Erwerbs­unfähigkeits­versicherung

Kurz erklärt

Arbeits­unfähigkeit Test

Eine Erwerbs­unfähigkeits­versicherung zahlt je nach Tarif, wenn der Versicherte fast gar nicht mehr oder bis zu maximal drei Stunden täglich in der Lage ist, einer Erwerbs­tätig­keit nach­zugehen.

Wer braucht sie?

Alle, die auf ein Einkommen durch ihre Arbeits­kraft angewiesen sind und sich einen Berufs­unfähigkeits­schutz nicht leisten können oder nur den schlimmsten Fall absichern wollen.

Auszubildenden und Studenten ist eine Erwerbs­unfähigkeits­versicherung zu empfehlen, wenn sie eine Umwandlungs­option vereinbaren. Dann können sie den Vertrag ohne neue Gesund­heits­prüfung zu einem bestimmten Zeit­punkt in eine Berufs­unfähigkeits­versicherung umwandeln, zum Beispiel in den nächsten zehn Jahren.

Auch für Nicht-Berufs­tätige wie Hausfrauen und -männer ist der Schutz sinn­voll, wenn sie eine finanzielle Lücke schließen müssen, die durch den Wegfall ihrer Arbeits­leistung entsteht.

Sie ist wichtig für alle, die ab dem 2. Januar 1961 geboren sind, denn sie bekommen keine gesetzliche Berufs­unfähigkeits­rente mehr. Die im Jahr 2001 einge­führte gesetzliche Erwerbs­minderungs­rente reicht meist nicht, um den Lebens­stan­dard zu halten.

Was zahlt sie?

Eine monatliche Rente, solange die Voraus­setzungen für eine Erwerbs­unfähigkeit vorliegen, maximal bis zum vereinbarten Alter.

Vorteile

Bietet einen Invaliditäts­schutz im Zusammen­hang mit dem Verlust der Arbeits­fähig­keit. Krankheit, Unfall oder Kräfte­verfall können den Leistungs­fall auslösen. Auch psychische Erkrankungen wie eine Depression und Nerven­erkrankungen, sind meist versichert.

Für Personen in risikoreichen Berufen, beispiels­weise Gerüstbauer, Dach­decker, Maurer, aber auch für Köche, Kranken- oder Alten­pfleger ist der Schutz meist wesentlich güns­tiger als eine Berufs­unfähigkeits­versicherung.

Nachteile

Bietet nur Basis­schutz. Die Gesund­heits­prüfung vor Vertrags­schluss ist meist vergleich­bar mit der Berufs­unfähigkeits­versicherung. Vorerkrankungen können zur Ablehnung führen. Auch wer zum Beispiel eine Psycho­therapie gemacht hat, bekommt meist weder eine Berufs- noch eine Erwerbs­unfähigkeits­versicherung.

Unser Test

Finanztest hat 27 Angebote zur Absicherung des Risikos Erwerbs­unfähigkeit geprüft. Ein knappes Sehr gut erhielt der Versicherer Europa für den Tarif EU-Vorsorge Premium. Er erfüllt alle Finanztest-Kriterien eines sehr guten Antrags und bietet Kunden außerdem gute Versicherungs­bedingungen.

Die besten Bedingungen hat Zurich mit dem Tarif Erwerbs­unfähigkeits­vorsorge, der jedoch in der Regel Akademikern nicht angeboten wird. Für die Anträge erhielt Zurich ein Befriedigend – hier gibt es Verbesserungs­bedarf.

Insgesamt schnitten in unserem Test 16 Angebote gut ab. Acht erreichten ein Befriedigend, das Angebot SEU Protect der Bayerischen erhielt ein Ausreichend. Die Anträge für Kunden sind zwar gut, doch die Versicherungs­bedingungen haben wesentliche Einschränkungen.

Unser Test zeigt, dass Kunden eine große Auswahl haben. Sinn­voll können Zusatz­bausteine sein wie eine Beitrags­befreiung bei Berufs­unfähigkeit, die bislang nur wenige Versicherer anbieten: Zurich, Signal Iduna und Provinzial Hannover (Tabelle Erwerbsunfähigkeitsversicherung, „Tarife mit besonderen Leistungen“).

Dann muss der Versicherte im Falle von Berufs­unfähigkeit keine Beiträge an den Erwerbs­unfähigkeits­versicherer zahlen. Eine Rente aus der Erwerbs­unfähigkeits­police erhält er aber erst, wenn er fast gar keiner Tätig­keit mehr nachgehen kann.

Manche bieten im Fall einer Berufs­unfähigkeit eine zeitlich begrenzte Rente, zum Beispiel für maximal drei Jahre, an.

Manche Erwerbs­unfähige sind immer noch in der Lage, jeden Tag ein wenig zu arbeiten oder möchten das auch. Dann ist es gut, wenn ihnen der Versicherer das in begrenztem Maße erlaubt, ohne dass der Renten­anspruch verloren geht. Der Vertrag sollte zulassen, dass Versicherte „bis zu drei Stunden täglich“ arbeiten dürfen. In unserem Test akzeptieren alle Versicherer ein Rest­leistungs­vermögen in diesem Umfang, mit Ausnahme der Bayerischen.

Unter den Tarifen mit besonderen Leistungen steht auch das staatlich geförderte und zertifizierte Produkt der Credit Life. Die Förderung besteht darin, dass Kunden die Beiträge komplett steuerlich absetzen können. Die Beiträge sind höher, dafür gibt es bei Erwerbs­unfähigkeit eine lebens­lange Rente, die im Alter hilft.

Wichtig

Wer gesundheitlich vorbelastet ist, kann ein Angebot mit vereinfachter Gesund­heits­prüfung in Betracht ziehen. Das bietet in unserem Test die Generali mit dem Tarif SEU 15 Klassik an. Auch Swiss Life hat so eine „Smart­variante“. Solche Tarife bieten aber nur einge­schränkte Leistungen.

Kann der Beitrag steigen?

Ja, wie bei Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Erwerbs­unfähigkeits­schutz oft güns­tiger

Berufs­unfähigkeits­versicherungen sind für manche Berufe unbe­zahl­bar, Erwerb­unfähigkeits­schutz ist güns­tiger. Für den Erwerbs­unfähigkeits­schutz mit einer Monats­rente von 1 500 Euro und einer Lauf­zeit bis zum 65. Lebens­jahr zahlt eine Alten­pflegerin zum Beispiel rund 830 Euro netto im Jahr, ein Gerüstbauer 1 140 Euro. Der Berufs­unfähigkeits­schutz beim selben Versicherer kostet die Alten­pflegerin 1 850 Euro, den Gerüstbauer 3 500 Euro.

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