Wohnung anpassen: Alters­gerecht umbauen mit Förderung – oder umziehen

Besser leben im Alter Test

Vorher Haus mit Treppen, jetzt barrierefreie Wohnung: Wolfgang Gers­tenlauer, 62, und Ehefrau Renate, 59, fahren mit dem Aufzug in den dritten Stock.

Ein Umzug oder ein Umbau können das Altern zu Hause erleichtern. Es gibt viele Finanzierungs- und Beratungs­angebote.

Mit den sechs Kindern war das große Haus im Grünen bei Ulm genau richtig. Jetzt sind alle ausgezogen – auch die Eltern. Die vielen Zimmer und der große Garten wurden ihnen mehr und mehr zur Last. „Wir fragten uns, wie und wo wir unsere letzte Lebens­phase verbringen wollen“, sagt Renate Gers­tenlauer, 59.

Gerade im Alter, wenn die Beweglich­keit nach­lässt, entscheidet die Wohn­situation über die Lebens­qualität. Das alte Haus hatte viele Treppen und die Bäder waren nicht behindertengerecht. Ein Umbau hätte sich aufgrund der hohen Kosten kaum gelohnt. Auch das Wohn­umfeld bereitete dem berufs­tätigen Ehepaar Sorgen. Wolfgang Gers­tenlauer, 62, ergänzt: „Dort im Dorf gibt es keinen Supermarkt. Zum Theater brauchten wir eine halbe Stunde mit dem Auto.“

Ohne Barrieren altern

Nach einer Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) schätzt nur knapp ein Drittel der Generation über 50 ihre Wohn­situation als alters­gerecht ein. Wer gern so lange wie möglich zu Hause wohnen will, sollte seine Wohn­situation auf alters­gerechte Kriterien über­prüfen:

  • Der Wohn­raum ist eben­erdig oder über einen Aufzug erreich­bar.
  • Die Türen sind breit genug und die Räume groß­zügig geschnitten.
  • Es gibt keine Stufen oder Schwellen.
  • Das Bad bietet genügend Platz und die Sanitär­einrichtungen sind barrierefrei.
  • Alltägliche Bedien­vorrichtungen etwa der Heizung sollten leicht bedien­bar sein.
  • Die Fenster sind zum Lüften und Rausschauen auch im Roll­stuhl erreich­bar.
  • Das Wohn­umfeld weist eine geeignete Infrastruktur auf, wie eine gute Anbindung an öffent­liche Verkehrs­mittel, Einkaufs­möglich­keiten und Ärzte in der Nähe.

Schwere Entscheidung treffen

Das Haus der Familie Gers­tenlauer erfüllte keines dieser Kriterien. Der Schulleiter Wolfgang Gers­tenlauer erzählt von einem langen Entscheidungs­prozess. „Meinen Geburts­ort zu verlassen, fiel uns sehr schwer.“ Da die Kinder das Haus nicht über­nehmen wollten, beschloss die Familie, es aufzugeben. Auch beruflich machte der Orts­wechsel Sinn. Renate Gers­tenlauer löste ihre Ikonengalerie auf und wollte ihren Abschluss an einer Universität nach­holen.

Eine anstrengende Zeit folgte: Den Verkauf organisieren, das Haus ausräumen und eine geeignete Wohnung sowie eine neue Stelle finden. Das ist mit zunehmendem Alter schwerer zu stemmen. Gers­tenlauer: „Es kostete uns viel Kraft. Umso besser, dass wir den Schritt früh­zeitig gewagt haben und alles selbst­ständig regeln konnten.“

Neue Freiheiten genießen

Das Ehepaar hat sich für eine 110 Quadrat­meter große barrierefreie Wohnung in Konstanz entschieden. Hier kann es bis ins hohe Alter selbst­ständig leben.

