Berufsunfähigkeits­versicherung Meldung

Nach viel Mühe doch noch der Erfolg: Musiker Lars Kuklinski, 27, aus­Hameln bekam im 72. Versuch eine gute Berufsunfähigkeits-Versicherung.

Ein guter Vertrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht leicht zu bekommen, doch Interessenten sollten nicht aufgeben. Mit unseren Tipps haben sie bessere Chancen.

Es gibt mittlerweile viele „sehr gute“ ­Angebote für Berufsunfähigkeitsversicherungen. Doch vielen Interessenten, die sich für den Fall der Berufsunfähigkeit eine monatliche Rente sichern wollen, nützt das wenig. Denn wenn sie schon mal krank waren oder einen anstrengenden ­Beruf haben, gehen sie oft leer aus.

Bessere Chancen hat, wer Anfragen bei vielen Anbietern startet, obwohl am Ende ja nur ein einziger Vertrag stehen soll. ­Systematisches Vorgehen hilft. In jedem Schritt sollte der Interessent überprüfen, was der Versicherer ihm auf eine Anfrage oder den Antrag hin tatsächlich anbietet.

Die Vertragsbemühungen für guten Berufsunfähigkeitsschutz sollten in eine Zeit gelegt werden, in die kein längerer Urlaub fällt. Dann kann ein Interessent rechtzeitig auf ein Angebot reagieren oder einem Versicherer fristgerecht absagen, wenn er sich für einen anderen Vertrag entscheidet.

Bilanz ziehen

Vor ersten Anfragen zieht jeder am besten zunächst Bilanz. Wie hoch ist der Bedarf? Welche Rente wäre für den Fall von Berufs­unfähigkeit angemessen? Ist es sinnvoll, den Vertrag an eine Risikolebensversicherung zu koppeln, sodass gleichzeitig für den Todesfall vorgesorgt wird? Angehörige könnten so abgesichert werden.

Für Frauen sind Kombinationen mit einer Risikolebensversicherung oft nicht teurer als Einzelverträge. Männer können ohne Todesfallschutz viel Beitrag sparen.

Für die Rentenhöhe ist das Nettoeinkommen wichtigster Maßstab, wenn damit die Lebenshaltungskosten bestreitbar sind. Sonst sollte die mögliche Einkommenslücke konkret berechnet werden, um weder über- noch unterversichert zu sein. Über eine Nachversicherungsgarantie kann die vereinbarte Rente später bei festgelegten Anlässen (Heirat, Nachwuchs, Einkommensschub) ohne eine erneute Gesund­heitsprüfung erhöht werden. Das nutzt auch, wenn ein Kunde sich anfangs nur eine niedrigere Rente leisten kann.

Anfragen starten

Nach der Bilanz sollten Interessenten Angebote bei Versicherern einholen. Im ersten Schritt mehr als zehn Anfragen zu ­stellen, ist nicht sinnvoll. Sonst nimmt der ­Papierkram schnell überhand. Nur Kunden, die wegen Vorerkrankungen (Sportverletzungen, Allergien, Psychotherapie) mit Schwierigkeiten beim Vertragsschluss rechnen, sollten eventuell gleich noch mehr Unternehmen anschreiben.

Bei der Auswahl hilft unser jüngster Test. Bewertet haben wir Kombinationen aus Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen. Mit „sehr gut“ schnitten 15 Anbieter ab. Interessenten stellen erste Anfragen am besten dort. Starten sollten sie mit den preiswertesten (siehe Tabelle).

Die Erstanfragen werden an die Zentralen der Versicherer oder örtliche Vertretungen gerichtet, am besten schriftlich mit einheitlichem Text per Brief, Fax oder E-Mail. Dann gibt es weniger Missverständnisse als am Telefon. Wichtig sind Angaben über Alter, Geschlecht, Rauchgewohnheiten, die angestrebte Vertragsart, Rentenhöhe, eventuell Höhe der Todesfallsumme und Laufzeit des Vertrags, auch über den Beruf. Seine Tätigkeit sollte jeder klar darstellen. Das vermeidet Nachfragen.

Der Besuch bei einem Versicherungsmakler kann hier Arbeit sparen. Dieser sollte aber Angebote aller Unternehmen vermitteln, nicht nur die von wenigen. Auf jeden Fall sollte er sich zuerst um Angebote aus der Tabelle bemühen.

Direkte Kundenanfragen an ihre Zentrale weisen Versicherer üblicherweise lokalen Vertretungen zu. Häufig werden Interessenten dann von einem Vertreter in ihrer Nähe angeschrieben. Auch Telefonanrufe gibt es, selbst wenn keine Rück­rufnummer angegeben war. Manchmal ­stehen Vertreter unangemeldet vor der Tür eines Kunden, wie uns Leser berichten und Stichproben bestätigen. Und manche Versicherer reagieren gar nicht.

