Bestattungen Test

Die Beratung in einem Bestattungsinstitut ist oft eine Gratwanderung zwischen Pietät und Profit. Wir haben Bestatter getestet und informieren über Preise und Formalitäten.

Mit dem Thema Tod und Bestattung kann man sogar einen TV-Quotenhit landen. Zumindest in den USA, wo die Bestattersoap „Six Feet Under“ (zu deutsch etwa „1,80 Meter unter der Erde“) Kultstatus erlangte. Hierzulande tut sich die Serie schwerer. Der lockere Umgang mit Tod und Sterben kommt bei uns offenbar nicht so gut an.

„Gestorben wird immer“ – der deutsche Untertitel der Serie erweckt den Eindruck, das Bestattungsgewerbe sei krisenfest. Doch die Branche stöhnt. Die Deutschen geben für den letzten Abschied immer weniger aus. Mit dem Wegfall des Sterbegelds sind die Umsätze in diesem Jahr noch einmal gesunken.

Verschleierungstaktik

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Bestatter haben nicht den besten Ruf. Sie nutzten, so der häufigste Vorwurf, die emotionale Ausnahmesituation angesichts des Todes eines Angehörigen aus, um ihren Umsatz kräftig nach oben zu treiben. Mit Pietät zum maximalen Profit: Stimmt der Vorwurf? Das Ergebnis unseres Tests der Beratung von Bestattungsinstituten trägt zur Entlastung der Branche nicht bei. Zwar waren die Rahmenbedingungen und die Gesprächsführung bei den meisten Beratungen ohne Fehl und Tadel. Auch die Informationen sind überwiegend „befriedigend“.

Wenn es aber ums Geld geht, greifen viele Bestatter zur Verschleierungstaktik. Nicht überall werden die Preise klar offen gelegt. Und schlimmer: Die meisten Bestatter gehen auf den ausdrücklichen Wunsch nach einer preisgünstigen Bestattung nicht ein. In der Regel unterbreiten sie dem Kunden ein wesentlich umfangreicheres Angebot. Im Prüfpunkt Kostentransparenz war kein Unternehmen besser als „befriedigend“, Ahorn-Grieneisen und EFS Bestattungen sind hier sogar „mangelhaft“.

Mit 250 Geschäftsstellen ist Ahorn-Grieneisen das größte von rund 3 800 Bestattungsunternehmen in Deutschland. Meist sind es Familien- und Kleinbetriebe. In den Test haben wir neben dem Marktführer zehn weitere Filialbetriebe einbezogen, ebenso neun Berliner Einzelanbieter und neun Institute, die ihr Angebot über das Internet (preiswert-bestattung.de) vermarkten. Wir haben uns in drei Varianten beraten lassen und um eine Kostenaufstellung gebeten. Im ersten Modell sollte die Beerdigung der schwer kranken Großtante vorbereitet werden. Gewünscht war eine möglichst preiswerte Erdbestattung mit den nur unbedingt notwendigen Leistungen. Im Modell zwei ging es um eine gehobene Erdbestattung für eine ebenfalls schwer kranke Tante. Die dritte Beratungsvariante hatte die Vorbereitung eines Vorsorgevertrags für eine gehobene Erdbestattung zum Inhalt.

Über 1 000 Euro Differenz

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Beratung im Bestattungsinstitut: Im Test wurden nicht alle Preise klar offen gelegt.

Schon die Preisunterschiede für eine einfache Erdbestattung sind beträchtlich und nur bedingt mit regionalen Unterschieden zu erklären. Die Preisspanne zwischen den Unternehmen reicht von 499 bis 1 570 Euro für die Bestatterleistung. Doch richtig mysteriös wird es, wenn man die Mindestpreise der Anbieter, die sie uns per Anfrage offiziell nannten, mit denen vergleicht, die dem Kunden (Tester) offeriert wurden.

Mit über 1 000 Euro war die Differenz bei den Bestattern EFS, Ahorn-Grieneisen und Hanrieder am größten. Auch bei Antea und Kops hätten wir rund 800 bis 900 Euro mehr als notwendig zahlen müssen. Die offiziellen Mindestpreise wurden unseren Testern lediglich bei Münzel und Novis genannt.

Bei Hanrieder hätte allein der Sarg 1 108 Euro gekostet – mehr als der Gesamtpreis bei Novis und Schumacher. Auch bei der Sarginnenausstattung (inklusive Decke und Kissen) lag Hanrieder mit 253 Euro vorn. Gewünscht war wohlgemerkt die einfachste Variante, die es bei anderen Bestattern schon ab 91 Euro gab.

Für die gehobene Erdbestattung (Modell 2 und 3) veranschlagten die Institute zwischen 1 724 und 6 425 Euro. Im Durchschnitt muss man hierfür mit Bestatterkosten von zirka 3 000 Euro rechnen.

Detaillierte Kostenvoranschläge sind in der Branche nicht selbstverständlich. Selbst unsere geschulten Tester, die diese ausdrücklich verlangten, erhielten mitunter nur einen Notizzettel mit einer Pauschalsumme. Und wenn es eine Übersicht gab, fiel die Leistungsbeschreibung meist mager aus. Nur knapp jede zweite wies beispielsweise die Holzart des Sarges aus. Viele andere Details blieben völlig im Dunkeln. Unter diesen Bedingungen ist ein Preisvergleich denkbar schwierig.

Übrigens: Sichtbar aushängende Preislisten in den Geschäftsräumen haben wir selten entdeckt.

Auch das Informationsmaterial, wenn überhaupt vorhanden, sagt häufig nichts über die Kosten. Mitunter gibt es nur Pauschalpreise für Leistungspakete, die alles Notwendige enthalten sollen. Pauschalpreise seien beliebt, sagen die Bestatter, den Preisvergleich machen sie aber nicht einfacher.

