Geld­anlage auf eigene Faust: Am besten selbst gemacht

Besser anlegen Test

Passend, einfach, solide – Indexfonds mit Aktien und Zins­papieren sind eine ideale Grund­lage für Selbst­mischer.

Bei hand­werk­lichen Tätig­keiten droht oft Pfusch, wenn Ungeübte ihr Glück versuchen. Sollten also auch Anleger die Gestaltung ihrer Finanzen stets den Profis über­lassen? Nicht unbe­dingt. Finanztest zeigt, wie Anleger mit einfachen Mitteln ihr Vermögen vernünftig strukturieren können. Damit sparen sie nicht nur Geld, sondern verbessern auch ihre Ertrags­chancen.

Breite Streuung mit nur zwei Fonds

Am wichtigsten ist es, das Vermögen auf eine möglichst breite Grund­lage zu stellen, indem man es auf viele verschiedene Anla­geklassen verteilt.

Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Wenn Anleger nur Finanz­produkte auswählen, die bereits sehr breit aufgestellt sind, können sie aus wenigen Bestand­teilen ein Depot bauen, das den Anforderungen an eine große Streuung gerecht wird.

Im einfachsten Fall reichen dazu zwei Investmentfonds: Der eine bildet die Entwick­lung des welt­weiten Aktienmarktes ab, der andere repräsentiert sichere Zins­anlagen in Form von hoch­wertigen Euro-Staats­anleihen.

Lieber einfach als kompliziert

Dass Bank­kunden ihre Geld­anlage selbst in die Hand nehmen, ist natürlich nicht im Sinne hoch­bezahlter Finanz­profis. Ihre gemanagten Vermögens­verwaltungen enthalten meist Dutzende oder sogar Hunderte von Einzel­positionen. Wie sinn­voll sie zusammen­gestellt sind, können selbst gut informierte Anleger kaum beur­teilen. Sie müssen sich also auf die Expertise der Fonds­manager verlassen.

Das ist bei der selbst zusammen­gestellten Mischung aus Indexfonds (ETF) nicht nötig. Wenn die Aktienmärkte steigen, ist der Anleger mit von der Partie. Er segelt zwar „nur“ mit der allgemeinen Markt­entwick­lung, hat aber die Gewiss­heit, dass er nichts Entscheidendes verpasst. Das ist mehr als die meisten gemanagten Vermögens­verwaltungen und Misch­fonds bringen. Wegen ihrer hohen Kosten bleiben sie in der Regel hinter der breiten Markt­entwick­lung zurück.

Risiko lieber selbst fest­legen

Warum nehmen die meisten Anleger dennoch lieber eine gemanagte Vermögens­verwaltung, als selbst aktiv zu werden? Wohl auch, weil die Berater es ihnen ausreden. Bank­berater spielen im Beratungs­gespräch gern ihren größten Trumpf aus und warnen Anleger vor dem hohen Risiko von Aktien-ETF. Denn diese sind in den „Wesentlichen Anleger­informationen“, einem gesetzlich vorgeschriebenen Informations­blatt für Investmentfonds, als deutlich riskanter einge­stuft als Misch­fonds.

Was Anlegern nicht gesagt wird: Wenn sie einen Aktien-ETF mit einem Renten-ETF mischen, sinkt ihr Risiko deutlich. Finanztest hat die Risikoklassen für eine defensive, eine ausgewogene und eine offensive Aktien-Renten-Mischung ausgerechnet (Grafik: Dreimal selbst anlegen). Sie unterscheiden sich kaum von denen der angebotenen Misch­fonds und Vermögens­verwaltungen.

Die Misch­fonds haben meist keine fest­gelegte Aktienquote, sondern eine bestimmte Band­breite, inner­halb derer Aktien und Renten liegen müssen. Wie hoch ihr Risiko zu einem bestimmten Zeit­punkt genau ist, können Anleger nicht fest­stellen. Beim selbst gebauten Misch­fonds wissen sie es.

Wir raten Anlegern, selbst zu entscheiden, wie viel Risiko sie tragen wollen. Die drei Musterdepots bieten für jeden etwas. Um ein Gefühl für das jeweilige Risiko zu bekommen, schauen Anleger am besten auf den maximalen Verlust. Er zeigt, wie viel sie in den vergangenen zehn Jahren schlimms­tenfalls einbüßen konnten. Wohl­gemerkt nur dann, wenn sie zum höchst­möglichen Wert gekauft und später zum Tiefst­wert verkauft hätten.

