Besser sehen Test

Wenn im Alter die Sehkraft nachlässt oder Erkrankungen die Sicht trüben, werden ganz alltägliche Aktivitäten wie Lesen oder Fernsehen mühsam. Sprechende Geräte und vergrößernde Seh­hilfen können das Leben dann erleichtern.

Der spannende Krimi liegt schon seit Monaten in der Ecke? Die morgendliche Zeitungslektüre dauert ewig und strengt an? Was im Fernsehen passiert, ist nur aus nächster Nähe zu erkennen? Mit zunehmendem Alter vermindert sich die Sehschärfe, aber auch medizinische Probleme wie die Trübung der Augenlinse oder Erkrankungen der Netzhaut können Ursache sein, wenn die Augen schnell ermüden oder die Umgebung scheinbar im Nebel versinkt (siehe auch „Augenerkrankungen“).

Ein Besuch beim Augenarzt kann die Gründe für die nachlassende Sehkraft aufdecken. Vielleicht ist nur eine neue Brille nötig oder es gibt medizinische Hilfe, zum Beispiel eine Operation. Der Augenarzt ermittelt auch die Sehschärfe – Ärzte und Augenoptiker sprechen vom Visus. Der lässt sich mithilfe einer Sehtafel messen, die Zahlen, Buchstaben und andere Sehzeichen zeigt. Der normale Visus ist altersab­hängig. Bei einem 20-Jährigen liegt er etwa bei Werten um 1 oder höher, bei einem 80-Jährigen zwischen 1 und 0,6.

Vergrößerung und Licht entscheidend

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Wer immer näher vor den Fernseher rücken muss, um noch etwas zu erkennen, kommt vielleicht mit einer Fernsehbrille besser klar. Mit den Einstellrädern an der Seite kann sie angepasst werden. Ähnliche Brillen gibt es zum Beispiel auch für Konzert und Theater oder Sportstadien.

Wenn die Sehschärfe weiter abnimmt, reicht eine reguläre Brille für den Durchblick oft nicht mehr aus. Es gibt aber zusätzliche Sehhilfen, die das Leben erleichtern können. Lesen macht so wieder Freude, die Kontoauszüge lassen sich entschlüsseln, die Supermarktregale geben ihre Geheimnisse preis. Schwache Augen brauchen vor allem Vergrößerung, mehr Licht und stärkere Kontraste. Auf diesen Prinzipien beruhen die gängigen Sehhilfen wie Lupen oder Spezialbrillen. Die Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten, wenn beide Augen „eine schwere Sehbeeinträchtigung“ aufweisen und der Visus auf dem besseren Auge höchstens 0,3 beträgt.

Wir haben eine kleine Auswahl vergrößernder Sehhilfen getestet und uns auch angehört, ob sprechende Geräte die nachlassende Sehkraft ausgleichen können. Drei Frauen und zwei Männer zwischen 45 und 89 Jahren mit einer Seheinschränkung (Visus 0,6 bis 0,3) und zwei Experten haben die Sehhilfen geprüft. Die Testpersonen sind durch verschiedene Augenprobleme in ihrer täglichen Lebensführung beeinträchtigt. Sie können zum Beispiel gar nicht mehr oder nur mit Lupe und sehr hellem Licht lesen, müssen ganz nah vor dem Fernseher sitzen oder können sich beim Einkaufen schlecht orientieren.

Hilfreich, aber mit Tücken verbunden

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Die Standlupe ist beleuchtet und kann auch benutzt werden, um Formulare auszufüllen. Die ungewohnte Haltung mit nach vorne gebeugtem Kopf kann auf Dauer ermüden.

Ähnlich wie bei den Hörhilfen kritisierten unsere Tester auch diesmal die Gebrauchsanleitungen. Gerade für Sehbehinderte ist die Schrift fast aller Bedienungsanleitungen viel zu klein und schlecht zu lesen. Alternativen, wie zum Beispiel gesprochene Anleitungen auf CD, gibt es nicht. Auch etliche Abbildungen sind sehr klein. Manchmal fehlen Illustrationen, die einzelne Bedienelemente oder die Programmierung der Geräte erläutern, sogar völlig. Die Programmierung und die alltägliche Handhabung sind ebenfalls häufig mit Tücken verbunden, obwohl sich die meisten getesteten Alltagshelfer durchaus als hilfreich erwiesen (siehe Produktbeschreibungen).

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Die digitale Leselupe nimmt den Text mit einer Kamera auf und vergrößert ihn. Im Bild ist die vierfache Vergrößerung zu sehen.

Wer sicher sein will, dass er mit den Sehhilfen zurechtkommt, sollte sich aber am besten schon vor dem Kauf um technische Unterstützung bemühen. Vor der Auswahl ist außerdem zu überlegen, ob sie zum Lesen, Schreiben oder Fernsehen benutzt werden sollen, um Straßenschilder oder Fahrpläne lesen zu können, für Konzert oder Theater. Für manche Aktivitäten reicht schon eine verstärkte Lesebrille aus.

Tipp: Probieren Sie beim Augenoptiker verstärkte Lesebrillen aus. Dort gibt es meist auch Lupen mit unterschiedlicher Vergrößerung, mit Beleuchtung oder im Scheckkartenformat. Vergleichen und probieren Sie unter vielen ähnlichen Hilfsmitteln mehrere aus, um das richtige zu finden. So sehen Sie auch, welche Vergrößerung am besten funktioniert, denn mit zunehmender Vergrößerung werden der Arbeitsab­stand und das Blickfeld kleiner. Auch Sehbehinderten- und Blindenvereine bieten häufig die Möglichkeit an, verschiedene Sehhilfen auszuprobieren.

Es gibt aber auch immer mehr Produkte mit Sprachansage, häufig medizintechni­sche Geräte. Gerade bei nachlassender Sehkraft können sie hilfreich sein, um mühsames Entziffern zu vermeiden. Apotheken, Sanitätshäuser und Seniorenläden zum Beispiel bieten solche Geräte an.

Tipp: Achten Sie vor dem Kauf vor allem auf die Stimme und Tonqualität. Was unsere Testpersonen an den sprechenden Geräten auf Dauer manchmal störte, waren zum Beispiel Begrüßungsfloskeln, wie „Hallo“ oder „Guten Morgen“ bei jeder Benutzung.

Filtergläser und Fernrohrlupenbrillen

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Der Vergrößerungsschirm fürs Fernsehen ist unpraktisch und wacklig. Er vergrößert zwar das Fernsehbild, doch das ist vor allem an den Rändern verzerrt.

Wenn die Sehkraft weiter nachlässt, gibt es weitere Hilfsmöglichkeiten. Der Augenarzt kann zum Beispiel eine Brille mit Filtergläsern zur Steigerung des Kontrasts verordnen. Für die Ferne kommen Fernrohrlupenbrillen infrage, für zuhause elektronische Hilfsmittel wie Bildschirmlesegeräte mit 30facher oder noch stärkerer Vergrößerung. Gründliche Untersuchungen und Beratung bieten zahlreiche Kliniken in ihren Ambulanzen für vergrößernde Sehhilfen oder Sehbehinderte an. Dort kann man verschiedene Hilfsmittel ausprobieren.

Beim niedergelassenen Augenarzt gibt es manchmal ebenfalls eine sogenannte „low-vision-Sprechstunde“. Eines gilt übrigens für alle vergrößernden Sehhilfen: Man muss ein wenig üben, um sie gut und nutzbringend anwenden zu können.

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