Interview: „Fortführung der Faulheit“

Manche sprechen von Zeitenwende, für ihn sind Robo-Advisor nichts wirk­lich Neues: Rainer Juretzek, öffent­lich bestellter und vereidigter Sach­verständiger für Kapital­anlagen (IHK).

Machen Robo-Advisor Finanzberater über­flüssig?

Juretzek: Nein. Es wird davon abhängen, wie gut, wie erfolg­reich die Algorithmen sind, die hinter den Fintechs stecken. Es gibt ja auch Start-ups mit Leuten, die aus der Bank kommen und die ihr Geschäft verstehen. Aber es ist im Grunde ja nichts Neues, was Robo-Advisor machen. Das gibt es in einfacher Form schon lange. Vor 25 Jahren bekam ich ein Programm aus den USA in die Hand, bei dem man mit einer Art Schieberegler das Verhältnis von Rendite und Risiko einstellen konnte. Jetzt gibt es halt Apps.

Sind Robo-Advisor auch für Einsteiger geeignet?

Juretzek: Die Home­pages sind nett gemacht, man kann spielerisch mit dem Thema Geld­anlage umgehen. Es wäre allerdings wichtig, dass der Anleger für sich schon eine Finanz­planung gemacht hat, dann hätte er alle nötigen Daten und könnte darauf aufbauend Entscheidungen treffen. Was wir jetzt machen, ist die Fortführung der Faulheit. Normaler­weise muss man sich einarbeiten, wenn es um Anla­geent­scheidungen geht. Das funk­tioniert nicht bei einer Tasse Kaffee, das ist schon eine Aufgabe. Alle wollen Tipps vom Berater, aber die kann er ohne Hintergrundinfos gar nicht geben. Robo-Advice kann gut gehen, aber man kann auch Geld verlieren – wie übrigens bei jedem Anla­geberater.

Ihr Fazit?

Juretzek: Der Vorteil ist, dass der ein oder andere Anleger sich mithilfe der Robo-Advisor mit seiner Geld­anlage und Wegen, die weg vom Spar­buch führen, befasst. In der Nied­rigzins­phase, könnte man über­spitzt sagen, ist alles besser, als nur auf dem Spar­buch zu sparen. Der Nachteil ist, dass man, ohne länger nach­zudenken, Anlagen abschließen kann, die zu riskant sind. Wenn das so easy geht, denkt man vielleicht, das sei auto­matisch gut.

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