Berufsunfähigkeitsschutz mit Förderung Meldung

Müsste Norbert Rochow, 48, aus Gesundheitsgründen bei Siemens ­ausscheiden, bekäme er Betriebsrente.

Berufsunfähigkeit ist ein Risiko, das die Existenz bedroht. Vorsorgen lässt sich dafür auch im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung und über eine Riester- oder Rürup-Rente.

Jeder Mitarbeiter bekommt eine Versicherung für den Fall der Invalidität gleich mit dem Arbeitsvertrag, ohne ­Gesundheitsprüfung. Das gibt es leider nur in größeren Unternehmen, zum Beispiel bei Siemens, VW, DaimlerChrysler oder BASF. Mitarbeiter, die dauerhaft krank werden, haben dort Anspruch auf ­eine Invaliditätsrente, welche die Firma ­zumindest teilweise für sie finanziert hat.

Eine solche Zusage im Arbeitsvertrag ist viel wert, findet auch Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er wendet aber ein, dass diese Renten für die Sicherung des ­Lebensunterhalts selten reichen.

Der magere Invaliditätsschutz in der gesetzlichen Rente gleicht das nicht aus (siehe „Im Ernstfall nur selten gesetzliche Rente“). Deshalb ist eine eigene Vorsorge für Berufsunfähigkeit sogar wichtiger als eine zusätzliche Altersvorsorge.

Beides lässt sich auch kombinieren. Integriert der Sparer den Invaliditätsschutz in eine Riester- oder Rürup-Rente oder in ­eine selbst bezahlte betriebliche Altersversorgung, kann er den Staat indirekt an der Finanzierung der Beiträge beteiligen. Das ist manchmal sinnvoll.

Schutz per Betriebsrente

Berufsunfähigkeitsschutz mit Förderung Meldung

Zahnärztin Elisabeth Eckert, aus Berlin, 35, rechnete nach und stellte fest: ­Rürup-Rente mit Berufsunfähig­keitsschutz ist doch nichts für sie.

Arbeitnehmer können Teile ihres Gehalts in Beiträge für eine Betriebsrente umwandeln lassen und dabei auch für Berufsunfähigkeit vorsorgen. Im Jahr 2006 sind bis 4 320 Euro steuerfrei, egal ob das Geld in eine Alters- oder Invaliditätsrente fließt oder in eine Mischung aus beidem. Bis ­Ende 2008 werden auf 2 520 Euro davon außerdem keine Sozialabgaben fällig.

Ein so finanzierte Rente wäre später voll steuerpflichtig. Das gilt für eine Alters- wie Berufsunfähigkeitsrente gleichermaßen. Zudem fallen gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge darauf an.

Petra Albrecht, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Steuerberater-Versicherung in Bonn, einer Pensionskasse, empfiehlt den Zusatzsschutz trotzdem unbedingt. „Arbeitnehmer sind deutlich besser abgesichert als mit einer reinen Altersrente“, sagt sie. Rund ein Drittel ihrer etwa 8 000 Versicherten nähme das Angebot wahr. In den aus Gehaltsumwandlung finanzierten Verträgen seien bei ihnen auch hohe Renten für Berufsunfähigkeit möglich.

„Das ist nicht die Regel“, meint Olaf Bothe, Makler in Meerenburg. Anbieter ließen für solche Verträge oft nur begrenzten Berufsunfähigkeitsschutz zu.

Heribert Karch, Geschäftsführer des Versorgungswerks Metallrente, beobachtet zudem, dass Arbeitnehmer ungern Gesundheitsfragen über die Firma beantworten. Diese Fragen sind für eine Berufsunfähigkeitsversicherung Voraussetzung: „Die Fragebögen gehen an die Personalstelle. Dann könnten Leute Einblick in sehr ­persönliche Angelegenheiten bekommen.“

Verbraucherschützer Grieble ist noch aus anderen Gründen skeptisch: „Der Arbeitnehmer bindet eine wichtige Vorsorge an den Arbeitgeber. Verliert er den Job, ist der Schutz vermutlich futsch. Wer sich privat versichern kann, sollte lieber das tun.“ ­Tatsächlich erstreckt sich das seit 2005 ­geltende Mitnahmerecht für Betriebs­renten nur auf das angesparte Kapital für eine ­Altersrente, nicht auf etwaigen Berufsunfähigkeitsschutz. Dieser kann bei ­einer neuen Firma nur fortgesetzt werden, wenn alle Parteien freiwillig mitmachen.

„Arbeitnehmer könnten ihre Betriebsrente aber selbst weiterführen“, wendet Jürgen Vogel von der Alten Leipziger ein. Nachteil sei, dass auf eine daraus gezahlte Rente weiterhin volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fällig wären. Ob die Berufsunfähigkeitsrente auch voll steuerpflichtig wäre oder nur ihr vergleichsweise geringer Ertragsanteil, sei dagegen offen.