Sollte einer der beiden pflegebedürftig werden, wäre Pflege in der Wohnung möglich. Ein Aufzug bringt sie zu ihrer Wohnungs­tür im dritten Stock. Türschwellen sucht man vergeblich und vom Balkon aus genießen sie den Blick auf den Bodensee. Eine Bushalte­stelle ist in unmittel­barer Nähe, auch Einkaufs­möglich­keiten, Ärzte und Apotheken sind direkt um die Ecke.

Doch der Umzug brachte nicht nur eine barrierefreie Wohnung mit sich. „Wir konnten unseren Horizont erweitern, unser Leben neu ausrichten und viele Freund­schaften schließen.“ Wolfgang Gers­tenlauer hat eine neue Stelle als Schulleiter angenommen und Renate Gers­tenlauer holt ihren Abschluss an der Uni nach. Sie genießen die Unabhängig­keit, gehen spontan ins Kino oder Theater und reisen viel.

Umbau kann viel kosten

Nicht jeder kann sich vorstellen, im Alter noch einmal umzu­ziehen. Viele wollen in der Nähe der Kinder bleiben oder sich schlichtweg nicht von ihrem gewohnten Umfeld trennen. Für sie kann der Umbau ein Weg sein, sich auf das Alter und die abnehmende Beweglich­keit vorzubereiten.

Knack­punkt sind meist die Kosten für den Umbau. Ist die Dusche eben­erdig, reicht im Pflegefall vielleicht die Anschaffung von Haltegriffen und Duschho­cker für etwa 70 Euro aus. Diese Hilfs­mittel über­nimmt in der Regel die Kranken­versicherung, wenn der Arzt sie verordnet. Eine umfassende Sanierung des Bade­zimmers ist wesentlich teurer und kann schnell zwischen 10 000 und 15 000 Euro kosten. Müssen zusätzlich noch Türschwellen und Treppen weichen, wird der alters­gerechte Umbau schnell zur finanziellen Belastung.

Finanzierungs­hilfe ist möglich

Wer Umbaumaß­nahmen zum Abbau von Barrieren vornehmen möchte, kann auf viele Fördermittel zurück­greifen (Tabelle Die wichtigsten Förderungen für einen altersgerechten Umbau). Private Eigentümer und auch Mieter können schon vor dem akuten Bedarf bei der staatlichen Kredit­anstalt für Wieder­aufbau (KfW) Darlehen zu güns­tigen Konditionen oder Zuschüsse beantragen. Auch einige Bundes­länder und manche Kommunen bieten Förderungen an. Welche das sind, zeigt zum Beispiel das Portal Nullbariere.de.

Über einen Riester-Vertrag können viele einen weiteren Topf nutzen: Die staatliche Wohn-Riester-Förderung (siehe Die wichtigsten Förderungen für einen altersgerechten Umbau).

Wer schon pflegebedürftig ist, also eine Pfle­gestufe hat, bekommt von der gesetzlichen Pflege­versicherung nicht nur direkte Pflege­leistungen (So sorgen Sie selbst vor). Sie gibt dann auch Zuschüsse für Umbaumaß­nahmen. Voraus­setzung ist hier: Die Veränderungen müssen das Pflegen erheblich erleichtern, über­haupt ermöglichen oder die Selbst­ständig­keit eines pflegebedürftigen Menschen verbessern.

Guter Rat ist nicht teuer

Bevor sich Interes­sierte für einen Umbau entscheiden, sollten sie sich gut informieren. Das können sie in Pfle­gestütz­punkten, vor allem aber auch in speziellen Beratungs­stellen rund ums alters­gerechte Wohnen. Da die meisten Förderungen an tech­nische Mindest­anforderungen geknüpft sind, ist eine Wohn­beratung empfehlens­wert. Der Berater hilft auch bei der Suche nach einer geeigneten Finanzierung. Viele der Angebote sind kostenlos.

Dieser Artikel ist hilfreich. 36 Nutzer finden das hilfreich.