Wer einen Angehörigen zu Grabe trägt, fragt selten nach finanziellen Details. Das nutzen manche Bestatter aus. Gern verkaufen sie den Hinter­bliebenen mehr als nötig. Im Test: Sechs über­regional tätige Bestattungs­unternehmen sowie sieben Bestatter aus Lippstadt.

Hauptsächlich Familienbetriebe

Die meisten Bestatter in Deutschland sind Einzelunternehmen. Überregional tätige Ketten- und Filialbetriebe wie Antea, Grieneisen und Novis haben nur einen geringen Marktanteil. Daher exemplarisch mit im Test: Sieben Bestatter aus dem westfälischen Lippstadt. Die überregionalen Ketten- und Filialbetriebe berieten inhaltlich alle „gut“. Meist gingen sie auf Kundenwünsche ein. Die Einzelbetriebe hielten sich mit Informationen dagegen etwas zurück. Bei der Kostentransparenz war es genau umgekehrt: Hier gaben sich die Großen etwas zugeknöpft, während viele Einzelbetriebe mit detaillierten Kostenübersichten glänzten.

Der Test

Alle Unternehmen bekamen Besuch von Testern, die sich verdeckt zu drei Modellfällen beraten ließen. Unter anderem fragten sie nach einer möglichst preiswerten Feuerbestattung für ihre schwerkranke Großtante. Die Antworten im Test reichten von 925 Euro bis 2 300 Euro. Hinzu kommen Gebühren für die Beisetzung, Grabanlage und Grabnutzung. Etwa 750 bis 3 800 Euro - je nach Friedhof und Bundesland. Wer die Grabstelle selbst aussuchen möchte und einen besonderen Sarg wünscht, zahlt noch mehr. Im Durchschnitt zahlen Hinterbliebene insgesamt rund 6 000 Euro für eine Bestattung.

Teurer als nötig

Während die Tester verdeckt als Kunden auftraten, fragte die Stiftung Warentest offen nach den Preisen. Auffällig: Die Tester sollten fast immer mehr zahlen als den möglichen Tiefstpreis, den die Bestatter der Stiftung Warentest mitteilten. Hier reichte die Spanne von 550 bis 1 700 Euro. Im Beratungssgespräch ignorierten viele Bestatter den Kundenwunsch nach einer möglichst preiswerten Beerdigung. Stattdessen erweiterten sie gern das Angebot: etwa mit Blumenschmuck, Zeitungsanzeigen oder einer Trauerfeier.

Pauschale Angebote

Manche Bestatter werben mit Pauschalangeboten. Das klingt günstig und erweckt den Eindruck, damit seien alle Kosten abgedeckt. Doch bei genauerer Betrachtung erweisen sich die Pauschalen meist als Mogelpackung. Am Ende kommen in der Regel noch weitere Leistungen hinzu. Weiterer Nachteil von Pauschalen: Wenn die einzelnen Posten nicht aufgeführt sind, ist ein Preisvergleich schwierig. Beispiel: Ein schlichter Kremationssarg kostet etwa 400 Euro. Viele Bestatter veranschlagten dafür aber 500 bis 600 Euro.

Ergebnisse der Online-Umfrage

Parallel zum Test berichteten rund 1 000 Leser in einer Umfrage auf test.de über ihre Erfahrungen mit Bestattern. Erfreuliches Ergebnis: 90 Prozent waren zufrieden oder sehr zufrieden. 63 Prozent würden das Unternehmen erneut beauftragen. Jeder Zehnte hatte aber Grund zur Klage. Häufig gab die Rechnung Anlass zur Miss­stimmung. Mitunter tauchten darin teure Posten auf, die vorher nicht abgesprochen wurden. Einige Bestatter rückten erst mit preiswerten Angeboten heraus, wenn sie merkten, dass die Kunden informiert waren. Viele fühlten sich von den Bestattern unter Druck gesetzt. Manche redeten den Trauernden ein schlechtes Gewissen ein, um teure Extras durchzusetzen. Nur 13 Prozent der Befragten hatten Vergleichs­angebote bei anderen Bestattern eingeholt. Häufiges Fazit: Wenn sie sich vorher mit der Materie beschäftigt hätten, würden sie vieles anders machen.

test Spezial Bestattungen

Bestatter Test

Gedenke, dass Du sterben musst! Dieser Mahnruf aus der Antike scheint heute vergessen. Tod und Sterben spielen im Alltag fast keine Rolle. Viele blicken dem Tod erst ins Auge, wenn ein Familien­mit­glied oder Freund stirbt. Dann muss alles schnell gehen: Bestatter beauf­tragen, Grab wählen, Angehörige informieren. Besser ist es, sich frühzeitig mit dem Tod und der Bestattung auseinanderzusetzen. Das test Spezial Bestattungen bringt umfangreiche Informationen für den Trauerfall. Es erklärt die Formalitäten, informiert über die Rechtslage, zeigt die Kosten, hilft bei der Trauerarbeit. Das Heft kostet 7,50 Euro. Sie können es hier online bestellen.

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