Eine abgespeckte Version von Berufsunfähigkeitsschutz innerhalb einer Betriebsrente findet Verbraucherschützer Grieble sinnvoll: die Beitragsbefreiung. Muss der Kunde seinen Job ­wegen Berufsunfähigkeit aufgeben, würde der Versicherer dann für ihn weiter Beiträge für die spätere Altersrente zahlen.

„So wächst im Ernstfall zumindest die Zusatzrente für später weiter“, sagt Petra Albrecht von der Steuerberater-Versicherung. Und Metallrenten-Chef Heribert Karch meint: „Das kostet nicht viel und ­jeder sollte es machen.“ Die Beitragsbefreiung gebe es oft ohne oder nach gering­fügiger Gesundheitsprüfung.

Invaliditätsschutz mit Rürup-Rente

Bei der „Rürup-Rente“ hilft der Staat ebenfalls beim Sparen. Bis zu 49 Prozent des Beitrags dürfen für Invaliditätsleistungen verwendet werden. Viele Versicherer schlagen diese Kombination bewusst vor. „Stimmen die Voraussetzungen, kann der Kunde die Beiträge ja steuerlich absetzen“, sagt Alexander Becker von der Ergo-Versicherungsgruppe.

„Man muss aber genau hinschauen“, meint Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Zurzeit sind maximal 60 Prozent der Beiträge abzugsfähig. Oft kommen die Steuervorteile wegen der „Günstigerprüfung“ aber nicht zum Tragen (siehe Finanztest 12/05: Rürup-Rente für Selbstständige).

Dann zahlt der Kunde die Beiträge aus versteuertem Einkommen und muss die Rente später trotzdem versteuern. Wie viel dafür fällig ist, hängt vom Rentenbeginn ab. Ab 2040 sind für alle Neurentner 100 Prozent steuerpflichtig.

Jan Berg, Sprecher beim Heidelberger ­Finanzdienstleister MLP, ist zuversichtlich: „Wir haben mit externen Fachleuten ein Rechenprogramm entwickelt, damit jeder Kunde damit wirklich spart“, sagt er. Änderten sich die Voraussetzungen, könne der Kunde aus dem Rürup-Vertrag aussteigen, ohne den Berufsunfähigkeitsschutz zu verlieren. Berg: „Viele schließen das in eine Rürup-Rente ein.“ Das kann sich rechnen.

Einem MLP-Berater aus Bremen war das Programm wohl nicht geläufig. Zwei Rürup-Renten verkaufte er einer 25-jährigen Studentin, beide mit Berufsunfähigkeitsschutz. Da die Frau keine Einkünfte hat, zahlt sie keine Steuern und kann keine sparen.

Auch Zahnärztin Elisabeth Eckert hätte sich vermutlich bald über ihr MLP-Angebot einer fondsgebundenen Rürup-Rentenversicherung inklusive Berufsunfähigkeitsrente von 1 400 Euro monatlich geärgert. Für 2005 hätte sie den vorgesehenen Jahresbeitrag von 2 400 Euro noch absetzen können. Doch sobald die 35-jährige Verheiratete Ende dieses Jahres selbstständig ist, ginge das nicht mehr. Denn sie macht schon Beiträge für eine Kapitallebensversicherung steuerlich geltend. Eckert: „Ich habe doch lieber eine Riester-Rente genommen und sorge für Berufsunfähigkeit extra vor.“

Kaum Riester mit Berufsschutz

Auch in die Riester-Rente lässt sich Berufsunfähigkeitsschutz einbinden. Doch Angebote gibt es kaum. Die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) macht es im Tarif „VBL extra“ möglich. Leistungen sind aber nur bei „Erwerbsminderung“ vorgesehen. Der Kunde bekäme erst etwas, wenn er wegen Krankheit keinerlei Beruf mehr bewältigen könnte.

Für Anbieter wie Kunden ist das Geschäft nicht interessant, denn maximal 15 Prozent des Beitrags dürfen bei Riester-Renten in Invaliditätsleistungen fließen. „Das reicht nicht für irgendwas“, meint ­Allianz-Sprecher Timo Scheil.

Bei der Allianz bekommen Riester-Kunden einen Extravertrag für Berufsunfähigkeitsschutz zu etwas günstigeren Konditionen. Das gibt es auch bei der DBV-Winterthur. Sprecher Karl Lindenmayer: „Wir zielen auf Leute, die für Berufsunfähigkeit nicht einzeln vorsorgen würden. Das Risiko, berufsunfähig zu werden, ist bei ihnen etwas geringer als bei Interessenten, die ­Berufsunfähigkeit extra versichern.“

Vielleicht wird der Berufsunfähigkeitsschutz bei Riester populärer, wenn der geförderte Höchstbeitrag 2008 auf 2 100 ­Euro steigt. Dann können immerhin 315 Euro pro Jahr (15 Prozent von 2 100 Euro) dafür verwendet werden.

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