oder die Nordsee. Kränze, Gestecke oder persönliche Gegen­stände, die sich nicht zersetzen, dürfen nicht ins Wasser gelassen werden.

Urne zu Hause aufbewahren

Die Urne mit der Asche seiner Lieben zu Hause aufzustellen, ist deutsch­land­weit verboten. Wer sich darüber hinwegsetzt, begeht eine Ordnungs­widrigkeit, für die ein Bußgeld droht: abhängig vom Bundes­land sind Höchst­beträge zwischen 1 000 und 20 000 Euro möglich. „Mir ist nicht bekannt, dass jemand dieses Bußgeld schon einmal bezahlen musste“, sagt Alexander Helbach, Sprecher von Aeternitas, einer Verbraucher­initiative für Bestattungs­kultur.

Baum der Erinnerung

Aus der Toten­asche wächst ein Baum – das ist die Idee der noch jungen Bestattungs­form von „Tree of Life“. Die Asche eines Verstorbenen wird mit einem eigens dafür entwickelten Erd-Vitalgranulat vermischt. Anschließend wird in diesen Boden ein junger Baum gepflanzt, der dann die Asche voll­ständig aufnimmt. Dieser Prozess dauert etwa 6 bis 9 Monate. Danach kann der Baum umge­pflanzt werden, zum Beispiel in einen Urnenhain oder auch in den eigenen Garten. Die Baumschulen der Firma befinden sich in Holland oder Tschechien, damit es keine Konflikte mit deutschen Bestattungs­gesetzen gibt.

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