Berufsunfähigkeitsversicherung Meldung

Kein Geld für wichtigen Schutz: Ein Drittel aller Vollzeitbeschäftigten und Millionen weiterer Menschen schuften für Niedriglöhne. Sie haben kein Geld, um für den Fall der Berufsunfähigkeit vorzusorgen. Viele kündigen ihre Policen aus finanziellen Gründen.

Die Zahl der privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen ist 2005 gegenüber dem Vorjahr um rund 158 000 Verträge gesunken, berichtet der Branchendienst map-report. Das Neugeschäft brach von etwa 2,2 Millionen Abschlüssen im Jahr 2004 auf etwa 1,2 Millionen im Jahr 2005 ein.

Anders als in den Jahren zuvor reichten die neugewonnenen Kunden nicht aus, um die Zahl der Kündigungen und der auslaufen­den Verträge auszugleichen. Insgesamt sind in Deutschland etwa 15 Millionen Menschen privat gegen Berufsunfähigkeit versichert. Teilweise haben sie aber viel zu geringe Renten vereinbart.

Viele seien sich des Risikos durchaus bewusst, eines Tages wegen Krankheit ihren Beruf nicht mehr ausüben zu können, sagt Rüdiger Strichau, Versiche­rungs­experte bei der Verbraucherzentrale Berlin. Doch gerade die Menschen, die eine Absicherung am nötigsten hätten, können sich eine Police für 600 bis 1 000 Euro im Jahr oft nicht leisten. „Bei 99 Prozent der stornierten Versiche­rungen geben wirtschaftliche Gründe den Ausschlag“, sagt auch Michael Salzburg von einem Berliner Versicherungsmaklerunter­nehmen.

Außerdem sind die Versicherer strenger ge­worden: Rund 200 000 Anträge lehnten sie 2005 ab, das ist etwa jeder siebte Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Abgelehnt werden vor allem Menschen, die schwer körperlich arbeiten oder Rückenbeschwerden haben. Auch alle, die schon einmal in Psychotherapie waren, bekommen oft keinen Vertrag mehr.

Der fehlende private Versicherungsschutz ist vor allem für Jüngere fatal. Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren ist, hat keinen gesetzlichen Schutz mehr für den Fall der Berufsunfähigkeit. In den vergangenen zehn Jahren schied etwa jeder fünfte Erwerbstätige wegen Krankheit vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus.

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