Rückläufe sortieren

Im Normalfall folgt auf eine klare Erstanfrage per Brief, Fax oder E-Mail ein unverbindliches Angebot auf dem Postweg, dem ein Antragsformular beiliegt. Im Erst-angebot sieht der Kunde, ob der Versicherer die von ihm gewünschte Rentenhöhe und Laufzeit für seine Berufsgruppe akzeptieren würde. Oft ist der Antrag schon ­teilweise ausgefüllt. Der Kunde sollte ­unbedingt kontrollieren, ob seine Wünsche berücksichtigt wurden.

Bietet der Versicherer schon jetzt weniger an, lohnt es sich kaum, weiter nachzuhaken. Das gilt besonders, wenn andere ein passenderes Angebot machen.

Wird eine andere Versicherung vorgeschlagen, zum Beispiel eine Unfallversicherung, ist Vorsicht angebracht. Unfälle sind in weniger als 10 Prozent die Ursache für ein gesundheitsbedingtes Ausscheiden aus dem Job. Der Schutz der Berufsun­fähigkeitsversicherung ist also viel besser.

Alarmglocken sollten auch läuten, wenn ein Angebot für eine angehängte Renten- oder Kapitallebensversicherung kommt. Das vermischt den notwendigen Berufsunfähigkeitsschutz mit Geldanlage.

Nach der Durchsicht bleibt hoffentlich genügend Geeignetes übrig. Wenn nicht, sollten gleich neue Anfragen gestartet werden. Auch mit „gut“ bewertete Angebote sollten einbezogen werden. Viele darunter bieten „sehr gute“ Bedingungen, erreichten aber wegen ihres schlechter bewerteten Antrags ingesamt nur ein „Gut“ im Test.

Ausgewählt reagieren

Die ersten Angebote sind noch völlig unverbindlich. Denn erst wenn der Interessent den Antrag mit den Gesundheits­fragen ausgefüllt hat, prüft der Versicherer, ob und zu welchen Bedingungen er ein verbindliches Angebot macht. Die eigentliche Arbeit beginnt deshalb erst jetzt. Die beiliegenden Formulare müssen ausgefüllt werden. Manchmal haben Versicherer spezielle Berufsfragebögen hinzugefügt.

Versicherungsanträge pressen viele Informationen und Fragen auf kleinen Platz. Das sollte nicht zum Weglassen wichtiger Details verführen. Was nicht reinpasst, gehört auf ein Extrablatt! Denn Angaben im Antrag müssen vollständig und korrekt sein. Weist ein Versicherer seinem Kunden später Fehler oder Lücken nach, kann er vom Versicherungsvertrag zurücktreten. Der Kunde wäre ohne Schutz.

Im Antrag sind Namen und Adressen der behandelnden Ärzte anzugeben, die damit von ihrer Schweigepflicht gegenüber dem Versicherer entbunden werden. Interessenten müssen damit rechnen, dass ihre Gesundheitsangaben überprüft werden. Sie sollten ihre Ärzte fragen, was im Krankenblatt steht, auch nach dort aufgeführten, unbestätigten „Verlegenheitsdiagnosen“.

Über mögliche Anfragen sollten die Ärzte informiert und gebeten werden, alle Auskünfte über ihren Patienten strikt auf befragte Zeiträume zu begrenzen.

Ankreuzen muss der Kunde, wie und wann er den Beitrag zahlt. Jährliche Zahlungsweise ist günstiger, weil keine Ratenzahlungszuschläge anfallen. Im Punkt „Überschussverwendung“ empfiehlt sich die „Beitragsverrechnung“. Dann halten mögliche Überschüsse den Beitrag niedrig.

Vertrag

Alle Anträge sollten parallel losgeschickt werden. Dann müssen keine Angaben über Ablehnungen gemacht werden. Interessenten, die anderswo scheiterten, gelten vermutlich als vorbelastet.

Besonders bei Interessenten mit Vorerkrankungen vergeht oft eine längere Zeit, bis danach verbindliche Angebote eintreffen. Es kann aber auch sehr schnell gehen – mit der Ablehnung. Häufig bieten Versicherer Interessenten mit gesundheitlichen Vorbelastungen nur einen Vertrag an, in dem Leistungen bei bestimmten Krankheitsbildern ausgeschlossen sind. Das ist nicht akzeptabel. Bleibt dies das einzige Angebot, sollte der Kunde es nur annehmen, wenn der Versicherer ihm schriftlich zusichert, dass der Ausschluss entfällt, ­sofern die Gesundheitsprobleme in einer vereinbarten Frist nicht wieder auftreten.

Risikozuschläge sind eher hinnehmbar. Bleiben die Beiträge insgesamt erträglich, bekommt der Interessent zwar einen teureren, dafür umfassenden Schutz. Günstig ist es, wenn der Versicherer zusagt, den Zuschlag später abzuschmelzen.

Nimmt der Kunde ein verbindliches Vertragsangebot an, muss er den anderen Versicherern absagen (siehe Stichwort).

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