Junge Kunden zahlen anfangs weniger, später umso mehr. Finanztest hat sich sieben Angebote genauer angesehen.

Valeska von Mühl­dorfer ist auf der Suche nach passendem Berufs­unfähigkeits­schutz. Für die 22-jährige IT-Beraterin aus München kommt ein Einstieg mit günsti­geren Beiträgen in den Anfangs­jahren infrage.

Die 22-jährige IT-Beraterin Valeska von Mühl­dorfer sucht nach einer guten Berufs­unfähigkeits­versicherung. Den Schutz findet die junge Münchnerin allerdings recht teuer. Denn ein paar hundert Euro im Jahr kostet ein guter Vertrag schnell.

Nun locken die Versicherer junge Leute mit Anfangs­rabatten in ihre Verträge. Diese Policen kosten in den ersten Jahren weniger als die üblichen Verträge, später umso mehr. Damit könnte sich von Mühl­dorfer vielleicht anfreunden.

Was der Sprecher des Versicherers Dialog Hans-Jürgen Danzmann sagt, trifft bestimmt zu: „Junge Leute verdienen nicht viel. Sie sollen aber schon für vieles vorsorgen. Ein güns­tiger Einstieg kann da helfen.“

Finanztest hat sich sieben der Angebote angesehen. Zählt man alle Beiträge über die Lauf­zeit zusammen, kosten die meisten Tarife mit Anfangs­rabatt in unserer Stich­probe etwas mehr als die Normal­tarife. Aber die Kunden haben einen kleinen Zins­vorteil, wenn sie anfangs weniger zahlen müssen.

Neben dem Preis haben wir auch zwei besonders wichtige Bedingungen über­prüft:

  • Verzichtet der Versicherer in seinem Angebot auf die „abstrakte Verweisung“? Das ist wichtig, damit er später einen berufs­unfähigen Kunden nicht auf eine andere Tätig­keit verweist und die Rente verweigert.
  • Der zweite Punkt betrifft die „Nach­versicherungs­garantie“, über die ein Kunde die vereinbarte Berufs­unfähigkeits­rente später bei bestimmten Anlässen ohne erneute Gesund­heits­prüfung erhöhen kann. Diese Garantie ist für junge Leute besonders wichtig, denn der finanzielle Bedarf erhöht sich üblicher­weise über die Jahre stetig.

Preis steigt jedes Jahr bei der Dialog

Rund 25 Euro im Monat kostet die „SBUSolution“ der Dialog zum Beispiel für einen 25-jährigen Betriebs­wirt bei 1 500 Euro Monats­rente und einer Vertrags­lauf­zeit bis 65 Jahre. Im Normal­tarif wären es 54 Euro. Wir nennen die Netto­preise, in die der Versicherer erwartete Über­schüsse einkalkuliert hat.

Der Normal­preis basiert auf einer Misch­kalkulation über die gesamte Lauf­zeit. Im Tarif Solution richtet sich der Preis dagegen immer nach dem aktuellen Alter des Kunden. Junge Menschen zahlen weniger, weil sie äußerst selten berufs­unfähig werden. Das dicke Ende kommt aber: Mit 55 Jahren muss unser Modell­kunde knapp 150 Euro pro Monat über­weisen, mit 60 Jahren rund 200 Euro. Erst danach sinkt der Beitrag, mit 65 Jahren zahlt er nur noch rund 46 Euro. Den vorherigen Anstieg kann nur verkraften, wer ständig mehr verdient. Sonst hat er die Police vielleicht ausgerechnet dann gerade gekündigt, wenn sie nötig ist. Bis der Kunde 40 ist, darf er in den Normal­tarif wechseln, wo er mehr zahlt, wenn er dann älter ist. Dafür bleibt sein Beitrag ab dann etwa konstant. Bleibt jemand immer im „Solution“, zahlt er hier übrigens insgesamt viel mehr als bei normalem Einstieg. Auf die abstrakte Verweisung verzichtet der Versicherer. Die Nach­versicherungs­garantie der Dialog ist groß­zügig.

Zehn Jahre Preis rauf bei ErgoDirekt

Bei der ErgoDirekt steigt der Preis nur in den ersten zehn Jahren. Vorsicht: Der Verzicht auf die abstrakte Verweisung muss erst einge­schlossen werden, indem der Kunde statt des Tarifs „Basis“ den Tarif „Premium“ wählt. Auch eine Nach­versicherungs­garantie gibt es nur im Premium-Tarif. Mehr als eine Erhöhung der Rente um 600 Euro ist aber selbst da nicht drin.