Indexfonds (ETF) für Selbst­mischer

Aus diesen börsen­gehandelten Indexfonds (ETF) können Anleger einen Misch­fonds gemäß den Depot­vorschlägen (Grafik: Dreimal selbst anlegen) zusammen­stellen. Durch die Höhe des Aktienfonds­anteils bestimmen sie das Risiko der Mischung. Für selbst gebaute Misch­fonds eignen sich außerdem alle „markt­breiten“ Aktien-ETF aus den Gruppen Welt und Europasowie alle dauer­haft guten Renten-ETF Staats­anleihen Welt (Euro) und Rentenfonds Welt (Euro). Diese finden Sie im Produktfinder Fonds.

Anbieter

Kenn­nummer (Isin)

Aktien: Referenz­index MSCI World

Amundi

FR 001 075 609 8

ComS­tage

LU 039 249 456 2

db x-trackers

LU 027 420 869 2

HSBC

DE 000 A1C 9KL 8

iShares

IE 00B 4L5 Y98 3

Lyxor

FR 001 031 577 0

Source

IE 00B 60S X39 4

UBS

LU 034 028 516 1

Renten: Referenz­index Barclays Euro Aggreg.

iShares

DE 000 A0R M44 7

      Indexfonds bei Banken nicht beliebt

      Kunden von Filial­banken stoßen oft auf Widerstand, wenn sie Indexfonds (ETF) kaufen wollen. Das wissen wir aus Zuschriften von Lesern. Die ablehnende Haltung hat aus unserer Sicht wirt­schaftliche Gründe. An ETF verdienen Banken sehr wenig. Weder gibt es einen Ausgabe­aufschlag beim Kauf noch fließen Provisionen für die im Kundendepot gelagerten Fonds. Für Anleger sind das dagegen Riesen­vorteile, denn weniger Kosten bedeutet mehr Rendite.

      Das Beispiel der Frank­furter Volks­bank aus unserem Beratungstest vor zwei Monaten zeigt, dass auch die Berater vor Ort äußerst kundenfreundlich handeln können. Unseren Test­anlegern wurde in allen sieben Beratungs­gesprächen unter anderem der ETF iShares MSCI World empfohlen, der sich vorzüglich für eine breit gestreute Aktien­anlage eignet.

      Andere Banken könnten bei ETF-Empfehlungen sogar konzern­eigene Produkte auswählen. Naheliegend wäre, wenn Berater der Commerz­bank Fonds von ComS­tage, Deutsche-Bank-Berater solche der Konzern­tochter db x-trackers verkaufen würden. Selbst für Kunden von Sparkassen gibt es im begrenzten Angebot der Deka-ETF mit dem Deka MSCI Europe etwas Passendes.

      Unnötiges Umschichten vermeiden

      Wenn Anleger sich für ein Risiko und die dazu passende Depot­mischung entschieden haben, können sie die Indexfonds laufen lassen. Regel­mäßige Kontrolle, bei gemanagten Fonds dringend zu empfehlen, ist hier nicht nötig.

      Die ideale Umsetzung des selbst gebauten Misch­fonds ist ein Welt-Pantoffelportfolio aus Aktien Welt und Staats­anleihen. Anleger haben damit auf Dauer einen Misch­fonds mit nahezu stabilem Risiko.

      Normaler­weise wird sich das Risiko im Laufe der Zeit durch die unterschiedliche Entwick­lung der Aktien- und Anleihemärkte ändern. Wenn die Aktien­kurse stärker steigen als die Kurse der Anleihen, erhöht sich der Aktien­anteil im Depot. Finanztest rät, bei kleineren Abweichungen nichts zu tun. Einen Grund zum Umschichten sehen wir erst, wenn der aktuelle Depotmix um mehr als 20 Prozent vom ursprüng­lichen Niveau abweicht – vor allem, wenn sich die Aktienquote im Depot erhöht hat.

      Wir bieten auch einen Rechner, der Anlegern die Kontrolle erleichtert. Wenn sie den Anla­gebetrag eingeben, erfahren sie, wie hoch der Umschichtungs­betrag ist.

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