Beschwerdestatistik Meldung

Knapp 32 000 Versicherungskunden haben sich 2010 beim Versicherungsombudsmann oder bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beschwert. Doch nützt die Beschwerde auch etwas? Die Stiftung Warentest ruft Leser auf, über Ihre Erfahrungen zu berichten.

Die meisten klagen über Lebensversicherung

Lebens- und Rentenversicherungen machten sowohl beim Versicherungsombudsmann als auch bei der Bafin den Löwenanteil der Beschwerden aus. Beim Versicherungsombudsmann betrafen 38,5 Prozent aller Beschwerden diese Sparte. An zweiter Stelle folgte die Rechtsschutzversicherung mit 15,2 Prozent der Beschwerden und auf Platz drei der Beschwerdestatistik liegt die Autoversicherung mit 11,2 Prozent. Die Erfolgsquote der Beschwerden war höchst unterschiedlich, wie aus dem jüngsten Jahresbericht des Versicherungsombudsmanns hervorgeht: Auf alle Versicherungssparten mit Ausnahme der Lebensversicherung waren immerhin 38,2 Prozent der Beschwerden erfolgreich. Zum Beispiel bekam ein Kunde nach einer Beschwerde beim Ombudsmann eine höhere Schadenszahlung aus seiner Wohngebäudeversicherung. Oder ein Rechtsschutzversicherer, der sich zunächst geweigert hatte, die Kosten für einen Rechtsstreit zu übernehmen, zahlte dann doch dafür.

Ärgernis Lebensversicherung

Im Bereich der Lebensversicherung war die Erfolgsquote mit 19,2 Prozent jedoch nur halb so groß wie in den übrigen Sparten. Der Grund: Die Kunden beschwerten sich beispielsweise über die Höhe der Ablaufleistung ihres Vertrages oder über die Höhe der Überschussbeteiligung. Jedoch hatte der Ombudsmann an der Berechnung des Versicherers meist nichts zu beanstanden – auch wenn er die Klagen der Kunden „durchaus nachvollziehen“ konnte. Denn das Problem sei die Information der Kunden. „Es handelt sich oft um Darstellungen, die für Verbraucher unklar oder missverständlich sind“, erläutert der Ombudsmann. Die Bafin differenziert die Erfolgsquote nicht zwischen Lebensversicherung und anderen Versicherungssparten. Insgesamt hatten laut Bafin-Jahresbericht 30,7 Prozent der unzufriedenen Kunden mit ihrer Beschwerde Erfolg.

Betriebsrentner zufrieden

Erstmals hat der Versicherungsombudsmann in seinem Jahresbericht die Zahl der Beschwerden von Arbeitnehmern über ihre betriebliche Altersvorsorge veröffentlicht. Von allen 18 357 eingegangenen Beschwerden betrafen nur knapp 300 die betriebliche Altersvorsorge. „Wiederkehrende Probleme“ träten beispielsweise auf, wenn ein Arbeitnehmer, der aus einem Unternehmen ausgeschieden ist, den Vertrag privat weiterführen möchte oder wenn beim neuen Arbeitgeber ein anderer Anbieter den Vertrag übernehmen soll, so der Ombudsmann.

Verein und staatliche Versicherungsaufsicht

Der Versicherungsombudsmann ist eine Schlichtungsstelle in Form eines Vereins, in dem die meisten Versicherungsgesellschaften Mitglied sind. Liegt der Streitwert bei einem Betrag bis zu 10 000 Euro, entscheidet der Ombudsmann verbindlich, das heißt der Versicherer muss den Schiedsspruch des Ombudsmanns akzeptieren. Bei einem höheren Streitwert (bis zu 100 000 Euro) kann der Ombudsmann nur eine Empfehlung aussprechen. Der Versicher muss sich nicht daran halten.

Die Bafin ist die staatliche Versicherungsaufsicht. Aus eigenem Antrieb oder nach Beschwerden von Kunden geht sie gegen Unternehmen vor, die Vorschriften oder Gesetze verletzt haben.

Leseraufruf: Ihre Erfahrung ist gefragt

Haben Sie sich schon einmal beim Versicherungsombudsmann oder bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) über Ihre Versicherungsgesellschaft oder Ihren Versicherungsvermittler beschwert? Wenn ja, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Schreiben Sie uns: beschwerde@stiftung-warentest.de

Dieser Artikel ist hilfreich. 736 Nutzer finden das hilfreich.

Mehr im Internet