Arbeits­unfähigkeit Test

Zu krank zum Arbeiten? Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung hilft dann am besten. Zweite Wahl ist eine Erwerbs­unfähigkeits­police. Vier weitere Versicherungen aus unserem Test bieten nur Teil­schutz.

Den „Ernst­fall“ hat der 38-jährige Toma Möller aus Thüringen schon erlebt – zum Glück hatte er für diesen Fall vorgesorgt: „Mein Vater hat mich nach meiner Lehre als Elektriker zum Abschluss einer Unfall- sowie einer Berufs­unfähigkeits­versicherung nahezu gezwungen.“

Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung ist die beste Möglich­keit, sich gegen Einkommens­verlust abzu­sichern, wenn Arbeiten aus Krank­heits­gründen oder nach einem Unfall nicht mehr möglich ist. Ein guter Versicherer zahlt, falls der Versicherte in seinem zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr arbeiten kann.

Als Möller vor vier Jahren einen lebens­bedrohlichen Unfall hatte, sprangen beide Versicherer ein. Während seiner Tätig­keit als selbst­ständiger Elektriker stürzte der Thüringer 3,5 Meter in die Tiefe, brach sich zweifach die Hüfte und zehn Rippen. „Lange war unklar, ob ich mich mit meinem angeknack­sten Hals­wirbel wieder erhole.“ Sein Gesund­heits­zustand besserte sich. Nach einem Jahr konnte er sich neu orientieren.

Bei welchen Ursachen gibt es Geld?

Menschen können aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht mehr in der Lage sein, ihr Geld zu verdienen. Nur eine Versicherung für den Fall einer Berufs- oder Erwerbs­unfähigkeit zahlt unabhängig von den Ursachen.

Arbeits­unfähigkeit Test

Berufs­unfähigkeits­schutz verloren

Möller machte sich als Einzel­händler mit kleinem Lotto­laden und Getränke­handel selbst­ständig: „Allerdings verlief die Regulierung mit dem Berufs­unfähigkeits­versicherer nicht unpro­blematisch.“ Der Rechts­streit endete mit einem Vergleich. Möller erhielt einen Einmalbetrag und verzichtete auf die Fortführung seines Vertrages. Seitdem steht er ohne Berufs­unfähigkeits­schutz da, er hat jetzt nur eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Schutz in jungen Jahren abschließen

Oft hängt es vom Gesund­heits­zustand ab, ob jemand einen Berufs­unfähigkeits­schutz erhält. Im Rahmen einer Risiko­prüfung müssen Antrag­steller Fragen zu ihrer Gesundheit und zu Vorerkrankungen beant­worten – häufig für den Zeitraum der vergangenen fünf Jahre. Wer Rücken-, Knie­beschwerden oder Allergien hat, kann damit rechnen, dass Versicherer damit verbundene Risiken vertraglich ausschließen oder einen Beitrags­zuschlag verlangen. Nach Herz­infarkt oder Krebs ist der Schutz fast immer ausgeschlossen. Auch eine Psycho­therapie ist meist ein K.-o.-Kriterium.

Sinn­voll ist ein Vertrags­abschluss schon in jungen Jahren. Denn junge Leute sind gesundheitlich oft weniger vorbelastet und haben gute Chancen, sich günstig und zu sehr guten Bedingungen abzu­sichern.

Gesetzlicher Schutz unzu­reichend

Tatsäch­lich haben von rund 43 Millionen Erwerbs­tätigen in Deutsch­land nur knapp 4 Millionen eine eigen­ständige Berufs­unfähigkeits­police. In rund 13 Millionen Verträgen ist das Risiko Berufs­unfähigkeit über Zusatz­versicherungen abge­sichert, etwa kombiniert mit einer Lebens­versicherung und häufig mit zu kleiner Rente.

Was vielen nicht klar ist: Zusätzliche Vorsorge für den Fall, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten zu können, wird immer wichtiger. Die staatlichen Leistungen sind vor 15 Jahren stark gekürzt worden. Eine gesetzliche Rente bei Berufs­unfähigkeit erhalten ab dem 2. Januar 1961 Geborene nicht mehr. Sie bekommen eine volle Erwerbs­minderungs­rente vom Staat, wenn sie aus Gesund­heits­gründen weniger als drei Stunden am Tag arbeiten können. Sind drei bis sechs Stunden – egal in welchem Beruf – möglich, gibt es eine Rente wegen teil­weiser Erwerbs­minderung. Zusätzlich müssen versicherungs­recht­liche Voraus­setzungen erfüllt sein, etwa fünf Jahre Einzahlung in die Rentenkasse.