Die Leistungen der Bestatter

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Sarglager: Je nach Material und Ausführung kostet ein Sarg zwischen 300 und 6 000 Euro.

Das Angebot eines Bestatters setzt sich aus drei Kostenblöcken zusammen:

  • eigene Waren und Leistungen,
  • Fremdleistungen (zum Beispiel Anzeigen, Blumen)
  • sowie Friedhofs- und andere Gebühren. Zu den Eigenleistungen des Bestatters gehören im Wesentlichen: Überführung, Sarg mit Sargausstattung, Deckengarnitur und Totenbekleidung, Ankleiden und Einbetten, Aufbahrung, Dekoration der Trauerhalle, Organisation der Trauerfeier, die Urne und die Erledigung der notwendigen Formalitäten. Hinzu kommen die Gebühren für Beisetzung und Grabnutzung – manchmal die größten Posten.

Beraten viele Bestatter schon über ihre eigenen Leistungen zu pauschal, zeigten sie sich über die Kosten für Steinmetzarbeiten (Grabstein, Einfassung) und Grabpflege mitunter wenig oder gar nicht informiert. Auch die Friedhofsgebühren hatte nicht jeder parat.

Teure Friedhöfe

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Schmuckurnen können bis zu 500 Euro kosten. Einfache Urnen gibt es schon ab 25 Euro.

Friedhöfe dürfen zwar keine Gewinne erzielen, dennoch sind ihre Gebühren höchst unterschiedlich. Ebenso die Mindestdauer für die Grabnutzung. Sie reicht je nach Friedhof in der Regel von 10 bis 30 Jahren. Nach einer Übersicht für größere Städte der Verbraucherinitiative Aeternitas – von ihr stammt auch unsere Kostenübersicht (siehe „Bestattungskosten“) –, ist die Bandbreite enorm. Die höchsten Friedhofsgebühren fallen mit 2 358 Euro im rheinländischen Stolberg an. Dort müssen für ein Erdreihengrab 1 095 Euro Grabnutzungsgebühr für 30 Jahre und 1 263 Euro Bestattungsgebühren bezahlt werden. In Esslingen werden den Hinterbliebenen dagegen insgesamt nur 661 Euro in Rechnung gestellt, davon entfallen 455 Euro auf die Grabnutzung (15 Jahre) und 206 Euro auf die Bestattung.

Auch bei Feuerbestattungen, die kontinuierlich zunehmen und beispielsweise in Berlin schon einen Anteil von 75 Prozent ausmachen, sind Bestattungs- und Grabkosten sehr unterschiedlich. Am teuersten kommt die Urnenbestattung mit insgesamt 1 894 Euro in Köln (616 Euro Bestattung, 1 278 Euro Grabnutzung für zwölf Jahre). Trotz 30-jähriger Nutzungsdauer kostet dagegen ein Urnengrab in Bergheim nur 65 Euro. Insgesamt sind hier nur 284 Euro fällig.

Lesererfahrungen

Bestattungen Test

Die Vorbereitung eines Sarges in einem Bestattungsunternehmen.

In unserem Test konnten wir naturgemäß nur die Beratung und die Kosten von Bestattungsinstituten vergleichen. Wie die Bestattung insgesamt verlief, wollten wir von Lesern wissen. 195 Betroffene haben unseren Online-Fragebogen ausgefüllt. Ergebnis: Fast 70 Prozent waren mit der Bestattung sehr zufrieden und würden das ausgewählte Institut wieder beauftragen. Knapp 20 Prozent waren einigermaßen zufrieden. Rund jeder Zehnte berichtete aber von Problemen. Als ein einziges Trauerspiel gestaltete sich zum Beispiel eine Beerdigung in Hamburg. Das Bestattungsinstitut hatte den Auftrag vergessen und nichts vorbereitet. Die Trauergemeinde stand vor dem nackten Sarg. Als Sargträger wurden kurzerhand vier Friedhofsarbeiter angeheuert, die damit überfordert waren und fast „ins Grab zu stürzen drohten“.

Die meisten Beschwerden bezogen sich aber auf die Kosten und die Abrechnung. Die günstigste Bestattung schlug mit 600, die teuerste mit sage und schreibe 18 000 Euro zu Buche. Für viele muss die Endabrechnung des Bestattungsinstituts ein rechter Schock gewesen sein. Fast jeder Dritte, der keine Preisabsprachen getroffen hatte, und immerhin noch nahezu jeder Zehnte mit Preisvereinbarung musste am Ende mehr zahlen als erwartet, im Extremfall sogar das Doppelte. Natürlich ist der Schluss, dass sich die Bestatter zusätzlich bedient haben, nicht uneingeschränkt zulässig. Es könnten zum Beispiel Gebühren hinzugekommen sein, über die im Beratungsgespräch nicht informiert wurde. Mit einer umfassenden und kostentransparenten Beratung könnte die Branche die Zufriedenheit ihrer Kunden sicher deutlich erhöhen.

Unzulässige Klauseln

Die juristische Prüfung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen förderte etliche unzulässige Klauseln zutage. Vor allem bezüglich Preis- und Leistungsänderungen sowie der Kündigung von Vorsorgeverträgen räumen sich einige Bestatter unerlaubte Vorteile ein.

„Eigentlich geht es beim Bestatten nicht um den Toten“, sagt der Bergisch-Gladbacher Bestatter Fritz Roth, „sondern um die Trauernden“. Doch die würden in Deutschland, wo es zu viele Normen und Einschränkungen gäbe, oft allein gelassen. Deshalb hat Roth eine private Trauerakademie gegründet, in der er sich für einen bewussten Umgang mit Tod und Trauer einsetzt.

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