Bestattungskultur: Vom Gottesacker zur Weltraumbestattung

Bestattungen Test

Krematorien gestern und heute: Die Urnenhalle (Kolumbarium) im Krematorium Berlin-Wilmersdorf im neoklassizistischen Stil (1919 bis 1922).

Tod und Bestattung waren lange Sache der Kirche. Jetzt erlebt die Bestattungskultur einen Umbruch.

Schon in der Antike gab es Bestattungsunternehmen. Sie organisierten für wohlhabende Bürger aufwendige Beisetzungen mit Salbung, Aufbahrung und einem prächtigen Leichenzug. Nachdem vom Mittelalter an die christlichen Kirchen die Bestattungskultur bestimmten, führte im Zuge der Aufklärung die wachsende Skepsis gegenüber dem Christentum zu einer Verweltlichung des Todesbrauchtums. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten privaten Bestattungsunternehmen der Neuzeit. Heute erlebt die Bestattungskultur einen dramatischen Wandel. Durch die wachsende Auflösung traditioneller Bindungen (Ehe, Familie, kirchliche Gemeinschaften) und die Mobilität der Menschen wird auf einen Ort der Erinnerung mitunter kein Wert mehr ge­legt. Anonyme (namenlose) Bestattungen nehmen zu. Inzwischen gibt es für die letzte Reise die ausgefal­lens­ten Angebote, See- und Luftbe­stat­tun­gen (mit Ballon) etwa. Wer will und viel Geld hat, kann seine Asche in den Weltraum schießen lassen. Auch auf der Erde führt der letzte Weg mitunter nicht zum Friedhof, sondern in einen Bestattungswald. Hier wird die menschliche Asche in einer Urne aus ge­pres­stem Maismehl zur letzten Ruhe in die Baumwurzeln eingebettet.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3212 Nutzer finden das hilfreich.