Wenn Lehrer und andere Pädagogen im Dienst grob ­fahrlässig einen Schaden anrichten, müssen sie zahlen. Die Berufshaftpflichtversicherung springt dafür ein.

Schlimmer hätte es kaum kommen können: Während der Turnstunde rutscht ein Schüler vom Reck und fällt so unglücklich, dass er gelähmt ist. Vom Lehrer war während des Unglücks weit und breit nichts zu sehen. Er hatte die Klasse längere Zeit allein gelassen. Die Kinder turnten an den Geräten ohne die vorgeschriebene Hilfestellung durch Mitschüler. Der Lehrer hatte sie nicht veranlasst. Jetzt droht der Unfall im Sportunterricht für ihn zur finanziellen Katastrophe zu werden.

Die enorm teure Behandlung und ­eine lebenslange Rente – das kann Millionen kosten. Auch bei grober Fahrlässigkeit zahlt zwar die gesetzliche Unfallversicherung zunächst die Kosten. Sie nimmt den Lehrer dafür aber in Re­gress. Ohne Berufshaftpflichtversicherung wäre er finanziell ruiniert.

Von dieser Sorge kann er sich für wenig Geld befreien. Eine private Haftpflichtversicherung darf sowieso in keinem Haushalt fehlen. Zahlt der Pädagoge nur ein paar Euro mehr für die Police, ist er nicht nur privat, sondern auch im gesamten Bereich seiner dienstlichen Tätigkeit vor Schadenersatzansprüchen ge­schützt. Dies gilt sowohl für Lehrer als auch für andere Pädagogen wie Erzieherinnen und Unidozenten.

Für andere Berufsgruppen, die bei ihrer Arbeit besonderen Haftungsrisiken ausgesetzt sind (zum Beispiel Ärzte und Architekten), gibt es ebenfalls spezielle Versicherungsangebote.

Ein Pädagoge im öffentlichen Dienst bekommt beim günstigsten Anbieter in der Finanztest-Untersuchung, der Huk24, das Paket aus Privat- und Berufshaftpflicht für die Familie bereits für 48,03 Euro im Jahr. Freiberuflich tätige Lehrer bekommen die Berufshaftpflichtversicherung als Zu­satzbaustein zu einer privaten Haftpflicht beim günstigsten Anbieter VHV bereits für jährlich 5,80 Euro. Für das gesamte Paket aus Privat- und Berufshaftpflicht zahlt ein Lehrer mit Familie für den VHV-Basis-Tarif dann insgesamt 68,44 Euro.

Höheres Risiko für Freiberufler

Bei einigen Anbietern zahlen Honorarkräfte mehr als Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Der höhere Preis hat seinen Grund: Freiberufler können eher persönlich zur Haftung herangezogen werden.

Bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit haften alle, egal ob Honorarkraft oder Lehrer im öffentlichen Dienst. Doch bei mittlerer Fahrlässigkeit sind Lehrer im öffentlichen Dienst auch ohne Berufshaftpflicht auf der sicheren Seite: In diesem Fall übernimmt der Dienstherr, also in der Regel das jeweilige Bundesland, den Ersatz des Schadens.

Dagegen muss der Pädagoge auf Honorarbasis bei mittlerer Fahrlässigkeit je nach Grad des Verschuldens wenigstens teilweise selbst haften. Sein persönliches Haftungsrisiko ist größer. Dafür springt jedoch seine Berufshaftpflichtversicherung ein.

Mittlere Fahrlässigkeit bedeutet laut Gesetz, dass der Schaden bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt voraussehbar und vermeidbar gewesen wäre. So haftet der freiberufliche Lehrer zumindest teilweise, wenn er weiß, dass viele Kinder in seiner Klasse sehr wild und unachtsam sind, und er trotzdem nicht sofort reagiert, um ein Unglück zu verhindern. Dies gilt etwa, wenn ein Kind im dritten Stock der Schule am Fenster hochklettert, es öffnet und von den ans Fenster rennenden Schülern, die ebenfalls hochklettern, am Ende einer herausstürzt. Hätte der Lehrer gleich reagiert, hätte er den Sturz verhindern können.

Häufig müssen Gerichte über den Grad der Fahrlässigkeit entscheiden. Mit einer Berufshaftpflichtversicherung ist auch der auf Honorarbasis arbeitende Pädagoge finanziell abgesichert.

Pädagoge haftet persönlich

Die Haftung jedes Lehrers im öffentlichen Dienst gegenüber einem Dritten geht laut Artikel 34 des Grundgesetzes zunächst in die Verantwortlichkeit des Dienstherrn über. Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit muss der Lehrer jedoch am Ende persönlich den Schaden ersetzen, denn der Dienstherr nimmt ihn in Regress.