Laut Deutscher Renten­versicherung Bund lag im Jahr 2014 der durch­schnitt­liche Zahl­betrag aller bewil­ligten Erwerbs­minderungs­renten bei rund 719 Euro monatlich. Die Höhe der Rente hängt auch vom vorherigen Einkommen ab.

Fast jeder fünfte Arbeitnehmer muss aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig seinen Beruf aufgeben oder sich ganz aus dem Arbeits­leben verabschieden. Wer von seinem Einkommen lebt, sollte über­legen, wie er nach einem solch gravierenden Einschnitt Lebens­unterhalt, Miete, Haus­kredit, Unterstüt­zung der Kinder und die Alters­vorsorge finanziert. Möglicher­weise kommen noch Aufwendungen durch die Krankheit hinzu. Als Faust­regel gilt, etwa zwei Drittel des letzten Netto­einkommens als monatliche Extrarente privat abzu­sichern.

Spezielle Invaliditäts­risiken versichern

Wer sich versichern will, muss sein Budget im Auge behalten. Den besten Schutz, eine Berufs­unfähigkeits­versicherung, können sich längst nicht alle leisten. Je risikoreicher der Beruf, desto teurer der Schutz. Während ein 30-jähriger Akademiker für rund 800 Euro netto im Jahr eine Monats­rente von 2 000 Euro absichern kann, bekommt ein 25-jähriger Industrie­mechaniker für fast den gleichen Betrag nur eine Monats­rente von 1 500 Euro (Tabelle Die besten Berufsunfähigkeitsversicherungen).

Eine Alten­pflegerin muss für diese Monats­rente je nach Versicherer zum Beispiel jähr­lich 1 850 Euro netto, ein Gerüstbauer rund 3 500 Euro aufbringen.

Alternativ kann eine Erwerbs­unfähigkeits­versicherung in Betracht kommen. Für körperlich Tätige ist sie teil­weise um 40 Prozent güns­tiger als eine Berufs­unfähigkeits­versicherung. Allerdings greift der Schutz erst, wenn jemand fast über­haupt nicht mehr arbeiten kann.

Finanztest hat außerdem weitere Verträge untersucht, die Invaliditäts­risiken wie Krankheit, Unfall oder Verlust von Fähig­keiten wie Sprechen oder Gehen absichern: Dread-Disease-(Schwere-Krankheiten-), Grund­fähig­keits-, Funk­tions­invaliditäts- und klassische Unfall­versicherungen. Sie werden manchmal als Alternative zur Berufs- oder Erwerbs­unfähigkeits­versicherung beworben. Unsere Über­sicht von typischen Leistungen dieser Angebote zeigt: Eine echte Alternative sind sie nicht.

Sie leisten nur lückenhaft und kommen als Ausweich­strategie in Betracht, wenn aus Budget- oder Gesund­heits­gründen kein anderer Schutz möglich ist. Nach dem Motto: Besser ein geringer Schutz, als keiner.

„Besser weniger als nichts.“

Arbeits­unfähigkeit Test

Toma Möller, 38, in seinem Lotto­laden in Thüringen.

„Nach meinem schweren Unfall vor vier Jahren war klar, dass ich keine Berufs­unfähigkeits­police bekomme“, sagt Toma Möller aus Thüringen. Er hätte Fragen zu seiner Gesundheit beant­worten müssen. „Der Versicherer hätte mich wahr­scheinlich abge­lehnt“, vermutet der selbst­ständige Einzel­händler, der sich von einem Versicherungs­makler beraten ließ. Zweite Wahl war eine Erwerbs­unfähigkeits­versicherung. Sie zahlt erst, wenn Möller fast gar nicht mehr arbeiten kann. Auch hier nehmen Versicherer eine umfang­reiche Gesund­heits­prüfung vor. Deshalb riet der Makler zu einem Produkt des Versicherers Generali mit ausnahms­weise vereinfachten Gesund­heits­fragen. Möller zögerte nicht lange. Er unter­schrieb einen Vertrag und zahlt monatlich rund 67 Euro.

Nachteil: Der Versicherer springt erst nach fünf Jahren Warte­zeit ein und zahlt maximal eine Monats­rente von 1 000 Euro, es sei denn, es liegt eine unfall­bedingte Erwerbs­unfähigkeit inner­halb der Warte­zeit vor. Für das Angebot der Generali hat Finanztest kein Qualitäts­urteil vergeben (Tabelle Erwerbsunfähigkeitsversicherung), da es nicht den Modell­vorgaben entspricht. Möller: „Trotz der Einschränkung bin ich froh, für den schlimmsten Fall versichert zu sein.“

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