Dort zahlt ein 25-jähriger Betriebs­wirt im Starter-Tarif 23 Euro im Monat, ab 36 Jahren 59 Euro. Der Normal­preis liegt bei Einstieg mit 25 Jahren bei 51 Euro.

Preisstufen von Cosmos und Generali

Einsteiger zwischen 15 und 30 Jahren können auch bei der Cosmos einen Anfangs­rabatt bekommen. Hier steigt der Beitrag einmal zum sechsten und einmal zum elften Versicherungs­jahr. Ein 25-jähriger Betriebs­wirt zahlt netto knapp 25 Euro (Comfort-Tarif). Ab Jahr sechs sind es netto rund 43 Euro, ab Jahr elf dauer­haft etwa 61 Euro. Im Schutz enthalten ist eine Todes­fall­leistung von 7 500 Euro. Preis­werter ist der „Basis-Tarif“ mit anfangs hier knapp 20 Euro monatlich. Anders als im Comfort-Tarif kann der Versicherer ihn dort aber auf eine andere Tätig­keit verweisen. Eine Nach­versicherungs­garantie gibt es nicht. Derart abge­speckte Bedingungen sind ungünstig. Selbst im Comfort-Tarif gibt es eine Renten­erhöhung ohne Gesund­heits­prüfung nur bis 800 Euro.

Ähnlich wie die Cosmos-Tarife funk­tioniert die „BUsmart“ der Generali. Unser 25-Jähriger zahlt hier netto im ersten Jahr knapp 27 Euro im Monat, ab Jahr fünf rund 40 Euro und ab dem elften Jahr etwa 53 Euro. Eine abstrakte Verweisung ist ausgeschlossen, die Nach­versicherungs­garantie vergleichs­weise gut. Die Renten­ver­einbarung darf allerdings insgesamt 2 000 Euro monatlich nicht über­schreiten.

Prismalife steigert bis 40 den Preis

Bei der Prismalife aus Liechten­stein sind alters­gemäße Beiträge in drei Tarifen möglich, bis der Kunde 40 ist. Auf die abstrakte Verweisung wird aber nur im „Kompakt“ und im „Exxellent“ verzichtet. Auch eine Nach­versicherungs­garantie gibt es nur dort. Kunden müssen bei der Prismalife eine Zahlungs­ausfall­versicherung dazu­nehmen. Außerdem erhöht sich der Beitrag in den ersten fünf Jahren durch extra Abschluss­kosten. Diese Kosten zahlen Kunden weiter, wenn sie den Vertrag kündigen. Deshalb ist keines der Angebote zu empfehlen.

Starter­option für alle: HanseMerkur

Die HanseMerkur bietet allen Kunden, die es wünschen, eine Einsteiger­option mit nied­rigerem Beitrag in den ersten fünf Jahren an. Ein 25-jähriger Betriebs­wirt zahlt für 1 500 Euro Rente und eine Lauf­zeit bis 65 Jahre knapp 23 Euro netto im Monat. Ab dem sechsten Jahr sind es dauer­haft rund 45 Euro.

Die abstrakte Verweisung ist ausgeschlossen. Die Anfangs­rente darf während der Vertrags­lauf­zeit erhöht werden, insgesamt aber nur um bis zu 100 Prozent. Wer sehr nied­rig einsteigt, kommt damit also nicht weit.

Kurz­vertrag bei der Continentale

Die Continentale versichert junge Leute in ihrer „Starter­Vorsorge“ maximal bis 35 Jahre und anfangs mit höchs­tens 1 000 Euro Rente. Wird ein Versicherter in dieser Zeit berufs­unfähig, zahlt sie die Rente je nach Vereinbarung aber sogar bis 67 Jahre aus.

Der Kunde darf jeder­zeit ohne eine erneute Gesund­heits­prüfung in den Normal­tarif wechseln und Lauf­zeit und Rente erhöhen. Meldet er sich nicht, geht der Vertrag mit 36 Jahren auto­matisch in den Normal­tarif über. Eine abstrakte Verweisung ist ausgeschlossen, eine Nach­versicherungs­garantie ist enthalten.

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