Bei Vorsatz bleibt der Pädagoge auf dem Schaden sitzen, bei grober Fahrlässigkeit leistet seine Berufshaftpflichtversicherung Ersatz. Sie zahlt zum Beispiel, wenn der Lehrer wie im Fall des anfangs genannten Sportunfalls seine Aufsichtspflicht grob fahrlässig verletzt hat.

Grob fahrlässig handelt der Lehrer auch, wenn er die Aufsicht auf dem Pausenhof an besonders kalten Tagen stets eigenmächtig unterbricht, um im Lehrerzimmer Kaffee zu trinken. Wenn sich während dieser Zeit auf dem Hof Schüler eine Schlägerei liefern und mehrere verletzt werden, kann der Lehrer für die Folgen vom Unfallversicherungsträger regresspflichtig gemacht werden.

Selbst wenn er im Vergleich zu anderen Kollegen verstärkt zur Aufsicht herangezogen wird, darf er sich dieser ­Aufgabe nicht eigenmächtig entziehen. Sonst haftet er für die Folgen. Hat er keine Berufshaftpflichtversicherung, muss er den Schaden selbst tragen.

Fahrten, Experimente, Nachhilfe

Die Berufshaftpflichtversicherung hilft auch bei Schäden auf Klassenreisen, beispielsweise wenn Schüler während einer Studienfahrt die Sitzpolster eines Eisenbahnabteils aufschlitzen. Die Lehrerin, die wegen grober Verletzung der Aufsichtspflicht Schadenersatz leisten soll, ist durch die Versicherung geschützt.

Noch wichtiger ist dieser Haftpflichtschutz, wenn ein schwerer Unfall passiert. Hat die Lehrerin den Schülern während eines Wandertags zum Beispiel erlaubt, in einem See zu baden, ohne dass sie sich vorher von der Tiefe des Wassers überzeugt hat, können die Folgen tragisch sein.

Wenn ein Schüler bei einem Kopfsprung auf einen dicht unter der Wasseroberfläche liegenden Stein stößt und dadurch eine Querschnittlähmung erleidet, erwarten die Lehrerin womöglich wegen grober Fahrlässigkeit hohe Schadenersatzansprüche, und sie muss vielleicht lebenslang eine Rente zahlen. Um gegen dieses Risiko gut abgesichert zu sein, sollte die Versicherungssumme nicht niedriger sein als 3 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden.

Nicht so dramatisch, aber ärgerlich sind kleinere Missgeschicke, die einem Lehrer im Dienst passieren können. Zum Beispiel im Chemieunterricht: Wenn durch Unachtsamkeit des Lehrers bei ­einem Experiment ein Glasbehälter platzt und verspritzte Chemikalien die Kleidung der um den Experi­men­tier­tisch herumstehenden Schüler beschmutzen, leistet die Berufshaftpflicht Schadenersatz.

Sie springt auch ein, wenn eine Lehrerin Nachhilfeunterricht im Hause der Eltern einer Schülerin erteilt und dort aus Unachtsamkeit eine Vase umstößt.

Ersatz für Schulschlüssel

Viele Tarife bieten über den Grundschutz hinaus zusätzliche Leistungen ohne Beitragsaufschlag. Bei anderen Anbietern müssen solche Extras auch extra bezahlt werden.

Sehr wichtig ist der Schutz zum Schadenersatz nach dem Verlust von Schlüsseln der Schule oder anderer pädagogischer Einrichtungen und bei Schäden am Schuleigentum. Wer grob fahrlässig den Hauptschlüssel eines großen Schulzentrums verliert, muss mit hohen Schadenersatzforderungen rechnen. Er zahlt den Austausch aller Schlösser.

Grob fahrlässig wäre es zum Beispiel, wenn der Lehrer den Zentralschlüssel für die Schule längere Zeit unbeaufsichtigt in der Tür des Klassenzimmers stecken lässt. Auch wenn er den Schlüssel unbeaufsichtigt auf dem Pult im Klassenzimmer liegen lässt, muss er damit rechnen, dass er bei einem Verlust persönlich haftet.

Nicht grob fahrlässig handelt der Lehrer dagegen, wenn er den Schulschlüssel auch während der Freizeit in seiner Schultasche oder Regenjacke mitführt und dabei verliert, so urteilte das Verwaltungsgericht Braunschweig in einem Fall (Az. 6 A 61073/91).

Beim größten Teil der Anbieter ist das Schlüsselrisiko nur gegen Zuschlag auf den Grundbeitrag versicherbar. Die beiden Tarife des Anbieters Asstel sichern dieses Risiko nicht ab. Schlimm für den Lehrer. Grund genug, sich für ein besseres Versicherungsangebot zu entscheiden.

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