So haben wir getestet

Wir fragten die Versicherer, wie unsere Modell­kunden das Risiko Invalidität absichern können – neben der Berufs­unfähigkeits- und Unfall­versicherung. Sie sollten uns ihr preis­wertestes Angebot vorlegen für Erwerbs­unfähigkeits-, Dread-Disease-(Schwere-Krankheiten-), Funk­tions­invaliditäts- und Grund­fähig­keits­versicherungen.

Art der Versicherung

Angeboten wurden selbst­ständige Verträge sowie Zusatz­versicherungen, gekoppelt an eine Risiko­lebens- oder eine andere Versicherung. Bei der Risiko­lebens­versicherung nennen wir die Höhe der Todes­fall­summe. Viele Versicherer bieten beide Versicherungs­arten an.

Jahres­beitrag

Wir nennen die Jahres­beiträge für zwei Modell­kunden (Nicht­raucher):

  • Diplom­kaufleute (Alter 30 Jahre): Der Vertrag läuft bis zum 67. Geburts­tag. Die Monats­rente beträgt 2 000 Euro.
  • Industrie­mechaniker (Alter 25 Jahre): Der Vertrag läuft bis zum 65. Geburts­tag, Monats­rente 1 500 Euro.
  • Bei der Dread-Disease-Versicherung gibt es keine Monats­rente, sondern eine Kapitalzahlung.
  • Es gibt keine Dynamik (auto­matische regel­mäßige Beitrags­erhöhung) und keine Rabatte. Karenz­zeiten (Zeiten, in denen keine Leistung gewährt wird) wurden nicht vereinbart, sind aber teil­weise Bestand­teil des Produkts.
  • Netto und Brutto bei den Lebens­versicherern: Das Über­schuss­system für die Preise ist die Beitrags­verrechnung (Ausnahmen siehe Fußnoten). Die Monats­renten sind garan­tiert, die Beitrags­höhe nicht. Erwirt­schaftet der Versicherer Über­schüsse, reduzieren diese den Beitrag (= Nettobeitrag). Ohne Über­schüsse zahlen Kunden maximal den Bruttobeitrag. Beim Bonus­system gibt es diese Unterscheidung zwischen Netto und Brutto nicht, statt­dessen kommen die Über­schüsse der Rente zugute.
  • Jahres­beiträge bei der Unfall- und der Funk­tions­invaliditäts­versicherung der Unfall­versicherer: Die meisten Angebote haben alters­abhängige Beiträge, diese können mit zunehmendem Alter deutlich steigen. Auch bei den alters­unabhängigen Beiträgen kann es abhängig vom Schadens­verlauf zu höheren Beiträgen kommen.

Finanztest-Qualitäts­urteil Erwerbs­unfähigkeits­versicherung

Einge­gangen sind die Versicherungs­bedingungen und die Qualität der Anträge. Wir haben ausgewählte, besonders verbraucherrelevante Kriterien bewertet und je nach Bedeutung unterschiedlich gewichtet. War ein Kriterium nur in Teilen erfüllt, gab es Abzüge.

Einige Tarife enthalten besondere Leistungen, zum Beispiel eine Rente bei teil­weiser Erwerbs­minderung. Die Leistungen sind genannt, aber nicht bewertet.

Versicherungs­bedingungen (75 %)

Die wichtigsten Prüf­punkte:

  • A: Erwerbs­unfähigkeit wird anerkannt, wenn ein Arzt sie für den ausgewiesenen (möglichst kurzen) Zeitraum prognostiziert.
  • B: Ist nicht sofort fest­stell­bar, ob ein Versicherter erwerbs­unfähig bleibt, warten die Versicherer eine Zeit lang ab und zahlen dann rück­wirkend oder ab Eintritt. Die Warte­zeit sollte kurz sein (zum Beispiel sechs Monate) und der Versicherer sollte rück­wirkend zahlen.
  • C: Meldet der Versicherte die Erwerbs­unfähigkeit verspätet, zahlt der Versicherer bis zu drei Jahre rück­wirkend oder auch länger.
  • D: Der Schutz kann später ohne erneute Gesund­heits­prüfung bei wichtigen Anlässen erhöht werden, etwa bei Heirat, Geburt, Einkommens­erhöhung, Aufnahme einer selbst­ständigen, haupt­beruflichen Tätig­keit und Immobilien­erwerb (Nach­versicherungs­garantie). Manche Angebote erlauben auch eine Erhöhung ohne Anlass. Wir prüften, ob die Garantie auch für Verträge mit Risiko­ausschluss oder Beitrags­zuschlag gilt und bis zu welchem Alter.
  • E: Es ist möglich, eine garan­tierte Dynamik im Leistungs­fall zu vereinbaren, die Rente erhöht sich dann um den vereinbarten Prozent­satz.

Weitere bewertete Punkte (nicht in Tabelle dargestellt)

  • Erlaubte Tätig­keit: meist bis zu drei Stunden täglich, zum Teil an Einkommens­grenzen gekoppelt.
  • Bei Berufs­unfähigkeit Beitrags­befreiung für Erwerbs­unfähigkeits­schutz.
  • Bei Renten­antrag werden die Beiträge auf Antrag zinslos gestundet.
  • Wenn der Versicherer die Leistungen befristet anerkennt, ist in Monaten fest­gelegt, wie lange dies möglich ist. Noch besser: Verzicht auf befristete Anerkennt­nisse.
  • Der Versicherer verzichtet auf das Recht, den Vertrag zu kündigen oder zu ändern, wenn der Kunde seine Anzeige­pflicht schuldlos verletzt hat (Verzicht auf Anwendung § 19 Absatz 3 und 4 Versicherungs­vertrags­gesetz).
  • Der Schutz gilt welt­weit, auch wenn der Kunde ins Ausland zieht.
  • Der Versicherer über­nimmt Reise- und Aufenthalts­kosten, wenn ein Versicherter, der im Ausland lebt, sich in Deutsch­land unter­suchen lassen muss.
  • Wenn der gesetzliche Renten­versicherungs­träger eine volle Erwerbs­minderung aus rein medizi­nischen Gründen anerkennt, wird dies auch als Erwerbs­unfähigkeit gewertet.

Anträge (25 %)

Diese Prüf­punkte haben wir bewertet:

  • Der Versicherer fragt nicht, ob der Kunde anderswo Anträge gestellt hat, die abge­lehnt oder zu erschwerten Bedingungen angenommen wurden.
  • Verständlich und druck­tech­nisch deutlich wird nahe den Gesund­heits­fragen darauf hingewiesen, dass falsche oder unvoll­ständige Antworten zum Verlust des Versicherungs­schutzes führen können (vorvertragliche Anzeige­pflicht).
  • Fragen zu stationären Kranken­haus­auf­enthalten beziehen sich nur auf die vergangenen zehn Jahre.
  • Fragen zu Arzt­besuchen, Erkrankungen, Unfällen, ambulanten Behand­lungen (auch Psyche) und Operationen oder Medikamenten beziehen sich nur auf die letzten fünf Jahre (ohne HIV).
  • Es wird nur nach objektiven Tatbeständen, Krankheiten, Unfällen oder Behin­derungen gefragt.
  • Es wird auf zeitlich unbe­grenzte Fragen nach ärzt­lich unbe­handelten Krankheiten oder Beein­trächtigungen oder geplanten oder angeratenen Behand­lungen oder Operationen verzichtet.

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